Erwählte des Zwielichts 14

zwielichtbild Amon nickte. Er schlang die Arme um den Oberkörper und rückte näher ans Feuer heran. „Ich dachte, ich hätte es mir eingebildet. Es war nicht das erste Mal.“
Wieder raschelte es in den Blättern. Sirisa kam zurück und mit ihr traten die noch Fehlenden in den Kreis. Naeve sah aus wie ihr eigener Tod, aber ihr Auge funkelte in wildem Feuer.
„Ich sagte doch, dass wir es schaffen! Iloyon, wie geht es Amayas und Veannan?“
„Es geht schon. Naeve, berichte, was passiert ist, aber zuerst lass Rhian sich deinen Kopf ansehen. Setzt euch. Wer noch Proviant hat – in die Mitte damit.“
In die Gruppe kam Bewegung. Wer seine Ausrüstung gerettet hatte, wühlte darin herum und legte Trinkschläuche, Trockenfleisch, grobes Mehl und steinharten Käse ans Feuer. Cianthara hatte Trockenfrüchte, Luath einen Topf mit Honig und einen erbeuteten Lichtkrieger-Helm.
„Hier!“ Er warf ihn Cianthara zu, die am Feuer die mageren Vorräte begutachtete. „Vielleicht kann man darin Suppe kochen.“ Die anderen lachten. Iloyon kannte dieses Lachen – was war der Klang der Anspannung, die von seinen Leuten abfiel, einer der wenigen guten Momente, in denen sie sich lebendig fühlten und nur an die einfachen Dinge dachten. Etwas zu essen. Etwas Heißes zu trinken.
„Naeve, wie hast du die anderen gefunden?“
Naeve zuckte die Schultern und sah Iloyon an. „Gar nicht. Sie fanden mich. Sie hatten sich hier in der Gegend, gar nicht so weit von diesem Platz, verschanzt und schmiedeten Pläne, wie sie Amayas herausholen könnten. Luath hat mich beinahe aufgespießt, als ich mitten in ihr Lager stolperte, müde und halbblind wie ich war. Um es kurz zu machen – ich erzählte ihnen von Tyurans Tod, wir gedachten seiner Seele und tauschten aus, was wir wussten. Dann gingen wir zu den Felsen und holten euch raus. Das war der Plan und das haben wir getan.“ Sie zuckte zusammen, als Rhian den Verband von ihrem Auge zog, die Wunde mit Kräutern bedeckte und mit einem halbwegs sauberen Tuch neu verband.
Iloyon nickte. „Ihr habt gute Arbeit geleistet. Alle miteinander. Ich binstolz auf euch, aber mein Herz ist voller Trauer wegen Tyuran. Ich bin froh, euch alle wieder an einem Ort zu haben, denn ich muss mit euch reden. Nicht nur über das Lachen im Wind. Cianthara dachte, sie sei die einzige, die es gehört hat. Dann hörte ich es. Und jetzt du, Amon. Hat noch jemand von euch ein Lachen im Wind gehört?“
Wie auf eine Aufforderung hin wurde der Wind stärker. Die Wolkendecke riss auf und über den Baumkronen funkelten die Sterne wie Diamanten in schwarzem Samt. Iloyon sah zum Himmel. So klar hatte er in einem Wald noch nie die Sterne sehen können. Es war, als seien die Blätter der Bäume auf einmal durchsichtig wie Glas. Die Sterne. Waren sie schon immer so schön gewesen?
„Wie schön sie sind.“ Cianthara lehnte sich zurück. „Seht, die Sterne.“
Sirisa hob ebenfalls den Kopf. „Ich habe das Lachen auch gehört, Heerführer. Es war seltsam. Ich hörte es, kurz nachdem wir uns getrennt hatten. Der Wind frischte auf. So wie jetzt. Und dann hörte ich das Lachen. Es klang warm und traurig, liebevoll und ein wenig spöttisch zugleich.“
Iloyon nickte. „Das muss in dem Augenblick gewesen sein, als wir Tyurans Leichnam verbrannten und ich den anderen sagte… was ich vorhabe.“
Sirisa neigte den Kopf, als Tyurans Name fiel. Verstohlen rieb sie sich die Augen, dann sah sie wieder zu den Sternen. Ihre Augen weiteten sich, als ihr Blick den Himmel absuchte.
„Müsste heute Nacht nicht Vollmond sein?“
Iloyon zuckte die Schultern. Er hatte sämtliches Gefühl für Zeit verloren und in der letzten Nacht eher darauf geachtet, dass ihn und Naeve niemand erwischte, als auf den Mond zu schauen. Aber er erinnerte sich an das Blitzen von Stahl im silbernen Licht. Letzte Nacht hatte der Mond am Himmel gestanden, ganz sicher. Beinahe voll. Lichtkrieger kämpften nur bei Nacht, wenn der Mond schien. Wo war der Mond?

Was ist eigentlich Meinungsfreiheit?

“I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it.” (Evelyn Beatrice Hall)

Wir alle wollen sie, wir alle verteidigen sie – Meinungs-und Redefreiheit. Sie ist verankert im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und damit Grundrecht für alle Bürgerinnen und Bürger. Nur, um noch einmal daran zu erinnern, hier der genaue Wortlaut:
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
(Quelle: Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)

Dennoch bin ich der Meinung, und nach längerem Zögern habe ich mich entschlossen, mich zu trauen, hier darüber zu schreiben, dass Meinungsfreiheit mir eben nicht bedeutet, dass ich alles tun und machen und sagen darf, wie es mir gerade in den Sinn kommt und ganz gleich, in welcher Weise ich damit die Gefühle meiner Mitmenschen beleidige. Siehe Absatz 2 Artikel 5 des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung. Da steht etwas von Schranken, von Vorschriften allgemeiner Gesetze, von Jugendschutz und dem Recht auf persönliche Ehre.
Und da war noch etwas in diesem Grundgesetz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar”.
Daraus schließe ich, ich darf meine Meinung sagen, darf mich uneingeschränkt in Wort, Ton und Bild ausdrücken, solange ich damit nicht die Ehre eines anderen, ein Gesetz oder den Jugendschutz verletze. Oder die Würde eines anderen Menschen, denn die Würde des Menschen ist unantastbar.

Ich muss in diesem Zusammenhang immer an ein Buch denken, das ich immer wieder gern lese: “Die unendliche Geschichte” von Michael Ende. Im laufe seiner Abenteuer erhält der Protagonist Bastian Balthasar Bux ein Amulett mit der Aufschrift “Tu was du willst”. Er interpretiert die Inschrift zunächst so, dass er alles tun und lassen kann, was ihm beliebt, und so erschafft und zerstört er wie ein Kind im Sandkasten und wird sich erst der Konsequenzen seines Handelns bewusst, als es schon beinahe zu spät ist. Erst im buchstäblich letzten Augenblick erkennt Bastian die wahre Bedeutung der Inschrift: “Tu deinen wahren Willen”. Mach, was du wirklich tief in deinem Inneren tun willst. Im Sinne von “Nutze die Macht, die dir gegeben wurde (oder auch “die Freiheit, alles zu tun, was du willst”) weise.

Das Grundrecht, das mir mein Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit von jeglicher Zensur und Verfolgung garantiert, gibt mir viel. Es gibt mir Freiheit. Aber mit dieser Freiheit sehe ich auch eine große Verantwortung in meinen und in den Händen aller Menschen, die mit dem, was sie tun, andere Menschen erreichen und vielleicht sogar beeinflussen. Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler. Comiczeichner. Karikaturisten. Liedermacher mit ihren politisch-kritischen Texten. Ich habe in der letzten Zeit immer häufiger das Gefühl, dass vergessen wird, dass alles, was wir tun, Konsequenzen hat, so klein sie auch immer sein mögen.
Vielleicht ist es an der Zeit, wieder an die Verantwortung zu erinnern, die mit all den Freiheiten einhergeht, die wir haben.

“Quidquid agis, prudenter agas et respice finem”. Was du auch tust, tu es mit Überlegung und sieh auf das Ende. (Äsop zugeschrieben)

Erwählte des Zwielichts 13

zwielichtbild „Iloyon! Tien’sha…“
„Cianthara…“ Iloyon ließ zu, dass sie ihn in ihre Arme zog. Er roch ihren vertrauten Duft nach Leder und Kräutern, den Duft ihres Haars, hörte ihren Herzschlag. Für einen Moment schloss er die Augen.
„Cianthara. Amayas ist verletzt, sie haben ihn gefoltert…“
„Shht. Ich kümmere mich um ihn. Komm ans Feuer. Die anderen werden hier zu uns stoßen.“
Iloyon taumelte zum Feuer und ließ sich dort nieder. Cianthara legte ihm einen Umhang um die Schultern, dann kniete sie sich neben Amayas, den Dirian neben Veannans Lager ins Moos gleiten lassen hatte. Iloyon sah das rote Schimmern, das um Ciantharas Hände aufleuchtete, als sie sie sacht auf Amayas‘ Brust legte und dann seine zerschlagenen Finger sanft in ihre heilenden Hände nahm. Er hörte Amayas aufkeuchen, hörte Ciantharas erstickten Schrei, sah sie zittern, und biss sich auf die Lippe. Wenn er jetzt eingriff, konnte es beide das Leben kosten, aber einfach nur zuzusehen, wie seine Geliebte sich verausgabte und sein Blutsbruder gegen seine Schwäche und seine Wunden kämpfte, war eine Qual. Die Zeit verstrich wie zäh fließender Honig. Schließlich löste Cianthara sich wieder von Amayas und wandte sich um. Ihre Augen schimmerten gelb. Auf ihrem Gesicht glitzerte der Schweiß.
„Ich kann nicht mehr tun. Aber er wird vielleicht nie wieder alle Finger bewegen können…“ Sie schluchzte auf. Iloyon nahm sie in den Arm und zog sie an sich. „Tu das nicht. Mach dir keine Vorwürfe. Er wird leben, das ist das wichtigste. Er wird leben.“ Iloyon fühlte, wie Cianthara sich enger an ihn schmiegte. Ihre Hände waren kalt, sie zitterte. Iloyon hielt sie fest an sich und versuchte, sie warm zu halten.
„Glaubst du, sie finden uns hier?“ Ihre Stimme klang müde.
Schritte raschelten im Gebüsch, bevor Iloyon antworten konnte. Er sprang auf, sein Dolch blitzte in seiner Hand.
„Iloyon, wir sind es!“
Iloyon ließ die Hand sinken. „Das nächste Mal sagt ihr früher etwas, ihr Wahnsinnigen. Ich hätte euch beinahe mein Messer entgegengeworfen!“ Er sah in die blassen Gesichter von Sirisa und Amon. Dicht hinter ihnen schoben sich Luath, Nidhan und Naeve durch die Büsche.
„Wir haben sie abgehängt, uns ist keiner gefolgt.“ Amon keuchte, er ließ sich am Feuer ins Gras fallen und streckte die Hände der Wärme entgegen. Die anderen folgten seinem Beispiel, nur Sirisa blieb stehen und ließ einen prüfenden Blick über das kleine Lager schweifen. Iloyon sah sie an.
„Auch wenn ihr nicht verfolgt werdet, hast du noch genug Kraft für einen Schutzkreis?“
Sirisa lächelte. „Immer.“ Sie nickte Iloyon zu, dann begann sie, das Lager abzuschreiten und hin und wieder ein wenig glitzerndes Pulver auf den Kreis zu streuen, den sie um die anderen zog. Iloyon wandte sich Amon zu.
„Wo ist der Rest? Bericht!“
„Sie sind unterwegs. Sind einen anderen Weg gelaufen, um die Lichtlinge abzulenken. Es ging ihnen gut, als wir uns trennten. Naeve macht ihr Auge zu schaffen, sie sagte was von Kopfschmerzen, Liandras hat ein paar Kratzer abbekommen, aber ihm und Malika geht es gut. Rhian ist bei ihnen.“
Iloyon nickte. „Was genau ist passiert? Amayas hat versucht, mir alles zu erklären, aber er war zu erschöpft.“
Amon holte tief Luft. „Wir sind nahe der Singenden Steine von den Lichtlingen angegriffen worden. Anscheinend hatten sie dort gewartet. Weit genug weg von unserem Heer, aber wissend, dass jeder, der von ihren Linien zu unseren will, dort zwangsläufig vorbeikommen muss. Sie nahmen uns in die Zange, wir haben gekämpft wie die Wölfe, aber es war sinnlos. Sie waren einfach zu viele. Einen nach dem anderen schlugen sie nieder. Dass wir alle noch leben grenzt an ein Wunder. Ich habe keine Ahnung, welcher Gott seine Hand über uns hielt, aber einer muss es gewesen sein, sonst hätten sie uns alle getötet und sonst hätten wir nicht fliehen können. Wir schafften es nicht, auch Amayas mit rauszubringen, also haben wir ihn zurückgelassen und gehofft…“ Amon senkte den Kopf. Ein leiser Windhauch ließ die Blätter rauschen und Iloyon hörte das sanfte Lachen im Rascheln. Cianthara sah auf, ihre Blicke kreuzten sich, Sie hatte es auch gehört.
„Was ist so komisch?“ Amons Stimme war ein Knurren. „Wir waren zu wenig!“
Iloyon legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Nichts ist komisch. Alles ist gut und ich habe nicht gelacht. Aber ich höre aus deinen Worten, dass du eben ein Lachen gehört hast.“

Erwählte des Zwielichts 12

zwielichtbild IV

Iloyon zuckte zusammen, als er den Hörnerklang hörte. Stein knirschte unter rennenden Füßen, der Lichtelfen-Unterschlupf war in Aufruhr. Amayas regte sich, als Iloyon sich bewegte, und öffnete das unverletzte Auge.
„Was ist los?“
„Ich weiß nicht. Sie blasen Alarm. Etwas geht hier vor. Ich sehe nach.“
Amayas nickte, dann richtete er sich auf und Iloyon wand sich vorsichtig unter ihm hervor. Die Wachen hatten ihnen den Rücken zugekehrt und starrten in die Dunkelheit. In der Ebene blitzten Lichter auf, mal hier, mal dort, wie Irrlichter im Moor. Aus einiger Entfernung hörte Iloyon Rufe, gebrüllte Befehle und das Singen von Stahl auf Stahl. Seine Hand glitt in zu seinem Stiefel, da, wo das Messer steckte, das die Lichtkrieger ihm abzunehmen vergessen hatten. Er fasste den Griff fest und schlich näher an das Gitter. So nah, dass er einen der Wächter fast berühren konnte. Ein kleiner Hieb, ein Stich, und er würde…
„Das könnte dir so passen, Dunkelbrut! Vorsicht, er hat ein Messer!“ Die Wache wirbelte im letzten Moment herum, Mondlicht fiel auf Iloyons Klinge und ließ sie aufblitzen. Die Wachen starrten ihn an. Und dann sackte einer von ihnen unvermittelt in sich zusammen und blieb reglos liegen. Der Zweite fuhr herum, Iloyon konnte seine Angst beinahe spüren, als er sich hektisch umblickte. Er nutzte die Gelegenheit und warf sein Messer. Zugleich bohrte sich ein Armbrustbolzen in das Auge des Mannes und er sank wie sein Gefährte zu Boden und rührte sich nicht mehr. Ein dunkler Schatten tauchte vor dem Gitter auf und beugte sich über die Wachen.
„Schlüssel“, hörte Iloyon eine sehr vertraute Stimme grummeln, „wo sind die verdammten Schlüssel?“
„Dirian? Beim finstersten Schlund, ich habe mich nie mehr gefreut, dich zu sehen! Was geht hier vor?“
„Wir spielen mit ihnen! Ha! Na also!“ Dirian zerrte ein Schlüsselbund vom Gürtel eines toten Wächters und schob einen Schlüssel nach dem anderen ins Schloss. Erst der letzte passte.
„Bist du allein?“ Dirian spähte an Iloyon vorbei in die Steinzelle.
„Nein. Amayas ist bei mir, aber es geht ihm nicht gut, er wird nicht kämpfen können.“
„Wir holen euch hier raus! Komm. Wir bringen Amayas weg von hier, die anderen halten mir den Rücken frei.“
„Wer außer dir ist noch hier?“
„Rhian, Malika, Liandras und Naeve. Die Blitze da unten, das ist Sirisa. Cianthara ist mit Veannan zurückgeblieben. Sie hat dein Zeichen gefunden, und Naeve stieß kurz vor den Bergen auf uns. Mit einer Horde Lichter im Nacken. War gar nicht so einfach, die loszuwerden, aber wir bekamen unerwartet Hilfe von Siris und den anderen, die auf der Suche nach Amayas waren.“
Iloyon schwirrte der Kopf. Er huschte zurück in die Höhle und zog Amayas auf die Beine.
„Die anderen sind hier. Naeve hat sie gefunden. Komm!“
Amayas stützte sich schwer auf ihn. Er biss die Zähne zusammen und unterdrückte bei jedem Schritt einen Schmerzenslaut, aber er hielt sich auf den Beinen. Iloyon zitterte. Er spürte Amayas‘ Schwäche, seine Schmerzen, aber auch seinen eisernen Willen, durchzuhalten.
„Wohin, Dirian?“
„Ich soll euch zum Waldrand zurückbringen, zu Cianthara. Kommt!“
Iloyon würgte seinen Protest hinunter. Er wollte kämpfen, aber er wollte auch Amayas nicht allein lassen. Ohne etwas zu sagen folgte er Dirian, der ihn auf Schleichwegen die Felsen hinunter führte. Hin und wieder trafen sie auf gefallene Lichtelfen, einige sahen aus, als seien sie nur niedergeschlagen worden, damit sie aus dem Weg waren.
Im Schutz der Dunkelheit flohen sie aus dem Lichtelfen-Außenposten und verschmolzen auf der Ebene mit Grasland und Buschwerk. Erst, als Kampflärm und Waffenklirren hinter ihnen leiser wurden, wagte Iloyon, ein wenig aufzuatmen. Er hatte Amayas einen Arm um die Hüfte geschlungen und einen von Amayas‘ Armen um seine Schulter gelegt, die unverletzte Hand hielt er fest. Dirian sah ihn einige Male fragend an, doch Iloyon schüttelte den Kopf. Er spürte die Verantwortung für alles, was geschehen war, schwer auf sich lasten, er wusste, er hatte Fehler gemacht, indem er die Gruppe geteilt hatte und er wusste, er hatte sich ablenken lassen durch das Scharmützel mit den Lichtelfen gleich nach ihrem Aufbruch. Wahrscheinlich hatten im gleichen Augenblick andere Lichtkrieger schon Amayas‘ Gruppe ausgemacht und sich an ihre Fersen geheftet.
Der Weg zum Waldrand kam ihm endlos vor. Amayas wurde immer schwerer, er konnte kaum noch auch nur einen Bruchteil seines Gewichtes tragen. Als Dirian sie endlich auf eine kleine Lichtung führte, auf der matter Feuerschein aus einer Grube drang, spürte Iloyon seine Beine kaum noch. In die Schatten auf der Lichtung kam Bewegung, jemand erhob sich und war auf einmal an seiner Seite, flüsterte seinen Namen, Amayas wurde ihm abgenommen und er sank mit einem Aufstöhnen in die Knie.

Das war 2014

Als 2014 an den Start ging, postete jemand auf Facebook die schöne Idee mit dem Erinnerungsglas. Bei mir war es die Erinnerungsbox, in der übers Jahr kleine Zettelchen mit Notizen, Souvenirs, Erinnerungsstücke und kleine Geschenke wanderten, die mich an schöne Momente des Jahres erinnern sollten. Zugegeben, viel ist nicht zusammengekommen, denn hin und wieder geriet die Box in Vergessenheit, der Alltagsstress verhinderte diese kleinen Momente des Reflektierens und der Ruhe, und einige Tage und Wochen im vergangenen Jahr waren auf gut Deutsch gesagt so scheiße, dass es sich nicht lohnte, dafür Zettelchen zu schreiben. Trotzdem, die Box wird auch 2015 wieder gefüttert, und ich hoffe am 1. Januar 2016 wieder auf reiche Ernte.
IMG_0737_(800_x_600) Das ist sie. Die Box, liebevoll gestaltet von einer Freundin aus dem Filk-Fandom und durch ein kleines Gewinnspiel in meine Hände gewandert. Ich. habe. Etwas. Bei. Einem. Gewinnspiel. Gewonnen. das war so ein Tag fürs Zettelchen schreiben, denn eigentlich gewinne ich nie was. IMG_0738_(800_x_600) Die Box heute morgen. Und IMG_0739_(800_x_600) ausgepackt. Hoppla, was da alles drin war:
Erinnerungen an Berlin, an dieses umwerfend phantastische lange Wochenende mit dem Chor, Erinnerungen an ein beeindruckendes Konzert in der Philharmonie mit über 200 japanischen und deutschen Musikern und Beethovens neunter Sinfonie. Der erste selbst gefaltete Origami-Kranich. Eine Hobbitmünze mit bewegter Hintergrundgeschichte, Geburtstagsgeschenk einer lieben Freundin. Ein Golfball, den mein Mann in Gustavsfors/Schweden während unseres Urlaubs fand – schöne Erinnerung an die Nachtfahrt auf dem Golfplatz, wir auf der Suche nach einem Lagerplatz. Seitdem sind Golfbälle ein Familienrunninggag. Minisocken von einer Autorenfreundin aus dem Tintenzirkel. Ein zettelchen mit der Aufschrift “Hoffnung” – eines Tages hingen überall in er Stadt kleine Plakate mit diesen Abreißzetteln und der Aufschrift: “Nimm dir was du brauchst”. Und Hoffnung ist immer gut, denn es kann ja nur besser werden.
Zettel, Zettel, Zettel – Erinnerungen an nette Worte, schöne Stunden, gute Nachrichten. Konzertkarten als Erinnerung an schöne musikalische Momente.
Ich freue mich, die Box wieder zu füttern. Auf ins neue Jahr. Es gibt viel zu tun, zu schreiben, zu erleben, zu regeln und in Angriff zu nehmen.