Svea Lundberg: Kristallschnee

kristallschnee Mit dem im Dead Soft-Verlag erschienenen Roman “Kristallschnee” stellt Svea Lundberg ihren sehr gelungenen Debütroman vor. Gekonnt verwebt die Autorin einen spannenden Krimi um Drogen, einen gewalttätigen Vater und ein Kind, das unter allen Umständen geschützt werden muss, mit der turbulenten Liebesgeschichte, die sich zwischen dem Sozialarbeiter Felix und dem Polizisten Jannis entspinnt.

Während Felix versucht, die kleine Amelia vor ihrem trinkenden, koksenden Vater in Sicherheit zu bringen, rollt Jannis mit seinen Kollegen von der Kripo den Drogenfall auf. Schon beim ersten Blickwechsel zwischen Polizist und Sozialarbeiter funkt es – und das nicht zu knapp. Doch Felix ist zur Zeit nicht bereit für eine Beziehung und hat das Gefühl, dass Jannis mehr will, als er geben kann. Svea Lundberg beschreibt all die kleinen und großen Missverständnisse zwischen den beiden Männern auf eine Weise, dass es nicht schwerfällt, beide Männer zu verstehen, auch wenn man ihnen hin und wieder einfach nur in den Hintern treten und “Jungs!” stöhnen möchte.

Sehr schön geschrieben empfinde ich die Liebesszenen – ach, nennen wir das Kind doch beim Namen, die Sexszenen zwischen Felix und Jannis. Aufregend, knisternd, gefühlvoll und unverschämt erotisch, einfach nur genau richtig für Freunde und Freundinnen von gay romance-Literatur.

Die Kriminalgeschichte entwickelt sich als Parallelhandlung ebenso spannend wie die Liebesgeschichte – der kleinen Amelia wird ihr Teddy gestohlen, Felix am Abend auf offener Straße überfallen – und was hat Amelias Tante, die nach außen so korrekte Alexandra, zu verbergen?

“Kristallschnee” ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte, wenn man erst einmal angefangen hat, zu lesen. Für Liebhaber spannender, gefühlvoller gay romance, nicht ganz so unkomplizierten Liebesgeschichten, kleinen Einblicken in menschliche Abgründe und spannender Krimis ist der Roman uneingeschränkt zu empfehlen.

Katers Balkon-Blues Teil 3

kater_klein Na? Glaubt ihr, es hat sich etwas getan auf meinem Balkon?

Pustekuchen. Nichts hat sich getan. Die Menschen reden von Feiertagen und Ostern und Urlaub. Und ich? Sitz hier mit meinen Kollegen in der Wohnung rum, gucke aus dem Fenster in den herrlichen Sonnenschein und atme Frühlingsdüfte durch den schmalen Spalt der gekippten Balkontür.

Richtig geraten, das Gerüst ist immer noch da, immer noch nur nackter Betonboden, keine Fliesen, ich könnte ausrasten, ausrasten könnte ich –

Moooooment.

Kennt ihr das? Ihr regt euch über etwas auf, das ihr nicht ändern könnt, verschwendet sinnlos Energie darauf, so richtig wütend zu werden und euch in Rage zu schimpfen, nur, um dann vollkommen erschöpft festzustellen, dass all der Zorn und alles Gemecker nichts gebracht haben? Außer vielleicht, dass ihr jetzt müde seid oder im schlimmsten Fall anderen mit eurer schlechten Laune auch noch den Tag verdorben habt?

Also dann. Übe ich mich weiter in Geduld, versuche, mich nicht aufzuregen und die Zeit zu genießen. Wenn ich etwas nicht haben kann, schaue ich mich doch einfach mal um und sehe auf das, was ich habe. Ein warmes, trockenes Zuhause. Menschen, die sich um mich kümmern und denen ich etwas wert bin. Die mich lieben und streicheln und freundlich mit mir reden. Genug zu essen. Sicherheit.

Ach, ich bin doch ein sehr reicher schwarzer Kater.

Das Leben ist schön. Wenn man nur richtig hinsieht. Und nicht immer nur auf das guckt, das einen gerade ärgert.

In diesem Sinne,

Schöne Rest-Ostern!
Das Katertier

 

 

Erwählte des Zwielichts 52 – extralanges Osterschnipsel

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1) Sie erreichten die Tore des Lagers in den frühen Morgenstunden. Noch war es nicht hell, noch war die Sonne nur beinahe erwacht. In einiger Entfernung holte Liandras die Überreste des Banners der Kundschafter hervor und hielt es hoch. „Nacht über den Landen!“, rief er zu den Torwachen hoch, auch wenn er ahnen musste, dass diese Parole schon mindestens einen Mond lang veraltet war. „Die Jäger sind zurück … oder das, was von ihnen übriggeblieben ist!“
Eine Weile blieb es still, dann antwortete eine Frauenstimme.
„Kundschafter Liandras?“
Liandras seufzte erleichtert, während Malika ein Schauer über den Rücken rann.
General Tayara.
„Heil und am Leben, General Tayara. Bei mir sind die Kundschafter Malika, Nidhan und Dirian. Lasst uns passieren, wir berichten umgehend.“
Es rumpelte, dann wurde das Tor in der Palisade gerade so weit geöffnet, dass sie hindurchschlüpfen konnten.
Im Lager herrschte rege Betriebsamkeit – es sah aus, als würde es abgebrochen. General Tayara, eine hochgewachsene Dunkelelfe in schwarzer Rüstung, das schimmernde Haar kurz geschnitten bis auf einen langen, dünnen Zopf, der von ihrem Nacken bis zu ihren Hüften herabhing, trat ihnen entgegen. Ihr schmales Gesicht wirkte eingefallen und noch bleicher, als Dunkelelfen es üblicherweise waren, aber ihre Augen brannten in leidenschaftlichem Feuer. Malika glaubte, beginnenden Wahnsinn zu sehen. Sie blieb einen Schritt zurück, als Liandras vor Tayara salutierte.
„General, ich bringe Euch Jäger zurück. Wir waren auf dem Weg zurück ins Lager, als wir von Lichtkriegern angegriffen wurden. Alle bis auf uns fielen in diesem Kampf.“

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Helen B. Kraft: Aus Verrat geboren

9783939727903_1442920356000_xxlSpannendes Leseabenteuer mit aufregenden Helden, starken Frauen und knisternder Erotik

„Mit harter Hand herrscht König Crothar über sein Reich. Hart genug, dass sein Sohn Cruth es vorzieht, in der Menschenwelt zu leben. Dort allerdings muss er die Bestie, seine zweite Natur, zügeln, denn die Menschen fürchten seinesgleichen. Zu Recht, wie Cruth sehr genau weiß.
Dann trifft er auf Nerey. Die atemberaubend schöne junge Hexe, zu der er sich sofort hingezogen fühlt, könnte sich allerdings für ihn als Katastrophe herausstellen. Denn zum einen fürchtet Nerey die Bestien, zum anderen hütet sie ein Geheimnis, das nicht nur Cruths Welt zu erschüttern droht. Doch ausgerechnet diese Frau wünscht sich Cruths Bestie als Partnerin.“

So der neugierig machende Klappentext. Helen B. Kraft ist es wieder einmal gelungen, ihren einmaligen Humor mit einem spannenden Abenteuer und einem Hauch knisternder Erotik zu verbinden. Mit ihrem Roman „Aus Verrat geboren“ eröffnet sie die Reihe „Erbe der Sieben Wüsten“ und nimmt ihre Leser mit in die geheimnisvolle Welt der Bestien. Nach Außen menschlich, brodelt in ihren Inneren die Leidenschaft – mit Klauen und Zähnen, Hörnern und feinen Nasen für den einen wahren Duft, der den einzig wahren Partner anzeigt. Oder die einzig wahre Partnerin.

Dass das auch hin und wieder zu Schwierigkeiten führen kann, erfahren Cruth, der Bestienprinz, der in seinem Exil in der Menschenwelt seinen eigenen Bestienhofstaat führt, und Nerey, die Morrow-Hexe, am eigenen Leibe. Bis Cruth und Nerey ihre Zukunft kennen und wissen, wohin sie wollen, müssen sie sich mit Bestien und Hexen gleichermaßen herumschlagen, einem hartnäckigen erbsengrünen Problem auf den Grund gehen – und einen Verräter in den eigenen Reihen fürchten.

Mein erklärter Liebling dieses Bestienromans ist Nerey, die für mich wieder einmal zeigt, dass Frauen in Fantasy-Geschichten nicht nur schmückendes Beiwerk und Rettungs-und Anschmachtobjekt für den Helden sein müssen. Nerey ist schön, leidenschaftlich und stark. Sie weiß, was sie will – und sie weiß, was sie nicht will. Und es gefällt mir, wie Cruth sich zuweilen an ihrem Dickkopf die Zähne ausbeißt. Solche Frauenfiguren habe ich gern!
„Aus Verrat geboren“ macht Lust auf mehr Bestien, mehr Zähne und Klauen, mehr trockenen Helen-Humor. Auch klar als Comic Relief angelegte Figuren gleiten nie ins Lächerliche ab. Das Buch liest sich so flüssig, das man am Ende staunend und ein bisschen enttäuscht auf die letzte Seite starrt. Wie, schon zuende?

Aber nein. Die Geschichte der Bestien geht weiter mit dem Folgeband „Schwarzstein und Königin“, den ich jetzt aufschlagen werde, damit ich möglichst schnell zu den Bestien zurückkehren kann.

Fazit: Sehr zu empfehlen, wenn man es spannend und ein wenig erotisch mag!

(Diese Rezension wurde auch auf Amazon gepostet)

Tanja Rast: Arrion

Arrion-250Liebe bis über den Tod hinaus
Tanja Rasts Romandebüt „Arrion“ erzählt von Geistersängerinnen und Geisterrittern, schwarzer Magie, Liebe, Leidenschaft und einem skrupellosen Herrscher. Geistersängerinnen durchstreifen die Welt, um mit ihrem Gesang verlorenen Seelen den Weg ins Totenreich zu weisen. Als die junge Sängerin Neve dies für die Seele des Ritters Arrion tun will, muss sie feststellen, dass Arrion anders ist als jeder Geist, mit dem sie es zuvor zu tun hatte – und dass er sich trotz ihrer Lieder schlichtweg weigert, aus der Welt der Lebenden in die der Toten zu verschwinden, wie es sich für einen braven Geist gehört.

Nein, Arrion ist alles andere als brav. Er schickt sich an, Neve zu folgen, beschützt sie vor Gefahren und wird dabei zusehends realer. Und nicht nur das – er flirtet auch, als gäbe es kein Morgen mehr, und Neve stellt fest, dass der charmante Ritter ihr immer sympathischer wird. Doch Liebe über die Grenzen der Welten hinweg gestaltet sich schwierig. Nicht nur, dass Neve lebt und Arrion bei aller steigenden Nähe zur realen Welt noch immer ein Geist ist – selbst küssen können die beiden Verliebten sich nicht ohne Probleme.

Doch diese Probleme rücken in den Hintergrund, als Neve und Arrion herausfinden, warum Neves Macht stetig steigt und Arrion bald auch für Menschen, die keine Geistersänger sind, sichtbar ist – Schwarze Sänger versuchen, im Namen des skrupellosen Herrschers alle Geistersängerinnen gefangenzunehmen, um sie daran zu hindern, Seelen in die Totenwelt zu singen. Denn sie wollen diese Seelen selbst – und aus ihnen willenlose Kampfmaschinen machen, die im Namen des Herrschers alle Welt unterdrücken sollen.

Tanja Rast erzählt die Geschichte um Arrion und Neve auf humorvolle Weise. Ihre Figuren sind lebendig, haben bei aller Attraktivität Ecken und Kanten und haben auf ihre Weise mit den Problemen ihrer Welt zu kämpfen. Die Autorin versteht es, Kämpfe mit Kriegsäxten und Schwertern, Pfeilen und Streitkolben so realistisch darzustellen, dass das Kopfkino anspringt und ich als Leserin auch schon mal den einen oder anderen nicht ganz so angenehmen Geruch in der Nase hatte. Aber so ist das – Schlachtfelder sind nun mal nicht sauber, und Krieg ist immer schrecklich. Da gibt‘s kein ehrenhaftes Mann-gegen-Mann mit klar abgesprochenen Regeln. Da wird schmutzig gekämpft, und das einzig Wichtige ist das eigene Leben – und das des Menschen, den man liebt.

Neve und Arrion sind ein Traumpaar. Er beschirmt und beschützt sie, ohne dass Neve dabei zu einem Püppchen wird, das ständig gerettet werden will. Nein, Neve ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst ist und weiß, wie sie sie einsetzen muss, um an der Seite ihres Geisterritters zu einer gleichberechtigten Partnerin zu werden.

Wer Romantik liebt, einer Prise Humor nicht abgeneigt ist und damit umgehen kann, dass Schlachtfelder nun einmal nicht mit Perwoll gewaschen werden, wird an Arrion seinen Spaß haben. Tanja Rast bezeichnet ihren heroic romantasy-Roman selbst als „Conan für Frauen“ oder „Schlachten und Schmachten“. Und genau das trifft es.

Ein wirklich gelungenes Debüt und sehr zu empfehlen.

(Diese Rezension wurde auch auf Amazon gepostet)

Katers Balkon-Blues Teil 2

kater_klein Tja, liebe Internetgemeinde, was soll ich sagen?

Das Gerüst ist immer noch da.

Der Estrich ist immer noch nackt.

Irgendwer muss da gewesen sein, um die Risse im Boden des Balkons über uns und in den Wänden zu flicken und dort nachzubessern, wo der Putz abblättert.
Aber das war es dann auch. Keine Handwerker. Keine Fliesen.

Nichts.

Ich bin geneigt, in Depressionen zu verfallen. Draußen scheint die Sonne, und ich kann nicht raus. Bitte bedauert mich. Ich kann mir gar nicht so viel selbst leidtun, wie ich bedauert werden möchte.
Aber gut. Manchmal gibt es diese Dinge, die einfach nicht zu ändern sind. Ich habe keinen Sand und ich bin kein Vogel Strauß, also werde ich meinen Kopf nicht in den nicht vorhandenen Sand stecken. In diesen Zeiten, in denen ich nichts ändern kann, muss ich die Dinge so hinnehmen, wie sie sind, und das Beste daraus machen. Immerhin kann ich noch auf der Fensterbank sitzen und nach draußen schauen. Mich daran freuen, wie alles langsam immer grüner wird. Und ich sage mir: wenn es erst einmal richtig grün ist da draußen und so richtig schön warm, so warm, dass mein Pelz sich aufheizt, wenn ich in der Sonne liege, dann kann ich sicher auch wieder hinaus auf meinen Balkon.
Und bis dahin: Abwarten und Katzenmilch trinken.
Prost.

Euer Katertier

Von Schneeflockenplottern und Bauchschreibern

kreativchaosVorweg: Dies ist kein Schneeflockenbashing. Es gibt Autoren, die mit der Schneeflockenmethode wunderbar zurechtkommen und denen sie wirklich hilft. Diesen Autoren möchte ich ihr Plotwerkzeug auf keinen Fall madig machen.
Mir geht es darum, dass die Schneeflocke nicht für jeden – und auch nicht für mich – das richtige Werkzeug ist.
Kurz und knapp: Schneeflockenmethode – was ist das eigentlich?
Ein Plotwerkzeug, das einem Autor hilft, Struktur in seine Ideen zu bringen und nach einem durchlaufenden roten Faden zu plotten. Dabei erweitert sich das Konzept wie eine sich immer mehr verzweigende Schneeflocke von einem zentralen Punkt aus. Randy Ingmarson beschreibt die Methode ausführlich in diesem Artikel. Eine deutsche Übersetzung findet sich z.B. hier.

Schneeflocke in der Nussschale –  In vielen kleinen Schritten zum ausgefeilten Romankonzept
Schritt 1: Fasse deinen Roman in einem Satz zusammen
Schritt 2: Erweitere den Satz aus Schritt 1 zu einem Absatz
Schritt 3: Charakterisiere kurz und knapp deine Hauptfigur
Schritt 4: Erweitere jeden Satz deiner Zusammenfassung aus Schritt 2 zu einem weiteren Absatz – fasse deinen Roman auf einer Seite zusammen
Schritt 5: Beschreibe jede deiner Hauptfiguren ausführlich. Eine Seite pro Figur!
Schritt 6: Erweitere deine einseitige Romanzusammenfassung auf vier Seiten. Details, bitte!
Schritt 7: Arbeite deine Figuren weiter aus. Schreibe komplette Charakterbeschreibungen. Aussehen, Alter, Familienhintergrund, Augenfarbe, Blutgruppe. Details. Viele Details.
Schritt 8: Erstelle aus dem Dokument aus Schritt 6 eine Szenenübersicht. Am besten tabellarisch.
Schritt 9: Verfasse eine erzählende Beschreibung deiner Geschichte mit den Informationen aus Schritt 4 bzw. 6. Wenn du es machst, hast du gleich die Basis für ein Exposé.
Schritt 10: So. Jetzt darfst du endlich schreiben.

Und ich?
Ich habe es versucht. Ich habe es wirklich versucht, nach dieser Methode zu arbeiten. Und festgestellt, es ist nicht meins. Was nicht bedeutet, dass ich meine Gedanken und Ideen nicht ordnen muss.
Im Gegenteil.
Ich bin bekennende Chaos-Jüngerin und brauche nichts mehr als Struktur und Ordnung in meinen Ideen, damit ich produktiv arbeiten kann – aber nicht so.

Wenn ich eine Idee habe, dann möchte ich schreiben. Jetzt. Aus dem Bauch raus. Mit Gefühl. Mit Leidenschaft. Ich starte mit einer groben Idee und groben Figurenmustern und beginne, eine Geschichte zu erzählen, die ich selbst noch nicht in allen Facetten kenne.
Genau das macht für mich den Reiz des Schreibens aus. Und darum habe ich mir für meine Arbeitweise brauchbare Elemente aus der Schneeflocke herausgepickt, aber mache mir nicht die Arbeit, das komplette Modell durchzuackern.

Denn damit kenne ich meinen Roman dann schon so gut, dass mich an ihm nichts mehr überraschen kann. Und das nimmt mir viel am Schreibspaß und den Grund, warum ich (nicht nur. Aber auch.) schreibe: Ich will mir Neugier bewahren. Mich von meiner eigenen Geschichte und meinen eigenen Romanfiguren überraschen lassen. Mit ihnen in Dialog treten. Mich mit ihnen streiten. Es spannend halten. Details entwickeln, während ich schreibe, und nicht vorher. Auch wenn das bedeutet, dass ich hin und wieder zurückspringen und eben diese Details anpassen muss.

Ich gehe Schritt 1 und habe meinen Romanpitch. Super, denn das spart Arbeit für eventuelle verlags-oder Agenturbewerbungen.
Ich mache die Schritte 4 und 6, manchmal auch 8, bastele daraus ein Exposé.
Notiere mir wichtige Details zu meinen Figuren, damit ihre Namen immer gleich lauten und ihre Augenfarbe auf Seite 259 noch immer dieselbe ist wie auf Seite 1.

Und dann – dann gehe ich schreiben. Und lasse mich überraschen.

Und ihr? Wie plottet ihr?

Manuskriptnekromantie – 4 Tipps zum Wiederbeleben von Schubladenmanuskripten

typewriterSchubladenmanuskripte und halbfertige Romanzombies – welcher Autor kennt das nicht?
Da ist der nicht fertige Roman aus dem NaNoWriMo. Die im ersten Moment so genial wirkende Jugendbuch-Idee. Das voller Enthusiasmus begonnene und dann nie wieder angefasste High-Fantasy-mit-Aliens-Projekt.

Hand aufs Herz – jeder hat ihn, diesen Ordner namens „zu beenden“ oder „halbfertig“, diese Festplattenbücher. Und jeder kennt das – diese Scheu, sich wieder an lange nicht bearbeitete Manuskripte zu setzen.

Ich auch.

Und darum teile ich hier mit euch ein paar meiner Tricks, wie du dich motivieren kannst, so einen Romanzombie wieder zum richtigen Leben zu erwecken.
#1 Lesen

Ja, auch wenn es viel ist, auch wenn du denkst, du kommst einfach so wieder rein und kannst einfach so weiterschreiben. Lies das alte Zeug noch einmal. Wenn du magst, lass den inneren Lektor mitlesen. Korrigiere Tippfehler. Beobachte Handlungsstränge, Figuren und Stil. Wie fühlt sich das Buch an, wie lebendig sind die Figuren, was fühlst du beim Lesen – und kannst du dir vorstellen, beim Schreiben dasselbe wieder zu fühlen? Riechst, siehst, schmeckst du etwas beim Lesen? Springt das Kopfkino an?

 

#2 Check: Ist noch genug Liebe da?

Ein kritischer Blick. Gefällt dir das Manuskript noch? Oder gab es einen Grund, warum es damals in der Schublade verschwand? Springt beim Lesen der Funke über? Fragst du dich, warum du gerade dieses Buch damals unbedingt schreiben wolltest? Denkst du vielleicht sogar: Wow. Das habe ICH geschrieben?

Wenn nicht mehr genug Liebe da ist, sorge dafür, dass das Manuskript aus deinem direkten Sichtbereich verschwindet. Magst du es nicht löschen, dann speichere es auf einer Wechselplatte, brenne es auf eine CD oder schiebe es auf einen USB-Stick. Oder schicke es an Freunde und bitte sie, es für dich aufzubewahren. So ist es nicht „weg“, aber es steht dir auch nicht ständig vor Augen und kann dich nicht mehr belasten oder dir ein schlechtes Gewissen machen.

Und wenn du weißt, warum du genau dieses Buch damals schreiben solltest: dann verliebe dich neu. Und schreib das Ding.

 

#3 Plotten – mach es spannend

Hast du es nicht schon getan, plotte. Wenigstens grob. Nach meiner eigenen Erfahrung verschwinden die meisten Manuskripte in der Versenkung, weil ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Weil mich der berühmte Mid-Book-Blues gepackt hat. Geht es dir genauso?

Dann überlege dir, wie es weitergehen soll, bevor du dich wirklich aufs Schreiben stürzt. Wo willst du mit deiner Hauptfigur hin, was plant der fiese Bösewicht? Wo stecken Konflikte? Wendepunkte?

Vielleicht war es auch ein Mangel an Spannung und/oder Konfliktpotential, was dein Manuskript in die Schublade verbannte. Suche nach Stellen im Manuskript, an denen du mehr Spannung und mehr Konflikte integrieren kannst. Mach es spannend! Für deine Leser. Aber vor allem für dich.

 

#4 Schreib!

Genau. Schreib. Setz dich dran. Nimm dir vor, jeden Tag wenigstens einen Satz an dem Ausgrabungsobjekt zu schreiben. Meist bedingt ein Satz den nächsten. Fürchtest du, wieder nicht am Ball bleiben zu können, sorge für Motivation von Außen.
Suche dir Romanpaten oder Betaleser, die in regelmäßigen Abständen nach „mehr“ brüllen. Stell schon mal den Sekt kalt, den du köpfen wirst, sobald du das Wort „Ende“ getippt hast. Schick den inneren Kritiker zum Haitauchen auf die Malediven und verliebe dich neu in dein Buch. Wenn du bis hierher gekommen bist, dann hat es das verdient.

 

Und nun: viel Erfolg!

Katers Balkon-Blues Teil 1

kater_klein Alles neu macht der … März?

 
Sieht so aus. Nicht nur mein Mensch hat gewütet, um diesem Blog ein neues Gesicht zu geben. Auch in der realen Welt wird gerade heftig gewerkelt. Fremde Menschen kamen und bauten uns ein Gerüst vor das Wohnzimmerfenster. So weit, so gut. Das war ja noch ganz spannend.

 
Weniger spannend: Der darauf folgende abartige Lärm und die seitdem dauerhaft verschlossene Balkontür. Wie soll ein Kater denn bei so einem Krach meditativ die Welt beobachten? Und vor allem – wie soll er Frühjahrsluft schnuppern, wenn ständig die Balkontür verschlossen ist?
Aber fangen wir vorn an.

 
Tag 1: Das Gerüst wächst. Ich habe keine Ahnung, was das soll. Aber zusehen ist lustig, also sehe ich zu.

 
Tag 2: Mein Mensch läuft Amok und räumt in einer Hauruckaktion die gesamte Balkoneinrichtung in den Keller. Einschließlich meines geliebten Sitzbretts. Mein Kuschelkissen landet in der Waschmaschine. Ich beginne, eine Verschwörung zu vermuten, als sie mich nachdrücklich in die Wohnung verweist und anfängt, das Katzenschutznetz wegzuschneiden. Denn ohne das Netz darf ich ja nicht raus. Und wenn ich ohne das Netz nicht rausdarf … ihr seht, worauf ich hinauswill. Ich fühle mich sabotiert und in meinen Rechten als dienstältester Kater des Hauses eingeschränkt. Sowas kann man mit mir nicht machen!

 
Tag 3: Langsam verstehe ich, warum meine Menschen nicht mehr wollen, dass ich hinausgehe. Andere fremde Menschen sind gekommen und besprühen unseren armen Balkon. Mit Hochdruck. Und Sand. Es ist laut. Für Menschen.
Fragt euch, wie laut es für mich sein muss. Ich versinke in Selbstmitleid, fluche innerlich und kompensiere meinen Frust, indem ich nach Leckerlis schreie, bis sich ein Mensch meiner erbarmt.

 
Tag 4: Als ob es nicht schon genug gewesen wäre mit dem Hochdruck und dem Sand, rückt jetzt ein Presslufthammermensch den Balkonfliesen zu Leibe und verwandelt unsere Oase der Ruhe in eine Mondlandschaft. Ich sitze vor der Tür, starre auf das Trümmerfeld und kann es nicht fassen. Meine Wellness-Oase ist weg.

 
Tag 5: Es ist Samstag. Wir hoffen auf Ruhe, aber nichts da. Die Trümmer werden entsorgt, draußen auf dem Hof wummert ein undefinierbares generatorbetriebenes Etwas, das in regelmäßigen Abständen Estrich ausspuckt.

 
Es ist laut.

 
Meine Menschen flüchten.

 
Sie komme erst zurück, als das Chaos bereits beendet ist. Auf meinem Balkon befindet sich eine graubraune Schicht, die niemand betreten darf, weil sie erst aushärten muss.

 
Seitdem liegen die Arbeiten brach. Ich warte ab, wie Katzen es tun, beobachte durch das Wohnzimmerfenster und hoffe, dass sich eines schönen Tages die Balkontür wieder öffnet und ich meine Meditationen bei schönem Frühlingswetter fortsetzen kann.
Bis dahin sei gesagt: Umbauarbeiten auf Webseiten sind lange nicht so laut und so dreckig wie Umbauarbeiten auf Balkons.
Es sei denn, der Webseitenbesitzer flucht.

Wir lesen uns.

Euer
Katertier

Hilfe – ein Logikloch!

kreativchaos Ihr erinnert euch. Die “Zwielichter” machen Pause. Schuld daran sind zwei Dinge. Zum einen ist das Manuskript noch nicht komplett fertig. Es fehlen noch Die Böse Wendung kurz vor Schluss und natürlich Das Tolle Ende mit ganz viel Drama und Heldentränen.
Zum anderen – und das ist ein viel größeres Problem – hat eine meiner Betaleserinnen ein Logikloch im Manuskript entdeckt und mir liebevoll eingepackt rübergereicht.

Ein Logikloch.

Panik.

Erste Reaktion: “Oh nein, ich werde das gesamte Manuskript in die Tonne treten udn nie wieder daran schreiben, alle Bolgeinträge dazu löschen und noch mal ganz von Vorn anfangen.”

Zweite Reaktion: Okay. Nachdenken. Fragen wir doch mal nach, wo sich das böse Logikloch befindet.

Und die große Erleichterung: auf den letzten Seiten, und es lässt sich ausbügeln, ohne dass ich alles, was schon geschrieben wurde, umbauen und umbasteln muss.

Trotzdem wird es bis April dauern, bis es wieder Zwielichtschnipsel gibt.

Logiklöcher und ich – eine ewige Hassliebe. Ich bin Wenigplotter und Bauchschreiber. Fixe Ideen nisten sich beim Schreiben im Kopf ein und ploppen dann plötzlich zu Unzeiten wieder auf. Meistens bringen sie auch noch einen ganzen Wurf kleiner Ideenwelpen mit, die mir kläffend um die Füße rennen und alle zur gleichen Zeit Aufmerksamkeit wollen.

Und ich denke: Ach, du bist aber eine niedliche Idee, komm her, dich verarbeite ich jetzt zu einer tollen Szene. Das wird super.
Die Idee grinst, frisst meine Schokolade,  schlürft meinen Kaffee und setzt sich auf meine Tastatur.
Und ich schreibe so wild drauflos, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke, was vorher gewesen ist. Es zählt, was jetzt passiert. Die tollen Szenen, die mir diese niedliche kleine Idee einflüstert, die inzwischen vollgefresen auf dem Rücken liegt und immer noch grinsend dabei zusieht, wie ich mich um Kopf und Kragen schreibe.

Und schon ist es passiert. Der nächste, der die Ausgeburt meiner Kreativität liest, findet das Logikloch.
Was lernen wir daraus? Erst denken. Dann schreiben.

Und vielleicht doch mal plotten. Es muss ja nicht gleich die Schneeflockenmethode sein.

Warum die (und überhaupt ausgiebigstes Plotten) nicht so meins ist, erzähle ich euch in einem meiner nächsten Einträge zum Thema “Schreiben”.

 

Und ihr so? Plotten, nicht plotten? Was war euer dickster Logik-Klops? Erzählt mir etwas!