Erwählte des Zwielichts 63

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1) Als es dämmerte, verließ Malika das gemeinsame Quartier und machte sich auf die Suche nach Iendra. Die Heiler hatten ihr Quartier in den Überresten des Fürstenpalastes aufgeschlagen. Malika fand Iendra in einem Saal, der früher einmal ein Ballsaal gewesen sein mochte. Zum Teil zersprungene Spiegel zierten die Wände, die Fenster waren mit Tüchern verhängt. In den Spiegelscherben brach sich hundertfach das Licht abgedunkelter Öllaternen und Kerzen. Der typische Geruch nach Lazarett stieg Malika in die Nase, als sie eintrat. Blut, ein Hauch von Eiter und Tod, Kräuter, Alkohol. Iendra beugte sich über ein Lager, auf dem eine zitternde Soldatin lag und leise und hektisch auf sie einredete. Iendras Gehilfen wanderten zwischen weiteren Lagern herum, auf denen diejenigen ruhten, die schon verwundet oder krank nach Telava aufgebrochen waren und sich nun hier erholen sollten. In einer Nische entdeckte Malika etwas mit einem dunklen Tuch Verhülltes, das ziemlich sicher ein Körper war. Sie schauderte. Der erste Tod. Eine innere Stimme flüsterte ihr, dass er nicht der einzige bleiben würde.
Iendra drückte die Hände der Soldatin, dann strich sie ihr sacht über die Stirn, und die Frau sank auf ihre Bettstatt zurück. Iendra erhob sich mit einem Seufzen und rieb sich die Stirn.
„Iendra?“
„Oh … Mal, entschuldige. Ich habe dich nicht kommen hören, was gibt es?“
„Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich würde dir gern etwas zeigen, kannst du hier kurz weg? Wir hatten letzte Nacht Besuch.“
„Dann wart ihr nicht die einzigen.“ Ihr Kopf ruckte kurz in die Richtung der schlafenden Soldatin. „Das ist Khara. Sie gehörte zur Tagpatrouille. Auch sie haben Besuch gehabt. Unangenehmen Besuch, wie es scheint. Ich habe noch nie solche Wunden gesehen. Khara brachte einen Kameraden, aber für ihn konnte ich nichts mehr tun. Und sie selbst zittert, als hätte sie den Tag in den Eishöhlen von Gormland verbracht. Kein Feuer, keine heißen Steine, nichts hilft wirklich, außer meiner Heilergabe. Und ich weiß noch nicht einmal, was ich da eigentlich heile, denn Khara hat keine äußerlich sichtbaren Wunden.“ Iendra zuckte ratlos mit den Schultern. „Ihr Gefährte dagegen …“
„Darf ich ihn sehen?“
„Hast du schon gegessen?“
Malika schüttelte den Kopf.
„Gut, dann kannst du einen Blick wagen. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt, wenn dir doch schlecht wird. Er sieht mehr als übel aus, ich habe so etwas noch nie gesehen.“
Malika war jetzt schon schlecht, als Iendra sie zu dem abgedeckten Körper führte und dann vorsichtig die Decken wegzog. Ein seltsam feuchtes, schmatzendes Geräusch erklang, als die Decke sich hob, und im Licht der Kerzen konnte Malika auch erkennen, warum. Sie schlug entsetzt die Hände vor den Mund, als sie die schleimigen Fäden sah, die zäh an dem Toten und den Tüchern klebten, sich in die Länge zogen und dann zerrissen. Der Mann, der da lag, war kaum noch als solcher zu erkennen. Es schien, als hätte ihn jemand erst verbrannt und dann mit ätzender Flüssigkeit übergossen. Seine Haut sah aus, als löse sie sich auf, nachdem sie zuvor wie unter Feuer Blasen geworfen hatte. Die Augenhöhlen starrten leer zur Zimmerdecke, aufgelöste Augäpfel hingen in den Winkeln wie erstarrte Tränen über einem aufgerissenen Mund voller verbrannter Zahnstümpfe. Die Hände waren schwarze, nackte Knochen, gekrümmt wie Klauen. Ein beißender Geruch ging von der Leiche aus, kroch in Malikas Nase und legte sich wie ein schimmeliger Pelz auf ihre Zunge.
„Genug“, keuchte Malika, und Iendra ließ die Decke zurückfallen. Malika sah sich nicht noch einmal um, sie rannte aus dem Saal und lehnte sich draußen auf dem mit Schutt übersäten Korridor an die Wand und schnappte nach Luft. Der Gestank des Toten hing immer noch in ihren Atemwegen. Sie zuckte zusammen, als Iendra ihr eine Hand auf den Arm legte und ihr einen Becher in die Hand drückte. Malika roch Kräutertee und den scharfen Geruch von Wurzelschnaps. Ohne nachzudenken kippte sie den Inhalt in einem Zug hinunter und schüttelte sich. Es schmeckte widerlich bitter, aber immerhin vertrieb das Zeug das faulige Echo aus Malikas Mund. „Danke …“
Iendra nickte und lehnte sich neben Malika. Eine Weile schwiegen sie beide, dann begann Iendra, zu reden: „Die Patrouille brachte Khara und Tirac heute früh zu uns. Was genau geschehen war, konnte uns bisher keiner sagen. Khara redet die ganze Zeit etwas von einem Schemen, von dem eine Eiseskälte ausging, und dass dieser Schemen Tirac umgebracht hat. Ich verstehe das nicht. Wenn ich es richtig verstehe, dann hat dieses … Ding Tirac umflossen wie Nebel, Khara hörte ihn schreien, und dann war das Ding wieder weg und Tirac … oder das, was von ihm noch übrig ist … lag tot am Boden.“ Sie grub die Zähne in die Unterlippe. „Malika, ich habe Angst. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich fühle mich nicht wohl in dieser Stadt.“
„Ich mich auch nicht“, sagte Malika leise. „Ich muss dir etwas zeigen. Kannst du hier kurz weg?“
„Lass mich nur den anderen Bescheid sagen.“
Iendra verschwand in der Halle. Malika trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. Wenn sie die Augen schloss, sah sie Tiracs entstellte Leiche vor sich und konnte an nichts anderes denken, als dass es sie und Liandras ebenso hätte erwischen können. Bei der Vorstellung, dass es auch Liandras hätte sein können, der da verwesend unter Leichentüchern lag, drehte sich ihr der Magen um. Gewaltsam würgte sie den Brechreiz hinunter.
„Mal? Du siehst aus wie dein eigener Tod. Was ist passiert?“ Iendra war zurück, eingehüllt in einen Umhang.
„Ich bin mir nicht sicher, das ist es ja. Aber ich glaube, ich kann dir Spuren dessen zeigen, was Tirac getötet hat. In unserem Tagquartier war etwas, auf das Kharas wirre Beschreibung passt. Ein Schemen, von dem Kälte ausging, wie ein Schatten, ohne Form, fließend und wabernd. Es war da, ich habe es gesehen, und Liandras auch.“
„Verdammt. Verdammt, Malika. Mir gefällt das nicht. Ich mag diesen Ort nicht.“
„Ich auch nicht.“ Malika senkte ihre Stimme. „Am liebsten würde ich abhauen. Weit weg.“ Zu Iloyon.

Mach das Buch fertig: es geht weiter!

buchfertigmachen In den letzten Tagen habe ich mich wieder ein wenig im Fertigmachbuch ausgetobt und festgestellt, wie viel Spaß in Acrylfarben und Buntstiften steckt.  Das letzte Mal Handabdrücke mit Farbe? Ich glaube, das war im Kindergarten. Genauso wie der dicke bunte Rohrschach-Klecks. Farben sind toll. Farben machen Spaß. Wir sollten viel öfter mit Farbe herumklecksen und das innere Kind einfach mal wieder rauslassen. Auch ewig nicht mehr gemacht: Blätter und Blüten gepresst.

Auch eine Erkenntnis: Obst-Aufkleber können richtig hübsch aussehen. Und ein bisschen Anarchie schadet auch nie. Das Buch und ich sind inzwischen wirklich dicke Freunde.

buchzusammenfassung Für die Vollversion meiner Kleckereien bitte auf das Bildchen klicken.

 

Kater der Woche: Die 16-Pfoten-WG

kater_klein Hallo ihr Lieben,

hier bin ich wieder, euer Katertier. Ein bisschen spät mal wieder, irgendwie bekomme ich es gerade mit dem regelmäßig am Montag bloggen nicht hin. Muss am Wetter liegen. Aber egal, heute stelle ich euch noch mal einen meiner katzigen Mitbewohner vor und möchte euch gleichzeitig ein wenig über die nicht ganz so tollen Seiten des Auslandstierschutzes erzählen. Bitte bewerft meinen Menschen und mich nicht schon jetzt mit Steinen. Tierschutz ist gut und wichtig, auch Auslandstierschutz ist gut und wichtig. Aber wir finden ihn besser, wenn er in Form von Hilfe vor Ort geschieht und nicht damit, dass Tiere aus dem Ausland hierher gebracht werden, nach Deutschland, wo die Tierheime auch und gerade zu dieser Jahreszeit, in der alle Menschen in die Ferien fahren und es sich gutgehen lassen, aus allen Nähten platzen. Oft hat unser Emder Tierheim schon Aufnahmestopp für uns Katzen ausgesprochen, weil es auch hier so viele von uns gibt, die ein Zuhause suchen. Aber lassen wir doch einfach Leo erzählen.

IMG_0944_(800_x_600) Hallo! Ich bin Leo. Jedenfalls, wenn ich was angestellt habe. Wenn ich lieb bin, dann nennen meine Menschen mich nur Schnurps, weil es so klingt, wenn ich schnurre: schnurrrrrrrrrrrrrrps. Mit einem leichten Schlenker in die Höhe am Schluss.
Danke, Kater, dass ich hier auch mal zu Wort kommen darf.

Ich hatte keinen besonders guten Start ins Leben. Zusammen mit einem Haufen anderer Kätzchen wurde ich in einen Karton gestopft und ausgesetzt. Gut, dass uns nette Menschen fanden und ins Tierheim brachten. Dort wurden wir aufgepäppelt und gut gefüttert und schließlich zur Vermittlung freigegeben. Wir hatten vorher alles, was ausgesetzte Katzen so mit sich herumschleppen. Untermieter, ihr wisst schon. Würmer, Flöhe und Co. sind wir alle ganz schnell wieder losgeworden. Die ganzen Medikamente sind zwar kein Spaß, aber wenn es nachher nicht mehr juckt und krabbelt, lassen wir die Behandlung gern über uns ergehen.
Was nicht so klasse war, waren allerdings die Giardien. Huch, Giardien? Ja, so saß ich da auch, nachdem die Tierärztin meine Hinterlassenschaften untersucht hatte. Als ich zu meinen neuen Menschen kam, hatte ich nämlich Montezumas Rache vom Feinsten. Ich konnte gar nicht so schnell aufs Klo rennen, wie ich musste. Übelst. Wirklich übelst.
Also. Giardien. Das sind Parasiten, die sich ziemlich hartnäckig in Katzen-und Hundedärmen niederlassen und sich da so richtig wohlfühlen. Tante Doktor sagte, dass Giardien in den letzten Jahren erst so gehäuft und hartnäckig in Deutschland auftreten. Früher gab es sie nur in südlichen Ländern, wie Spanien oder Italien.
Na, klingelt es bei euch?
Ganz viele importierte Tierschutztiere kommen aus Spanien, der Türkei, Italien oder Griechenland. Und leider haben sie auch die dort ansässigen Krankheiten und Parasiten mitgebracht. Natürlich bin ich meine lästigen Untermieter inzwischen los. Aber nur, nachdem ich fast ein halbes Jahr Tabletten geschluckt habe, die fast so groß waren wie meine Augen. Pulverisiert und in Wurst natürlich. Eine kleine Erinnerung daran habe ich immer noch: bei euch Menschen würde man das wohl Morbus Crohn nennen. Ich habe einen empfindlichen Magen und Darm und immer wieder mal dieses lästige kleine Renneritis-Problem. Danke an die Giardien.

Es ist natürlich eure Entscheidung, wie ihr zum Auslandstierschutz steht. Trotzdem freue ich mich, wenn ihr über meine Geschichte nachdenkt. 🙂

Euer

Leotier

Erwählte des Zwielichts 62

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1) Liandras sprach aus, was Malika dachte. Schauer rannen ihr über den Rücken, als ihr Blick auf feine schwarze Schlieren auf dem Boden fiel. Als hätte das Ding sich in den Boden gebrannt. Raureif verwandelte sich in Wassertropfen. Wärme kehrte zurück.
„Ich habe keine Ahnung“, murmelte sie. Im gleichen Moment schossen Dirian und Nidhan mit gezogenen Dolchen aus dem Nebenzimmer. Dirian blieb stehen, als er sah, dass nur Liandras und Malika im Raum waren, und keuchte dumpf, als Nidhan ihm in den Rücken prallte.
„Alles gut!“ Malika hob die Hände. „Was auch immer es war, es ist weg.“
„Es?“ Dirian starrte sie an.
Malika hob die Schultern. „Ich habe keine Ahnung, was es war, aber es ist weg. Da war nur … ein Schatten.“
„Ein Schatten? Und warum war es auf einmal so verdammt kalt?“ Nidhan musterte sie zweifelnd.
Liandras deutete auf die schwarzen Schlieren am Boden. „Das ist alles, was davon übrig blieb“, sagte er. „Vielleicht sollte Iendra sich das ansehen.“
„Du meinst, es war Magie?“ Nidhan kniete sich hin und berührte die dunklen Linien. Malika zog ihren Dolch aus dem Sessel. „Verdammt, was ist das denn?“ Die Klinge sah aus, als sei sie innerhalb weniger Augenblicke um mehrere Jahrhunderte gealtert. Rost blühte auf dem Metall, und als Malika ihn berührte, zerbröselte ihr den Dolch unter den Fingern.
Liandras stieß einen Fluch aus und zog sein Schwert ebenfalls aus dem Sessel. „Dasselbe… es ist vollkommen verrostet!“
„Wie kann das sein?“ Nidhan berührte den bröckelnden Rost und zerrieb ihn nachdenklich zwischen den Fingern. Continue Reading →

Mach dieses Buch fertig!

buchfertigmachen Gestern erhielt ich ein ausgesprochen interessantes Geschenk.

Ein Buch.

An sich nichts ungewöhnliches für eine bibliophile Socke wie mich. Aber dieses Buch ist schon ein bisschen ungewöhnlich. Dunkel grünbraun und ein bisschen fleckig aussehend der Einband und wie mit Tesakrepp aufgeklebt ein Notizzettel mit dem Titel: “Mach dieses Buch fertig”.

Wie, fertigmachen? Ist das Buch denn nicht fertig, wenn es in den Druck geht? Nein, nicht dieses, denn das “Fertigmachbuch” der Autorin Keri Smith ist ein Ausfüllbuch der etwas anderen Art. Dieses Buch ist für alle, die zu viel Respekt vor Büchern haben. Keine Eselsohren, nichts reinkritzeln, keine Flecken reinmachen, nichts an den Rand oder auf die Seiten schreiben oder reinmalen? Keine Blätter und Blumen darin trocknen? Aufpassen, dass es nicht nass oder schmutzig wird? Keine Fingertappen auf den Seiten hinterlassen, Seiten nicht einreißen?

Nicht mit diesem Buch!

IMG_1255_(800_x_600)“Mach dieses Buch fertig” fordert einen geradezu heraus, alles mit ihm anzustellen, was man üblicherweise keinem Buch antut. Würden Madam Pomfrey, die strenge Bibliothekarin aus Harry Potter, oder meine ehemalige Deutschlehrerin dieses Buch in die Finger bekommen, ihnen würden sich bei den Anweisungen die Fußnägel hochrollen. Stifte, Klebeband, Tinte und Feder, Bindfaden, Katzenhaare, Rotwein und Kaffee stehen bereit, um aus meinem Exemplar des um Chaos und Katastrophen bittenden Buches ein ganz individuelles Kunst.

Das Buch und ich sind gerade dabei, Freundschaft zu schließen. ich bin gespannt, ob es mich immer noch mag, wenn ich mit ihm fertig bin.

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Aufgabe gelöst: Schwarzer Kaffee in einem Buch. ich ahbe ein Buch mit Kaffee bekleckert. Und es wird noch schlimmer kommen. Bleibt dran, wenn ich weiter meine kreativ-chaotische Ader mit meinem neuen Freund, dem Ausfüllbuch, auslebe!

Kater der Woche: Die 16-Pfoten-WG

kater_klein Hallo liebe Katerfreunde,

in den kommenden Beiträgen stelle ich euch nach und nach meine tierischen Mitbewohner vor. Inzwischen sind wie hier nämlich eine schnurrende 16-Pfoten-WG, sehr zur Freude unserer Menschen. Wenn ihr geglaubt habt, dass schon ein Kater genug haart, Katzenstreu verteilt und frisst, dann lasst euch gesagt sein, das ganze steigt mit steigender Anzahl nicht linear an, sondern exponentiell. Sagt zumindest mein Mensch.

Also. Fangen wir doch mal an mit den tierischen Mitbewohnern. Und da ich ein höfliches Katertier bin, natürlich: Ladies first.

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Diese hübsche Lady ist Cassiopeia, genannt “Katzi” oder auch “Robbe”. Ein Katzentier, auf das die Beschreibung “die ist nicht dick, das ist alles nur Fell” auf jeden Fall zutrifft. Ich sollte mich hüten, etwas anderes zu sagen, denn sie sitzt gerade neben mir, und für eine Dame hat sie einen sehr ausgeprägten rechten Haken. Vielleicht war sie in einem ihrer früheren Leben mal Preisboxer. Wenn sie nicht schläft oder frisst, kuschelt sie vermutlich mit einem unserer Menschen. Denn dafür sind Menschen ja da. Sie liebt es, fernzusehen, wird zur Furie, wenn es frisches Rindfleisch gibt (eine Leidenschaft, die sie mit unserem männlichen Menschen teilt), und sie ist ein kleines Bisschen bekloppt. Aber sind wir das nicht irgendwo alle? Haben wir nicht alle unsere Macken, Ecken und Kanten, und mögen uns unsere wahren Freunde nicht gerade deswegen?

Macht es wie Cassi – scheut euch nicht, eure Ecken und Kanten zu zeigen. Hört auf, euch zu verstellen, zu verbiegen und vor allem, hört auf, zu versuchen, anderen zu gefallen. Gefallen müsst ihr nur euch selbst. Die, die euch lieben, nehmen euch so, wie ihr seid!

*schwenkt eine Fahne für mehr Individualität und Akzeptanz*

Das
Katertier

 

 

Erwählte des Zwielichts 61

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1) III

Sie erreichten die Ruinen von Telava nach fünf Nächten aufreibender Gewaltmärsche. Zuerst hatten sie geflucht, dann geseufzt und schließlich geschwiegen, denn so, wie Tayara und die anderen Generäle sie vorantrieben, hatten sie bald keinen Atem mehr, um ihrem Ärger Luft zu machen. Als sie am frühen Morgen der fünften Nacht in die Ruinenstadt einmarschierten, war Malika sicher, dass sie einschlafen würde, sobald sie stehenblieb. Ihre Füße schmerzten, sie hatte Durst, und ihr Magen war nicht der einzige, der vernehmlich knurrte. Die Pausen, die die Generäle ihnen auf dem Marsch gegönnt hatten, hatten nicht gereicht, um jagen zu gehen und etwas Vernünftiges zu kochen. Die letzten Nächte hatten sie von Wegebrotresten, fadem Trockenfleisch und im Vorübergehen von Büschen und Bäumen gerissenen Früchten gelebt. Malika gierte nach frischem Fleisch. Am besten leicht angebraten und innen noch blutig, aber hätte ihr jetzt jemand einen Streifen rohes Rehfleisch unter die Nase gehalten, sie hätte es hier und jetzt verschlungen, ohne über ein Kochfeuer auch nur nachzudenken.
Liandras schloss zu ihr auf. „Verdammt, meine Füße.“
Sie nickte. „Ich bin tot, ich bin nur noch nicht umgefallen … Götter, ich kann nicht mehr. Wenn wir jetzt überfallen werden, haben die leichtes Spiel mit uns, wir sind alle vollkommen fertig.“
Der Tross kam zum Halten, und alles sammelte sich auf dem weiten Marktplatz der Stadt. Tayaras Stimme donnerte über das versammelte Heer: „Kundschafter – ausschwärmen und sichern. Soldaten – Lager errichten. Nutzt noch bewohnbare Häuser oder schlagt Zelte auf. Errichtet eine Küche und Latrinen. Wir werden eine Weile bleiben und ausruhen. Stellt Wachen ab. Ich will Patrouillen auf den Mauerresten und um die Stadt herum. Tag und Nacht. Sorgt dafür, und dann ruht euch aus. Kundschafter Liandras – morgen Abend will ich deine Truppe in meinem Zelt sehen.“
Malika unterdrückte ein Stöhnen und rollte die Augen. Ausschwärmen? Stadt sichern? Tayara musste verrückt geworden sein. Sie war doch selbst marschiert. Wie konnte sie noch so verdammt ausgeruht sein? Continue Reading →

Kater der Woche: Erinnerungen

Hallo ihr Lieben,

da bin ich nach langer Zeit mal wieder, euer Katertier.

Im Februar bin ich ganze sechs Jahre alt geworden, und im Mai lebe ich nun schon diese sechs Jahre bei meinen Menschen. Zeit, ein bisschen Rückschau zu halten. Mit sechs Jahren ist man zwar noch ein Kater in den besten selbigen, aber trotzdem – ein paar Erinnerungen möchten mein Mensch und ich mit euch Katerfreunden teilen.

Erst mal: ich bin ein echter Adeliger. Ein “von” und “zu”. Kater zu Kuhstall von der Straße. Ein echter Streuner, ein “Wildfang” im wahrsten Sinne des Wortes. Aus dem Stall zur Pflegestelle und von der Pflegestelle im fernen Ruhrgebiet ins schöne Ostfriesland. Das haben meine Menschen wirklich gut gemacht, finde ich. Ich fühle mich sehr wohl hier.

IMG_1575_(640_x_480) Seht mal – da war ich gerade süße drei Monate alt. Hach, ich muss mich ja selber loben, ich war schon ein niedlicher kleiner Kerl. Und ich hatte den Schädel voller Unfug. Im zarten Alter von 5 Monaten fiel ich in die Badewanne und stellte fest, dass Wasser a) nass ist und b) komisch schmeckt, wenn ein Mensch dringesessen hat. Also merkt es such, liebe Mitkatzen: trinkt das Badewasser, bevor sich ein Mensch reinsetzt. Wasser mit Mensch schmeckt nicht.

Mit einem halben Jahr durfte ich das erste Mal in den Garten. Hui, das war ein Spaß! Leider beschlossen meine Menschen irgendwann, dass es doch zu gefährlich ist, mich rauszulassen. Umso glücklicher war ich über die neue Wohnung mit dem Balkon. Aber das hatten wir schon.

 

IMG_1712_(800_x_600) Da bin ich schon über ein Jahr alt und reiche meinem Menschen die Pfote. Das tue ich immer noch gern. Sie hat es aber auch irgendwie mit meinen Pfoten, sagt, die sähen aus wie Lakritze oder sowas, und dass sie am liebsten reinbeißen würde. Reinbeißen! In meine Pfoten! Ts. Also wirklich, wo bleibt denn da ihre Würde, von meiner mal ganz zu schweigen? Außerdem, ich gebe es ungern zu, habe ich Käsefüße. Wirklich. Kommt gern vorbei und riecht dran. Nicht? Auch gut.

Mein Mensch sagt, ich sei ein Schnurrer. Damit hat sie vollkommen Recht. Gibt es denn auch ein schöneres Geräusch auf dieser Welt, als das Schnurren einer Katze? Gäbe es das nicht, ich würde es erfinden, dieses leise Grollen und Rollen in meiner Kehle, das mir selbst und anderen so viel Wohlbehagen bereitet. Oh ja, es ist gut, ein Kater zu sein. Ich habe keinen Beruf, ich verdiene kein Geld, ich bin nicht reich, und doch gebe ich mit vollen Pfoten von dem, was ich im Überfluss in mir trage: Schnurren und Liebe. Und das danken mir meine Menschen mit Streicheleinheiten, Geduld, gutem Essen, einem warmem Platz im Bett oder auf dem Sofa und ebenfalls ganz viel Liebe. So ein Katerleben ist schon was Feines.

IMG_4738_(640_x_480) Ja – und das bin ich jetzt. Klein, stark, schwarz. Äh, nein, ich bin kein Espresso. Also nochmal. Groß, stattlich, schnurrig, kuschelig und sehr flauschig. Ich hinterlasse Flusen und habe noch immer Flausen im Kopf, spiele wie ein Kätzchen und liege herum und schlafe wie ein hundertjähriger Kater. Bin ich alt? Bin ich jung? Wer weiß denn schon, wie viele Leben ich schon gelebt habe von den Sieben, die wir Katzen so mit uns herumtragen?

Wollt ihr wissen, wie alt ich bin? Wie alt eure Katze ist? Dann sehr ihr in die Augen und beobachtet sie, wenn sie einfach dasitzt und aussieht, als würde ihr Blick ins Leere gehen. Nein, sie blickt nicht ins Leere, lasst euch das von einem erfahrenen Kater in den besten Jahren gesagt sein. Sie sieht in ihr Inneres und sinnt nach über ihre gelebten und noch zu durchreisenden Leben. Denn was ist das Leben denn anderes als eine lange, aufregende Reise voller Überraschungen?

Ich freue mich schon jetzt auf den kommenden Tag und träume ihm schnurrend entgegen.

Und ihr?

Träumt. Schnurrt. Lebt. Für den Augenblick.

Euer
Katertier