Die Nithyara sind los: “Harfenzorn” kommt im Oktober!

Harfenzorn-cover-finale “Ein todbringender Fluch liegt über dem Land. Durch Verrat und schwarze Magie konnten die Dunkelelfen den Clan der Hainhüter auslöschen. Nur den Barden Silbersang haben die Dunklen verschont, damit sein Bericht Angst und Schrecken zu den anderen Clans bringt.
Silbersang ist allein. Allein mit einer zerbrochenen Harfe, seinen Erinnerungen und seiner Verzweiflung.
Aber muss nicht auch eine zerbrochene Klinge durch das Schmiedefeuer gehen, um eine neue, hervorragende Waffe zu werden?”

Bald ist es soweit – zum BuCon erscheint mein neuer Nithyara-Roman “Harfenzorn” als Auftakt der dreibändigen “Feuersänger”-Reihe. “Harfenzorn” ist die Geschichte des Legendensängers Silbersang,in den sich in den folgenden Bänden ein Kundschafter namens Feuersänger unsterblich verlieben wird. Ich freue mich unglaublich, dass der Machandel-Verlag meinen Nithyara ein neues Zuhause gegeben hat und auch noch einen weiteren Roman mit meinen nachtaktiven Mondanbetern haben wollte.

Erwählte des Zwielichts 40

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Flammenstern kniete neben Amon und dem Bock auf dem Boden und zog sein Messer. Bilder blitzten in seiner Erinnerung auf, er sah einen anderen Jäger mit seiner Beute an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit, und seinen Gefährten, gebannt in einem ähnlichen Moment wie diesem. Flammenstern wusste, was er zu tun hatte. Er schnitt den Bauch der Beute auf und zog das Herz hervor. Mit blutigen Fingern zog er zwei rote Linien auf Amons Wange, dann teilte er das Herz in neun Stücke.
„Am Anfang unseres neuen Weges teilen wir die erste Jagdbeute. Wir danken dem Amon, der den Bock erlegt hat, und wir danken dem Tier, dessen Fleisch uns nähren und dessen Fell einen von uns wärmen wird. Mit diesem Fleisch werden wir eins mit dem Wald.“ Er reichte die Herzstücke herum, jeder nahm und aß ohne zu zögern. Sie hatten draußen in den Gräben schon weitaus schlimmeres gegessen als rohes Rehherz. Schweigend kauten sie, dann sah Amon auf und lächelte Flammenstern zu.
„War mir eine Ehre“, murmelte er verlegen. „Es war fast zu einfach. Er stand auf einmal einfach da, als hätte er auf uns gewartet.“
Nebelstreif betrachtete das Tier und berührte einen kleinen, halbmondfömigen Fleck auf seiner Flanke. „Er war ein Geschenk.“ //Vielleicht wollen die Götter uns prüfen. Hättest du das Herz nicht genommen, hätte ich es getan. Es fühlt sich so richtig an.//
Flammenstern nickte Nebelstreif zu. //Es ist ein altes Ritual der ersten Nithyara. Sie haben das immer getan, wenn sie eine erfolgreiche Jagd hatten. Frag mich nur nicht, woher ich das weiß.//
//Wir wissen es. Wir tragen ihr Feuer in uns. Wir sind ihre Erben.// Nebelstreif lehnte sich kurz an ihn, dann stand sie auf.
„Wir haben ein Festmahl vorzubereiten! Bereitet alles vor, dann verstaut das Fleisch so, dass keine Raubtiere uns bestehlen, und in der Nacht feiern wir unseren Neuanfang. Wir sind jetzt frei.“
„Klingt nach einem guten Plan.“ Amayas lächelte Nebelstreif zu, dann gesellte er sich zu Sirisa und Amon und half ihnen, den Bock zu häuten und auszunehmen. Naeve, deren Mutter Gerberin gewesen war, kümmerte sich um das Fell, Veannan nahm die Geweihstücke an sich. Flammenstern lächelte. Veannan hatte schon immer gern geschnitzt, sei es Holz oder Horn. Seine Fähigkeiten würden nützlich sein hier im Wald. All die vielen Dinge, die sie zu Friedenszeiten getan hatten, würden hier wichtig sein. Er selbst erinnerte sich kaum noch daran, dass er als junger Dunkelelf immer gern gelesen und Geschichten und Lieder gesammelt hatte. Nebelstreif konnte Harfe spielen. Er wusste, sie hatte ein kleines Instrument in ihrem Gepäck, aber im Krieg gab es so viel wichtigere Dinge als Musik.
Wir haben gekämpft und vergessen, wofür wir kämpften. Wir haben verlernt, zu leben. Es wird allen schwerfallen.
Als der Tag anbrach, verteilten sie die Feuerwachen, dann krochen die, die als erste schlafen durften, in ihre Zelte. Alle waren müde nach der langen Nacht, und alle freuten sich auf das kommende Fest und die kommende Zeit. Als Flammenstern sich neben Nebelstreif in den Decken zusammenrollte, konnte er ihre Freude und die erwartungsvolle Neugier der anderen beinahe körperlich spüren. Ja, da war eine Menge Sorge und Unsicherheit, aber er spürte bei allen seinen Gefährten auch eine Entschlossenheit, die seine eigene Sorge zu Sternenstaub werden ließ. Nebelstreif schmiegte sich an ihn, sie schnurrte wohlig, als er durch ihr Haar strich und die Sternenfeuermale an ihren Ohren berührte.
Sie rollte sich herum und sah ihn an.
„Jetzt sind wir allein“, flüsterte sie. „Jetzt kannst du tun, was du vorhin schon tun wolltest.“ Ihre Finger glitten unter seine Maske und lösten sie, dann fuhren ihre Fingerspitzen leicht über sein Gesicht und seine nackte Brust. Flammen zuckten unter seiner Haut. Er spürte die Hitze. (Warnung: ab hier wird’s erotisch) Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 39

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Die Lichtung mit dem schimmernden Steinblock in der Mitte schien auf sie gewartet zu haben. Zwischen den Kronen der Bäume leuchtete Sternenlicht, das sich wie ein silbriger Strom auf den Granit ergoss und die kleinen metallischen Einschlüsse in ihm glitzern ließ. Die mächtigen Bäume mit der silbernen Rinde und den silbrigen Blättern standen um den Felsen wie stumme Wächter. Ihre Kronen verflochten sich wie ein von feinen Maschen durchbrochenes Dach. Flammenstern blieb an Rand der Lichtung stehen.
„Hier haben wir den Ruf der Götter gehört. Wir hatten beide allein sein wollen, und doch trafen uns hier. Wir reichten uns über den Stein hinweg die Hände. Das war der Moment, in dem die Beinahe Vergessenen uns in ihre Welt holten. Ich möchte diesen Platz zu unserem Versammlungsplatz machen. Es ist ein heiliger Ort. Ich glaube, dass jeder von uns, der sich entscheidet, ebenfalls die Nithyarawege zu gehen, früher oder später auch von den Göttern gerufen wird. Sie haben uns versprochen, über uns zu wachen. Wir können in ihrer Nähe sicher sein. Ihre Versprechen sind keine leeren Worte. Ti’shanar und Ti’shanari, der Nachtschatten und die Sternengekrönte, sie sind Wirklichkeit. Und weil wir ihnen hier zum ersten Mal begegnet sind, soll dieser Teil des Waldes von nun an unsere Heimat sein.“
Sirisa betrachtete die Lichtung mit leuchtenden Augen. „Wie wunderschön es hier ist! Ich habe noch nie solche Bäume gesehen. Ich werde unsere Höhlen vermissen, aber ich glaube, dass ich hier leben kann.“ Sie sah zu den Baumkronen hinauf. „Mit ein wenig Geschick könnten wir in den Bäumen Hütten bauen, dann sind wir vom Boden weg und weniger angreifbar.“
Amon legte einen Arm um ihre Taille und lachte. „Mit ein wenig Geschick und mit ein wenig Magie, meinst du wohl.“ Sie lächelte und küsste seine Nasenspitze. „Vielleicht auch mit ein wenig mehr Magie. Aber lasst uns erst einmal ein Lager aufschlagen mit dem, was wir haben, und dann sehen, wie wir uns hier einrichten und ob das hier wirklich so ein guter Platz zum Leben ist. Gibt es hier in der Nähe Wasser?“
„Gibt es!“ Rhians Stimme klang von der anderen Seite der Lichtung herüber, sie war einige Schritte weiter gewandert und hatte den Baumkreis halb umrundet. „Hier fließt ein Bachlauf. Er wird immer breiter. Ich sehe mir das mal an.“
„Nimm Luath mit!“ Flammenstern nickte dem Dunkelelfen zu, und er huschte Rhian nach. Er konnte hören, wie die Schritte der beiden sich entfernten.
„Sammelt Holz für ein Lagerfeuer und baut die Zelte auf. Stapelt alles, was wir haben, am Feuer auf, damit wir sehen, was wir davon noch brauchen können. Sirisa, Amon, schaut euch in der Nähe um, ob ihr etwas Essbares findet. Wenn euch jagbares Wild über den Weg läuft, viel Spaß. Die anderen – Holz sammeln, Lagerfeuer, Umgebung sichern.“
Einige salutierten, bevor sie sich an die Arbeit machten, andere grinsten und zwinkerten Flammenstern zu. Nebelstreif lehnte sich an ihn, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn.
„Ein guter Ort. Neu anfangen! Wir tun es tatsächlich!“ Sie umarmte ihn und schmiegte sich an ihn, ihre Finger krochen in seinen Nacken, fanden die Zeichen auf seiner Haut, fuhren sie nach. Flammenstern erschauerte wohlig. Hitze strömte über seinen Körper, die Zeichen brannten unter Nebelstreifs sanften Fingern. In seinem Schoß sammelte sich die Hitze.
„Götter, Ta’nesha!“ Sanft schob er sie von sich. Er keuchte. „Warte damit, bis wir in einem Zelt sind, im Namen des Nachtschatten!“
Nebelstreif grinste. „Warum?“ Sie sah ihn so unschuldig an, dass er lachen musste. Continue Reading →

Zum Erscheinen des Romans “Arrion”: Ein Interview mit Autorin Tanja Rast

Tanja Rast Bild 2Die erste Romanveröffentlichung ist immer etwas ganz Besonderes. Ich möchte hier ein bisschen feiern, werben und Fähnchen schwenken, denn Tanja Rasts “Arrion” ist ein ganz und gar außergewöhnlicher und im wahrsten Sinne des Wortes großer Held, dem ich eine ebenso große Leserschaft wünsche. Mit Wortwitz, feinem Humor und einem grandiosen Gefühl für die richtige Mischung aus Action und Gefühl entführt “Arrion” in eine Fantasywelt voller faszinierender Mystik und wildem Schlachtengetümmel. 11120961_1140977132595440_1054655630_n Liebe Tanja, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

Tina: Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
Tanja: Ich bin ein Landei. Ich wohne da, wo kaum jemand hinfindet, weil die Leute nach dem Hintern der Welt aufgeben. Da kann niemand mehr wohnen. Doch, noch einen Kilometer weiter. Ich bin Schleswig-Holsteinerin aus Leidenschaft und stolz auf den Bungsberg – die höchste Erhebung dieses Bundeslandes. Ich bin sogar so tapfer, die immense Gipfelhöhe von 168 Metern ohne Sherpa zu bezwingen. Natürlich hat Schleswig-Holstein es auch in einige meiner Kurzgeschichten geschafft.
Auf meinem Hof wuseln Hunde, Katzen und Pferde bevorzugt durcheinander, und sie haben alle auf die eine oder andere Weise schon für Recherche herhalten müssen. Ohnehin ist angewandte Recherche eines meiner Hobbys. Kommt man mit Handschellen eine Leiter hinauf? Wie funktioniert eigentlich Geheimtinte? Und was macht ein Streitkolben mit einem Kohlkopf?

Tina: Dein Genre ist „Heroic Romantasy“. Du fasst das mit den schönen Worten „Schlachten und Schmachten“ zusammen. Was genau dürfen Deine Leserinnen und Leser sich darunter vorstellen? Und überhaupt: Romantasy. Das klingt, als würdest Du in erster Linie ein weibliches Publikum ansprechen. Ist das so?
Tanja: Ich habe schon immer gerne das Brachiale mit dem Romantischen verknüpft. Ich mag Helden, die sich in die Bresche werfen und auch mal etwas auf die Nase bekommen, die schwitzen, bluten und fluchen. Über die man durchaus auch einmal lachen darf, wenn das gewaltige Ego einen Tiefschlag erleidet. Doch geben meine Helden selbst dabei freundlicherweise eine wundervolle Projektionsfläche für die Bewunderung meiner Heldin ab. Das heißt aber nicht, dass meine Heldinnen verzweifelte Jungfrauen in Not sind, die händeringend in Gefahr herumsitzen und sich retten lassen. Sie stellen ein vollwertiges Pendant zu meinem Helden dar und retten durchaus auch mal sich selbst – oder den Helden.
Ich versuche, die Balance zwischen rosarot und blutrot zu finden, und ja: Ich denke, dass meine Romane vorwiegend Frauen ansprechen, nicht umsonst nenne ich meinen Genremix auch „Conan für Frauen“, obwohl ich auch begeisterte männliche Testleser hatte. Deswegen ist mir die Gratwanderung so wichtig. Und sie macht (nicht nur) mir Spaß!
Und ganz ehrlich? Ein Kuss, wenn der Held blutbeschmiert, verschwitzt und noch ziemlich atemlos ist (und der Muskelkater schon seine Vorhut schickt) – hat was!

Tina: „Arrion“ ist der erste wirklich „große“ Roman, den Du veröffentlichst. Was war das für ein Gefühl, als Jürgen Eglseer vom Amrûn-Verlag Dir die Zusage schickte?
Tanja: Jürgen macht keine Schnörkel, Schleifen oder bunte Girlanden. Die Zusage kam erfrischend knackig bei mir an. Ich habe trotzdem die Mail an die viermal gelesen, bis mein Verstand diese Nachricht wirklich annahm. Ein unglaubliches Gefühl. Eine Mischung aus Euphorie, tiefster Zufriedenheit und … Mutterglück, fürchte ich.

Tina: Wie bist Du auf die Idee zu „Arrion“ gekommen?
Tanja: Arrion ist im NaNoWriMo 2010 entstanden. Ich hatte vorher fröhlich an meiner 13bändigen Vampirreihe geschraubt und wurde von zwei Autorenfreundinnen zum NaNo überredet. Ich habe die beiden als irrsinnig bezeichnet und mich trotzdem überreden lassen. Dann wurde mir klar, dass ich mit einem nagelneuen Projekt starten will und muss. Ein Genrewechsel erschien mir reizvoll, und da ich auch in der Vampirreihe schon Romantik mit spontanen Gewaltausbrüchen kombiniert hatte, lag Heroic Romantic Fantasy zum Greifen nahe.
Eigentlich wollte ich nur einen lustigen Roman schreiben, der mich zum Lachen mit und vor allem über meinen Helden bringt. Ein Monat Schreibwahnsinn (das erklärte Ziel des NaNo sind 50.000 Wörter an einem neuen Roman) mit Spaß kombinieren. Klang nach einer guten Idee, bis mein lieber Arrion immer mehr Ecken und Kanten bekam, ein Ego entwickelte, das für zwei Kerle seiner Größe reichte (mindestens!), und der Roman unvermutet einen Schwenk in Richtung Dunkelheit unternahm.
Erklärend sollte ich hinzufügen, dass ich Bauchschreiberin bin, also nicht groß und vor allem nicht feinteilig im Voraus plane. Ich kenne mein Heldenpaar, die Ausgangslage, den Konflikt und das Ende. Stehe ich also am Anfang des Schreibens, tut sich vor mir ein wunderschönes, meist mit Nebel – oder in Arrions Fall mit Dunst von den Wasserfällen – gefülltes Tal auf. Aus dem weißen Wogen ragen Felsspitzen oder Türme. Und ich darf mich von einem zum anderen hangeln und meinen Helden verfolgen, der mir an körperlicher Fitness natürlich weit voraus ist.
Ich entdeckte Arrions andere Seite, die er mit Selbstbewusstsein, Charmeoffensive und Kriegsaxt zu verbergen sucht. Ab da lief der Roman wie ein Flächenbrand voran.

Tina: Und wie kamst Du auf diese … scheußlich schöne Nebenwirkung beim Küssen?
Tanja: Daran ist Arrion selbst schuld. Wer eine Geistersängerin fünf Minuten nach dem ersten Treffen angräbt, als ob es keinen Morgen gäbe, muss damit rechnen, dass die liebende Autorin dem überbordenden Selbstbewusstsein des Helden eine Grube gräbt.
Was ich mache, mache ich gründlich.

Tina: Wenn Du Arrion persönlich treffen würdest, was würdest Du ihm sagen? Und was er Dir?
Tanja: Ähm. Muss das sein? So gerne ich den Charmebolzen aus der Ferne beobachte und ihm begeistert zusehe, wie er ein Schlachtfeld aufrollt … Nein, ehrlich, ich würde ihm sagen, wie stolz ich auf ihn bin und dass ich ihn wirklich lieb habe.
Und Arrion? Oh, er würde mir jede an ihm begangene Gemeinheit (auch die eingebildeten, die er sich selbst zuzuschreiben hat) und Grausamkeit vorrechnen. Nein, nicht gut!

Tina: Ich weiß, dass „Arrion“ nicht Dein einziger Roman ist. Magst Du ein bisschen darüber plaudern, was Du sonst noch so in der Schublade hast?
Tanja: Die entkommen gerade alle der Schublade, habe ich das dumpfe Gefühl. „Cajan“ – mein Halbelf mit der Höhenangst und einem schier unlösbaren Auftrag – und „Roveon“ – seines Zeichens Feuermagier und Egoist reinsten Wassers – haben schon einen Schritt getan, und der Rest lauert nur auf eine Chance.
Was habe ich alles dabei? Einen frömmelnden Mönch, der nicht mit dem Herzen mit seinem Kloster verbunden ist, sondern lieber wieder Marschall wäre. Eine Mumie. Mit knackigem Hintern und grünem Feuer in den Iriden. Zwei Kriegsgötter – ein echter, einer nur dem Namen nach. Ein gefallener Paladin, ein Kardinal, der erleben muss, dass Magie lebendig ist und überaus besitzergreifend. Ein wenig wie ein Rudel verspielter Welpen. Und ebenso rücksichtslos.

Tina: Heroic Romantasy ist eine Seite der Tanja Rast. Was schreibst Du sonst noch?
Tanja: Schleswig-Holstein prunkt nicht nur mit dem Bungsberg, sondern auch mit Haithabu und dem Danewerk, mit Runensteinen und einer Geschichte als Wikingerland. Ausflüge in die Mythologie der Nordmannen gehören für mich einfach dazu.
Sonst schreibe ich hin und wieder sehr gerne Kurzgeschichten, wobei meine Bandbreite da von zuckersüß bis schauderlich-gruselig reicht. Nachdem ich mir jahrelang eingeredet habe, keine Kurzgeschichten schreiben zu können, empfinde ich mittlerweile einen solchen Kurztrip in eine andere Welt als sehr erfrischend und mitunter auch als Abwechslung zu ausgewachsenen Romanen.

Tina: Hast Du andere Autoren als Vorbilder? Wenn ja, wen? Was magst Du an ihm/ihr ganz besonders?
Tanja: Als Vorbilder wage ich sie kaum zu bezeichnen.
Georgette Heyer, Autorin einer ganzen Reihe von Liebesromanen gesetzt in der britischen Regency-Epoche. Ich bewundere die absolut saubere Recherche, die diesen Werken zugrunde liegt. Ernährung, Kleidung, gesellschaftliche Konventionen. Dazu kommen die unverwechselbaren Heyer-Helden und –Heldinnen. Aber was mich wirklich begeistert, sind der ungemeine Witz und die Leichtigkeit der Dialoge, die versteckten Spitzen, die mit kulleräugiger Unschuld oder betont nonchalanter Miene ausgeteilt werden. Von Lächeln bis lautem Lachen ist wirklich alles dabei, dazu die Kunst, zwischen den Zeilen oder auch nur mit zwei, drei Wörtern so viel zu transportieren. Ganz besonders große Klasse.
William Shakespeare. Während mein Deutschlehrer uns durch Die Jammereien des jungen Weicheis quälte, trumpfte mein Englischlehrer mit Macbeth auf. Und es war um mich geschehen. Hier gibt es nur Dialog, keine Beschreibungen, keine Landschaft, keine (naja, kaum) Innensicht. Nur das gesprochene Wort charakterisiert Figuren, ihre Beziehungen zueinander. Und das mit einer Wortgewalt, die mich auch heute noch begeistert und staunen lässt. Zu meinem besonderen Glück konnte ich kurz nach der Lektüre von Macbeth Kenneth Branaghs Henry V im Kino sehen. Da kam dann das Szenenbild dazu, die blutige, schlammige Schlacht von Azincourt …

Tina: Hast Du einen (oder auch zwei…) Tipps für Autorinnen/Autoren, die darüber nachdenken, ihr Werk zu veröffentlichen?
Tanja: Schreibt, was Euch Spaß macht, wofür ihr im Herzen brennen könnt. Als ich meiner Lektorin gegenüber eingestand, dass ich bei der und der Szene besonders viel Spaß beim Schreiben gehabt und laut gelacht hätte, meinte sie, dass dies spürbar wäre und deswegen auch dem Leser so viel Freude bereitet und ihn in die Geschichte zieht.
Wer nur auf den Markt schielt und überlegt, was wohl gut verkäuflich wäre, verliert vielleicht die Seele des Schreibens aus den Augen. Ich schreibe, weil ich sonst platze! Die Geschichten wollen erzählt werden. Es sind meine Geschichten, die nur ich so erzählen kann, die mich mit Wärme erfüllen.
Sucht Euch Betaleser, die den Text auf Herz und Nieren prüfen, die Euch helfen, euren Stil zu entwickeln, die Logiklöcher finden und notfalls auch bei der Korrektur mit unter die Arme greifen. Ich wiederhole das gebetsmühlenartig immer wieder: Ein Manuskript, das vor Fehlern strotzt, macht niemanden glücklich. Ein Autor sollte die Grundlage seines Handwerks beherrschen. Das mag bei Spannungsbogen und Charakterentwicklung noch lange nicht aufhören, aber es beginnt mit Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Tina: Gibt es noch etwas, das Du unbedingt loswerden möchtest?
Tanja: Dass ich aufgeregt bin? Dass ich das Cover als Bildschirmhintergrund eingerichtet habe?
Ich hoffe, dass Arrion meinen Lesern so viel Freude bereitet, wie ich beim Schreiben empfand.

Liebe Tanja, ich danke Dir für dieses Interview und wünsche Dir ganz viel Erfolg mit „Arrion“!

Hier schaltet sich der Werbekater ein und brüllt ganz laut: Kaufen! Lesen! Weiterempfehlen!