Tanja Rast: Arrion

Arrion-250Liebe bis über den Tod hinaus
Tanja Rasts Romandebüt „Arrion“ erzählt von Geistersängerinnen und Geisterrittern, schwarzer Magie, Liebe, Leidenschaft und einem skrupellosen Herrscher. Geistersängerinnen durchstreifen die Welt, um mit ihrem Gesang verlorenen Seelen den Weg ins Totenreich zu weisen. Als die junge Sängerin Neve dies für die Seele des Ritters Arrion tun will, muss sie feststellen, dass Arrion anders ist als jeder Geist, mit dem sie es zuvor zu tun hatte – und dass er sich trotz ihrer Lieder schlichtweg weigert, aus der Welt der Lebenden in die der Toten zu verschwinden, wie es sich für einen braven Geist gehört.

Nein, Arrion ist alles andere als brav. Er schickt sich an, Neve zu folgen, beschützt sie vor Gefahren und wird dabei zusehends realer. Und nicht nur das – er flirtet auch, als gäbe es kein Morgen mehr, und Neve stellt fest, dass der charmante Ritter ihr immer sympathischer wird. Doch Liebe über die Grenzen der Welten hinweg gestaltet sich schwierig. Nicht nur, dass Neve lebt und Arrion bei aller steigenden Nähe zur realen Welt noch immer ein Geist ist – selbst küssen können die beiden Verliebten sich nicht ohne Probleme.

Doch diese Probleme rücken in den Hintergrund, als Neve und Arrion herausfinden, warum Neves Macht stetig steigt und Arrion bald auch für Menschen, die keine Geistersänger sind, sichtbar ist – Schwarze Sänger versuchen, im Namen des skrupellosen Herrschers alle Geistersängerinnen gefangenzunehmen, um sie daran zu hindern, Seelen in die Totenwelt zu singen. Denn sie wollen diese Seelen selbst – und aus ihnen willenlose Kampfmaschinen machen, die im Namen des Herrschers alle Welt unterdrücken sollen.

Tanja Rast erzählt die Geschichte um Arrion und Neve auf humorvolle Weise. Ihre Figuren sind lebendig, haben bei aller Attraktivität Ecken und Kanten und haben auf ihre Weise mit den Problemen ihrer Welt zu kämpfen. Die Autorin versteht es, Kämpfe mit Kriegsäxten und Schwertern, Pfeilen und Streitkolben so realistisch darzustellen, dass das Kopfkino anspringt und ich als Leserin auch schon mal den einen oder anderen nicht ganz so angenehmen Geruch in der Nase hatte. Aber so ist das – Schlachtfelder sind nun mal nicht sauber, und Krieg ist immer schrecklich. Da gibt‘s kein ehrenhaftes Mann-gegen-Mann mit klar abgesprochenen Regeln. Da wird schmutzig gekämpft, und das einzig Wichtige ist das eigene Leben – und das des Menschen, den man liebt.

Neve und Arrion sind ein Traumpaar. Er beschirmt und beschützt sie, ohne dass Neve dabei zu einem Püppchen wird, das ständig gerettet werden will. Nein, Neve ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst ist und weiß, wie sie sie einsetzen muss, um an der Seite ihres Geisterritters zu einer gleichberechtigten Partnerin zu werden.

Wer Romantik liebt, einer Prise Humor nicht abgeneigt ist und damit umgehen kann, dass Schlachtfelder nun einmal nicht mit Perwoll gewaschen werden, wird an Arrion seinen Spaß haben. Tanja Rast bezeichnet ihren heroic romantasy-Roman selbst als „Conan für Frauen“ oder „Schlachten und Schmachten“. Und genau das trifft es.

Ein wirklich gelungenes Debüt und sehr zu empfehlen.

(Diese Rezension wurde auch auf Amazon gepostet)

Katers Balkon-Blues Teil 2

kater_klein Tja, liebe Internetgemeinde, was soll ich sagen?

Das Gerüst ist immer noch da.

Der Estrich ist immer noch nackt.

Irgendwer muss da gewesen sein, um die Risse im Boden des Balkons über uns und in den Wänden zu flicken und dort nachzubessern, wo der Putz abblättert.
Aber das war es dann auch. Keine Handwerker. Keine Fliesen.

Nichts.

Ich bin geneigt, in Depressionen zu verfallen. Draußen scheint die Sonne, und ich kann nicht raus. Bitte bedauert mich. Ich kann mir gar nicht so viel selbst leidtun, wie ich bedauert werden möchte.
Aber gut. Manchmal gibt es diese Dinge, die einfach nicht zu ändern sind. Ich habe keinen Sand und ich bin kein Vogel Strauß, also werde ich meinen Kopf nicht in den nicht vorhandenen Sand stecken. In diesen Zeiten, in denen ich nichts ändern kann, muss ich die Dinge so hinnehmen, wie sie sind, und das Beste daraus machen. Immerhin kann ich noch auf der Fensterbank sitzen und nach draußen schauen. Mich daran freuen, wie alles langsam immer grüner wird. Und ich sage mir: wenn es erst einmal richtig grün ist da draußen und so richtig schön warm, so warm, dass mein Pelz sich aufheizt, wenn ich in der Sonne liege, dann kann ich sicher auch wieder hinaus auf meinen Balkon.
Und bis dahin: Abwarten und Katzenmilch trinken.
Prost.

Euer Katertier

Von Schneeflockenplottern und Bauchschreibern

kreativchaosVorweg: Dies ist kein Schneeflockenbashing. Es gibt Autoren, die mit der Schneeflockenmethode wunderbar zurechtkommen und denen sie wirklich hilft. Diesen Autoren möchte ich ihr Plotwerkzeug auf keinen Fall madig machen.
Mir geht es darum, dass die Schneeflocke nicht für jeden – und auch nicht für mich – das richtige Werkzeug ist.
Kurz und knapp: Schneeflockenmethode – was ist das eigentlich?
Ein Plotwerkzeug, das einem Autor hilft, Struktur in seine Ideen zu bringen und nach einem durchlaufenden roten Faden zu plotten. Dabei erweitert sich das Konzept wie eine sich immer mehr verzweigende Schneeflocke von einem zentralen Punkt aus. Randy Ingmarson beschreibt die Methode ausführlich in diesem Artikel. Eine deutsche Übersetzung findet sich z.B. hier.

Schneeflocke in der Nussschale –  In vielen kleinen Schritten zum ausgefeilten Romankonzept
Schritt 1: Fasse deinen Roman in einem Satz zusammen
Schritt 2: Erweitere den Satz aus Schritt 1 zu einem Absatz
Schritt 3: Charakterisiere kurz und knapp deine Hauptfigur
Schritt 4: Erweitere jeden Satz deiner Zusammenfassung aus Schritt 2 zu einem weiteren Absatz – fasse deinen Roman auf einer Seite zusammen
Schritt 5: Beschreibe jede deiner Hauptfiguren ausführlich. Eine Seite pro Figur!
Schritt 6: Erweitere deine einseitige Romanzusammenfassung auf vier Seiten. Details, bitte!
Schritt 7: Arbeite deine Figuren weiter aus. Schreibe komplette Charakterbeschreibungen. Aussehen, Alter, Familienhintergrund, Augenfarbe, Blutgruppe. Details. Viele Details.
Schritt 8: Erstelle aus dem Dokument aus Schritt 6 eine Szenenübersicht. Am besten tabellarisch.
Schritt 9: Verfasse eine erzählende Beschreibung deiner Geschichte mit den Informationen aus Schritt 4 bzw. 6. Wenn du es machst, hast du gleich die Basis für ein Exposé.
Schritt 10: So. Jetzt darfst du endlich schreiben.

Und ich?
Ich habe es versucht. Ich habe es wirklich versucht, nach dieser Methode zu arbeiten. Und festgestellt, es ist nicht meins. Was nicht bedeutet, dass ich meine Gedanken und Ideen nicht ordnen muss.
Im Gegenteil.
Ich bin bekennende Chaos-Jüngerin und brauche nichts mehr als Struktur und Ordnung in meinen Ideen, damit ich produktiv arbeiten kann – aber nicht so.

Wenn ich eine Idee habe, dann möchte ich schreiben. Jetzt. Aus dem Bauch raus. Mit Gefühl. Mit Leidenschaft. Ich starte mit einer groben Idee und groben Figurenmustern und beginne, eine Geschichte zu erzählen, die ich selbst noch nicht in allen Facetten kenne.
Genau das macht für mich den Reiz des Schreibens aus. Und darum habe ich mir für meine Arbeitweise brauchbare Elemente aus der Schneeflocke herausgepickt, aber mache mir nicht die Arbeit, das komplette Modell durchzuackern.

Denn damit kenne ich meinen Roman dann schon so gut, dass mich an ihm nichts mehr überraschen kann. Und das nimmt mir viel am Schreibspaß und den Grund, warum ich (nicht nur. Aber auch.) schreibe: Ich will mir Neugier bewahren. Mich von meiner eigenen Geschichte und meinen eigenen Romanfiguren überraschen lassen. Mit ihnen in Dialog treten. Mich mit ihnen streiten. Es spannend halten. Details entwickeln, während ich schreibe, und nicht vorher. Auch wenn das bedeutet, dass ich hin und wieder zurückspringen und eben diese Details anpassen muss.

Ich gehe Schritt 1 und habe meinen Romanpitch. Super, denn das spart Arbeit für eventuelle verlags-oder Agenturbewerbungen.
Ich mache die Schritte 4 und 6, manchmal auch 8, bastele daraus ein Exposé.
Notiere mir wichtige Details zu meinen Figuren, damit ihre Namen immer gleich lauten und ihre Augenfarbe auf Seite 259 noch immer dieselbe ist wie auf Seite 1.

Und dann – dann gehe ich schreiben. Und lasse mich überraschen.

Und ihr? Wie plottet ihr?