Tschüß, 2015 – willkommen, 2016!

Wie, schon vorbei?
Kann mir bitte mal jemand sagen, wo das vergangene Jahr so schnell hin ist? Wir haben doch gestern erst Silvester gefeiert. Aber nun gut, 2015 ist auf dem Rückzug, also gibt es jetzt auch einen kleinen Rückblick hier im Blog.
2015 war ein Jahr der Schreiberfolge. Meine Dschnungelbewohner bekamen mit „Nachtjägerseele“ die erwartete Fortsetzung, ich durfte die Printversion der „Missverstandenen Monster“ in Händen halten und meine Orgelspinne gedruckt sehen, und die Nithyara starteten mit dem Prequel „Harfenzorn“ in die Neuauflage-Runde. Meine aller-allererste Romanveröffentlichung überhaupt, „Im Fischernetz“, liefert immer noch so viel an Tantiemen, dass es für einmal gemütlich Essengehen reicht, und das freut mich wirklich – anscheinend gibt es immer noch Menschen, die meine Geschichte vom Werfisch und dem entlaufenen Sklaven neugierig macht.
2015 war ein Jahr der Katzen, wie kann es in diesem Haushalt auch anders sein? Neuzugang Kleo, 2014 um die Weihnachtszeit eingewandert, schlich sich in Haus und Herzen, taute immer mehr auf und ist inzwischen nicht mehr hier wegzudenken. Vom kleinen fauchenden Dämon unter dem Bett hat sie sich in eine süße kleine Kuschelkatze verwandelt.
2015 war ein Jahr der Selbsterkenntnis. Der November hat mir gezeigt, was ich schaffen kann, wenn ich mich nur durchbeiße. Der NaNoWriMo war anstrengend, stressig, spaßig und am Ende ein Marathonschreiben. Das letzte Zehntel an Wörtern entstand am letzten Tag, die 50k erreichte ich buchstäblich um Fünf vor Zwölf. Ja, es geht, 10k an einem Tag zu kloppen, aber ganz ehrlich, noch mal brauche ich das nicht.
Genausowenig wie einige andere Dinge. Öfter mal Neinsagen ist einer meiner guten Vorsätze, mehr Gelassenheit, mehr Ruhe und mehr Achtsamkeit. Mehr hier und jetzt statt gestern und morgen. Mehr kleine Dinge und kleine Schritte statt Monsterziele und Höhenflüge.
Schreiberisch werfen schon einige Dinge für 2016 ihre Schatten voraus. Natürlich geht es weiter mit den Nithyara. Der „alte“ Feuersänger erscheint neu poliert in zwei Einzelbänden, geplant sind dazu noch Kurzgeschichten und eine erste Selbstveröffentlichung. Ganz weit weg, aber schon in Sicht, winkt eine weitere Veröffentlichung, schon für das Jahr 2017. Es bleibt spannend!

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick, was es auf diesem Blog im kommenden Jahr geben wird:
– weiterhin Buchbesprechungen/Rezensionen
– Fortsetzung des Online-Romans “Erwählte des Zwielichts”
– Neuauflage vom “Kater der Woche”
– mehr Zentangle

Euch allen ein gutes neues Jahr. Bleibt gesund. Lasst euch nicht stressen. Bleibt ihr selbst, verbiegt euch nicht. Lebt euer Leben, ihr habt nur dieses eine!

Nithyara Weihnachts-Special

Die Nithyara wünschen frohe Weihnachten. Viel Spaß mit dieser kleinen Geschichte aus dem Feuersänger-Universum!

Mittwinter

Feuersänger starrte aus dem winzigen Fenster und traute seinen Augen nicht. Der Wald hatte sich über den Tag hinweg in ein weißes Kleid gehüllt. Dick und schwer lag das helle, schimmernde Zeug auf den Ästen der Silberbäume, hatte die Wiese unter sich begraben und bedeckte die Sitzbänke am Versammlungsplatz. Jedes Baumhaus war von einer im Sternenlicht bläulichweiß glitzernden Kappe bedeckt. Kalter Wind pfiff um Sängers Nase. Er schauderte und ließ den schweren Ledervorhang schnell wieder vor die kleine Öffnung fallen. Brr. Wenn ein Nithyara etwas verabscheute, dann die Kälte des Winters – auch wenn dieses weiße Zeug eine seltsame Faszination auf Sänger ausübte. Leise kroch er wieder zur Schlafstatt, auf der sein Lehrmeister Sternenglanz noch tief und fest schlief. Neben ihm lag zusammengerollt Silbersang, der Legendenbewahrer. Feuersänger betrachtete ihn mit einem liebevollen Blick – Silbersang war mehr als ein Freund, mehr als ein Geliebter für ihn. Er war sein Ta’nesha, sein Seelengefährte. Das Beste, was ihm je passieren konnte.
Mit einem Lächeln ließ Sänger seine Hand in Silbersangs weiches Haar kriechen und kraulte ihn hinter einem spitzen Ohr. Silbersang seufzte im Halbschlaf, gab ein leises Grummeln von sich, dann öffnete er träge die Augen.
„Ta’nesha! Was ist los, warum schläfst du nicht?“
Sänger grinste. „Ich war wach, und weil es sowieso bald Zeit für das Frühstück ist, wollte ich mich nicht noch einmal umdrehen. Silbersang, es ist etwas merkwürdiges passiert, draußen ist alles weiß!“
Zu Sängers Überraschung nickte Silbersang nur. „Der erste Schnee, das war zu erwarten.“
„Sch…nee? Zu erwarten?“ Sänger merkte, dass er seinen Ta’nesha aus großen Augen angesehen haben musste, denn Silbersang grinste, richtete sich auf und strich ihm durchs Haar.
„Ja. Schnee. Sag bloß, du hast noch nie Schnee gesehen, Ta’nesha!“ Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 45

zwielichtbild „Amayas!“ Flammenstern spürte einen kalten Schauer über seinen Rücken rieseln. Sein Haar sträubte sich.
„Lass ihn reden, Flammenstern. Ich mag es, wenn meine Kinder kämpferisch sind.“
Flammenstern biss sich auf die Zunge und presste die Lippen zusammen.
Amayas sah dem Gott in die Mitternachtsaugen. „Ich habe etwas als Geheimnis gehütet und Ihr habt es denen offenbart, vor denen ich es gehütet habe, um sie und mich zu schützen.“
Der Nachtschatten nickte. „Das habe ich. Und meine Schwester ebenfalls. Wir haben es getan, weil es Geheimnisse solcher Art unter unseren Kindern nicht geben soll. Niemand kann nur einem gehören. Liebe hat viele Gesichter, niemals nur eines. Ihr werdet sehen, dass kein Einzelner einem Nithyara die Nähe geben kann, die er zum Leben braucht. Nithyara.“ Er sah in die Runde, langsam lösten sich seine Hände von denen, die direkt neben ihm standen – Amon und Sirisa – und auch die anderen lösten ihren Griff. Nur Naeve hielt die Hand der Göttin noch ein wenig länger fest. Sie bebte, auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck von Freude und Verwirrung. Flammenstern wusste kaum, wen er zuerst ansehen sollte. Das waren seine Gefährten, weißhaarig, dunkeläugig, gezeichnet, verwirrt. Und mitten unter ihnen die Götter. So nah. So wirklich.
Amayas neigte den Kopf vor dem Nachtschatten, aber Flammenstern konnte spüren, dass er gern noch etwas erwidert hätte. Sie mussten reden, dringend, er, Amayas und Nebelstreif. Er sah Amayas an.
„Wie willst du dich von heute an nennen?“ Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 44

zwielichtbild XI

Für einen Moment glaubte Flammenstern, zu schweben. Er spürte Amayas‘ Hand in seiner einen und Nebelstreifs in seiner anderen Hand.
Langsam kehrte dämmriges Licht zurück, als der schwarze Schatten auf dem Himmel die Sterne wieder freigab. Flammenstern hörte nur seinen eigenen Atem, das Keuchen der anderen und das leise Prasseln des Feuers im Hintergrund. Er schüttelte sich wie eine nasse Katze, dann sah er sich vorsichtig um, nicht sicher, ob er sehen wollte, was ihn erwartete.
Amayas lag auf dem Stein, sein Körper schimmerte von Sternenfeuerzeichen. Sein ehemals schwarzes Haar war weiß geworden, seine Augen schwarz. Seine Hände umschlossen Flammensterns und Nebelstreifs Hände so fest, dass es beinahe schmerzte. Flammenstern ließ seinen Blick über die anderen wandern, die noch immer im Kreis um sie herumstanden, die Götter unter ihnen. Auch das Haar der anderen war weiß geworden, ihre Augen dunkel, hier und da sah er Zeichen auf blasser Haut aufblitzen. Sie alle wirkten verwirrt, nur langsam klärten sich ihre Blicke, nur um dann wie gebannt an den Göttern hängen zu bleiben. Langsam wandte Flammenstern sich wieder zu Amayas, der ihn mit einem verwirrten Lächeln ansah, dann zu Nebelstreif schaute und mit einem beinahe verzweifelten Gesichtsausdruck die Augen schloss.
//Du weißt es. Sie weiß es. Ich… wollte nicht…// Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 43

zwielichtbild //Neumond!// Amayas‘ Gedanken brannten sich in Flammensterns.
//Feuerschwert.// Er streckte seine Hand aus. //Ich kenne dich. Jetzt kenne ich dich endlich ganz!//
//So, wie ich dich. Es ist kaum zu ertragen! Wird es je wieder aufhören, Neumond? Dieses Feuer? Ich brenne. Ich verbrenne. Es ist Qual. Und es ist Lust. Verlangen. Es ist zu stark für mich!//
Flammenstern schüttelte den Kopf. //Es ist nicht zu stark für dich. Nimm es an. Lass dich schmieden. Lass dich fallen. Ich fange dich auf.//
Er hörte Amayas keuchen. //Und wenn ich nicht kann?//
//Du kannst. Spring. Ich halte dich. Ich habe dich immer gehalten.//
Flammenstern spürte, wie Amayas all seinen Mut zusammennahm und sich ins Feuer stürzte. Und er war da und fing ihn auf, und Nebelstreif war an seiner Seite und breitete ebenfalls die Arme aus. In diesem Moment sah er es – etwas in Amayas‘ Seele blitzte auf, etwas, das Amayas schnell vor ihm zu verbergen versuchte, doch zu spät. Flammenstern hatte es gesehen und Amayas wusste es. Flammenstern sah das leise Zusammenzucken der Seele und wusste keinen Grund, warum.
Amayas liebte Cianthara. Er liebte Nebelstreif. Und er hatte nie etwas gesagt, um ihn, Iloyon, Flammenstern, nicht zu verletzen. Nebelstreif schien ebenso überrascht – sie hatte ihre Seele ausgeschickt, um einen Freund aufzufangen und aufgefangen hatte sie einen unglücklich Liebenden.
Flammen schlugen über ihnen zusammen. Es war wie im Reich der Götter, wie in dem Moment, als sie verändert wurden. Die Nacht wurde gleißend hell.
Dann schlagartig mitternachtsschwarz.