Jahresrückblick (natürlich mit Kater) und ein kleiner Blick in die Zukunft

Und wieder ist ein Jahr zu Ende, und wieder einmal fragen der Herr Kater und ich uns, wo dieses Jahr so schnell hin ist. 2016 hat viel genommen, aber auch viel gegeben und mich vieles gelehrt, sowohl, was das schreiben angeht, aber auch, was das Leben angeht. Für mich persönlich war es ein gutes, erfolgreiches Jahr. Auch wenn ich nicht so vieles geschafft habe, wie ich schaffen wollte.

 

 Ich wollte zum Beispiel viel mehr und viel häufiger bloggen. Den Kater wirklich wöchentlich zu Wort kommen lassen und nicht nur hin und wieder mal. Ja, er sitzt hier neben mir und beschwert sich, denn er hat wirklich viel zu erzählen. Der Herr im schwarzen Pelz und ich haben uns fest vorgenommen, uns im kommenden Jahr öfter zu melden. Vielleicht nicht als Kater der Woche, aber doch als Kater des Monats, und wenn es gut läuft, vielleicht auch als Vierzehntagekater. Dazu sollen auch im kommenden Jahr natürlich auch Buchbesprechungen und Schreibartikel nicht fehlen, und mit den Zwielichtigen wird es auch weitergehen.

2016 durfte ich mich über mehrere Veröffentlichungen und die immer noch ganz hervorragende Zusammenarbeit mit dem Machandel-Verlag freuen. Als “Schmiedefeuer” und “Schattenfluch” erblickte der gute alte Feuersänger das Licht der Welt in überarbeiteter Fassung neu. Eine Zusage für eine Kurzgeschichte flatterte ins Haus. Und ein Vertrag mit dem wunderbaren Verlag ohneohren kam zustande. Noch ist das Projekt geheim, noch darf ich nichts erzählen, also bleibt es spannend und ich falle hier vor lauter Hibbeln fast von meinem Stuhl, weil das alles so aufregend ist und es um ein echtes Herzprojekt geht.

Geschrieben wurde natürlich auch, viele neue Ideen tauchten auf und einige davon sind inzwischen zu zwar noch nicht ausgewachsenen Projekten, aber immerhin zu Projektkindergartenkindern ausgewachsen, einige wollen auch schon Abitur machen. Dass ich auf ein so produktives Jahr zurückblicken kann, liegt zum großen Teil an einer Idee meiner lieben Autorenkollegin Tanja Rast, die mich zum Kampf um die Marienkäferpunkte herausforderte und damit immer wieder mit kleinen, überschaubaren Zielen am schreiberischen Ball bleiben ließ. In diesem Jahr werden wir diese liebgewonnene Trasdition fortführen und haben uns einen weiteren Käfer ins Boot geholt: Sylvia Ludwig, die nicht nur schicke Cover zaubern, sondern auch ganz wunderbar zauberhafte Geschichten schreiben kann. Ich freue mich jetzt schon auf den freundschaftlichen, motivierenden Kampf um die Punkte.

Kein Jahresrück-und Ausblick ohne Kater. denn wie wie alle Katzenhalter wissen, müssen unsere bepelzten Freunde immer das letzte Wort haben. Herr Kater: Bitteschön, hier ist die Tastatur, Sie sind dran.

“Oh, ich bin dran? Mimimi. Miau. Ich durfte so lange nicht an die Tastatur, dass ich schon gar nicht mehr weiß, wie das mit dem Tippen eigentlich geht, also bitte ich darum, kleine Fehler zu verzeihen. Und überhaupt, was ist schon ohne Fehler? Ich habe nur einen einzigen guten Vorsatz für das kommende Jahr gefasst: den, dass ich es in Zukunft vermeiden möchte, zu versuchen, perfekt zu sein. Denn wer kann das schon? Und wer will das schon? Perfekt sein? Ohne Makel, ohne Ecken und Kanten, glatt wie Eis und genauso kalt in all dieser Perfektion? Nein, das ist nichts für mich. ich weiß, was ich bin, ich weiß, was ich kann, und ich weiß, was ich will. Vor allem weiß ich aber, was ich nicht mehr will: mich verbiegen. Immer nur anschmiegsam sein und anderen nach der Pfeife tanzen. 2017 wird mein (oh, pardon… unser) Jahr, ein Jahr voller Schnurren, mit Platz für Gemütlichkeit und Ruhepausen, mit Familie, Wahlverwandtschaften und Freunden. Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, denn eins wird 2017 auf jeden Fall bringen: Katzen. Bleibt gespannt!”

 

Erwählte des Zwielichts 80

Liandras klopfte ihr auf den Rücken, und sie schnaufte. „Danke … verschluckt …“ Ihr Blick huschte zu Malika, die sich plötzlich aufgerichtet hatte, als hätte sie etwas bemerkt, das ihr und Liandras verborgen geblieben war. „Mal?“
„Wir sollten aufbrechen“, sagte sie, „jetzt gleich. Ich weiß nicht, warum, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir von hier verschwinden sollten. Und damit nicht länger warten. Ich schaffe es aus der Stadt heraus, wenn ich meine Sachen nicht tragen muss.“ Sie schälte sich aus der Decke, rutschte vom Sessel und klammerte sich an die Lehne, als ihr verletztes Bein nachzugeben drohte. „Gebt mir etwas, auf das ich mich stützen kann, dann wird es gehen.“
Liandras murmelte Unverständliches und schlang seinen Arm um Malikas Taille. „Nimm mich. Bist du dir sicher?“
„Dass wir hier wegmüssen – ja. Dass ich es schaffe: ja, wenn du nicht unter mir zusammenbrichst. Iendra?“
Iendra sah auf und schwang sich ihren und Malikas Rucksäcke auf den Rücken.
„Bist du sicher?“
Iendra nickte, auch wenn ihr dabei schlecht wurde. Die anderen zurücklassen, das Lazarett, die Truppe, ohne ihre erfahrenste Heilerin? Sie war nie besonders stolz darauf gewesen, die älteste, am besten ausgebildete und talentierteste Heilerin in Tayaras Truppe zu sein. Aber sie wusste, wer es würde ausbaden müssen, wenn sie jetzt ging. Und wenn es weitere Verletzte wie Khara und Tirac, Shinyenna und Lucai geben würde … sie würgte den bitteren Geschmack hinunter, der sich auf ihrer Zunge sammelte, als die Bilder der grässlichen Verletzungen wieder vor ihrem inneren Auge auftauchten. „Ich komme mit. Wir können nur dann etwas gegen Tayara und die anderen tun, wenn wir nicht allein sind. Und vielleicht wenden sich noch mehr von der Truppe von ihr ab, wenn sie erkennen, was es bedeutet, Khadiss zu dienen. Ich glaube nicht daran, das die Angriffe auf Shinyenna und Lucai Unfälle waren oder Zufall. Das war … gezielt. Das waren Attentate. Aber wer würde uns hier glauben?“
„Niemand“, brummte Liandras. „Sie sehen zu Tayara auf, als sei sie selbst eine Göttin. Sie nennen sie die Herrin der Blitze. Die Auslöscherin allen Lichtes. Das fühlt sich alles so verdreht und falsch an.“
„Die Nithyara“, sagte Malika leise. „Iloyon und Cianthara werden uns glauben. Für sie hat sich dieser Krieg schon viel früher falsch angefühlt.“
„Ebenso wie ich immer noch ihre seltsame Verwandlung und ihre neuen Götter als falsch empfinde“, sagte Liandras und klang noch immer grummelig. „Aber wir haben keine Wahl. Bis wir hier Verbündete gefunden haben, haben uns Tayaras Verborgene wahrscheinlich schon dreimal einen Kopf kürzer gemacht. Sie wird nach uns suchen lassen, sobald sie erfährt, dass wir da unten waren und ihren kleinen Stiefellecker von Informanten getötet haben.“
Iendra nickte, auch wenn ihr immer noch schlecht war. „Dann lasst uns verschwinden.“

Erwählte des Zwielichts 79

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1) Der Kundschafter erwartete sie mit ebenfalls bereits geschnürten Bündeln. Malika war wach, sie saß in Decken gewickelt am Feuer und hielt einen dampfenden Becher in den Händen. Ihre müden Augen füllten sich mit Leben, als Iendra eintrat. „Iendra …“
„Mal.“ Iendra ließ ihren Rucksack fallen und umarmte Malika vorsichtig. „Wie fühlst du dich?“
„Scheußlich.“ Malika grinste schief. „Wenn ich versuche, aufzustehen, gibt das verdammte Bein unter mir nach. Entweder lasst ihr mich zurück, oder jemand von euch trägt mich, oder wir brauchen Pferde.“
„Zurücklassen ist keine Option“, brummte Liandras. Iendra zog eine Braue hoch, warf dem Kundschafter einen fragenden Blick zu, aber er schwieg. Wahrscheinlich hatten er und Malika diese Diskussion bereits während Iendras Abwesenheit zu genüge geführt. Iendra legte noch einmal die Hände auf Malikas verbundenes Bein und ließ ihre Heilkräfte fließen. Sie fühlte, dass das Gift verschwunden war, aber auch, dass es Muskeln und Sehnen geschwächt hatte. Sie knirschte mit den Zähnen. Malika hatte Recht, sie brauchten Pferde oder einen Wagen. Ihre Gedanken rasten. Es gab nicht mehr viele Pferde. Die Tiere, die die letzten Scharmützel und Begegnungen mit den Lichtlingen überlebt hatten, gehörten dem Kommandostab und standen unter ständiger Bewachung. Und die aus Telava geflüchteten Menschen hatten weder Tiere noch Wagen zurückgelassen.
„Woran denkst du?“
Malikas Stimme riss Iendra aus ihren Gedanken. „Wie wir an Pferde herankommen. Oder wie wir zumindest so weit von hier wegkommen, dass uns keiner findet, selbst wenn sie nach uns suchen. Ist es euch wirklich ernst damit, wollt ihr Iloyon suchen gehen?“
„Ja“, sagte Malika und Liandras nickte zur gleichen Zeit.
„Was habt ihr von diesen neuen Göttern mitbekommen, die Iloyon erwählt haben?“
Liandras verzog das Gesicht. „Was hast du vor, Iendra?“
„Noch gar nichts, ich will nur wissen, was du weißt.“
„Sie sind Beinahe-Vergessene und nennen sich der Nachtschatten und die Sternengekrönte. Iloyon und die anderen wollten sich in der Nähe der Felsen niederlassen, an denen sie diesen Göttern begegnet sind. Das ist eine ganze Ecke weg von hier. Mehrere Nachtmärsche. Malika schafft das nicht …“
„Ich weiß.“ Iendra hob ihre Hand, als sie sah, dass Malika protestieren wollte. „Hat Iloyon irgend etwas gemacht, um die Aufmerksamkeit dieser Götter auf sich zu ziehen?“
„Nein.“ Diesmal war es Malika, die antwortete. „Die Götter haben ihm und Cianthara Träume geschickt. Und sie gerufen.“
Iendra nickte langsam. Götter, die sich ihre Gläubigen selbst aussuchten. Götter, die der Welt der sterblichen Völker nahe waren. Die etwas mit dieser Welt zu tun haben wollten. Wenn diese Götter Träume schicken und Dunkelelfen erwählen konnten, konnten Dunkelelfen dann nicht auch Götter wählen? Tayara hatte es offensichtlich getan und sich Khadiss angeschlossen. In ihr keimte die verrückte Idee, eine Gottheit, die sie nur aus den Erzählungen anderer und aus einem Buch voller alter Legenden kannte, um Hilfe zu bitten. Beten. So wie Tayara. Hilflos begann sie zu kichern und hustete krampfhaft, um ihr Lachen zu unterdrücken. Es klang so irrsinnig. Und doch konnte sie die Gedanken in ihrem Kopf nicht davon abhalten, immer wieder dieselben Worte zu formen: Nachtschatten. Sternengekrönte. Helft uns hier heraus.

Erwählte des Zwielichts 78

Ary-Beitragsbild-Zwielicht (1)Sie beugte sich über ihn. „Ich weiß“, sagte sie sanft in sein zerfetztes Ohr, dann legte sie die Hände auf seine Brust und ließ ihre Heilkraft fließen. Dunkle Flammen umloderten ihre Hände, als sie ihr Tun wie eine Heilung aussehen ließ, während unter ihren sanften Fingern Lucais Herz zu schlagen aufhörte.

Den verzweifelten Blick, den sie Varael zuwarf, musste sie nicht spielen. „Er ist gegangen…“

„Und Shin? Was ist mit Shin?“

Iendra beugte sich über Shinyenna und strich über das schweißnasse Haar, das ihr in die Stirn gefallen war. Die Herrführerin sah sie an, einen Moment wurden ihre violetten Iriden sehr klar. „Iendra“, hauchte sie.

„Ich bin hier, General.“

Shinyenna lächelte. „Tu das auch für mich“, hauchte sie, „es tut so weh … Dämonen… körperlos … Schatten und Feuer … Tayara ….“

„Shhht, ich weiß.“ Sie sah auf. „General Varael, sie will Tayara sehen. Und ich weiß nicht, ob ich sie noch lange am Leben halten kann. Sie hat entsetzliche Schmerzen. Ich kann das, was ihre Beine zerfrisst, nicht aufhalten.“

Varaels Lippen wurden zu einem dünnen Strich. „Halte sie am Leben, bis wir wieder da sind.“

Iendra nickte Varael zu, wandte sich aber sofort wieder Shinyenna zu, nachdem Varael weg war. „Verrat?“ flüsterte sie. Shinyenna nickte mit geschlossenen Augen. „Schatten … Feuer … sie tun nur so, als seien sie auch angegriffen worden … warne die anderen … wenn sie Tayara folgen, werden sie alle sterben. Sie werden sterben…“

„Ruhig… ich tue, was ich kann.“

Shinyenna versuchte zu lächeln, sie hustete und krümmte sich, als ein Schwall Blut aus ihrer Nase schoss. „Schmerzen …“

Sanft drückte Iendra sie wieder auf ihr Lager zurück. „Ich helfe dir“, raunte sie und berührte Shinyennas Brust. Tränen rannen über ihr Gesicht, als sie auch Shinyennas Herz zum Stillstand brachte.

Die Erschöpfung, die sie zur Schau trug, als Varael mit Tayara zurückkam, musste Iendra nicht spielen. Sie war müde, verstand nicht, was hier geschah, wollte es auch gar nicht verstehen. Sie wusste nur, hier konnte und durfte sie nicht bleiben. Liandras und Malika hatten Recht – die einzigen, die gegen die erweckte finstere Göttin eine Hilfe sein konnten, waren Iloyon und seine neuen Verbündeten.

„Ihr seid zu spät“, stieß sie hervor, als Tayara sie ansah, „ich konnte ihnen nicht mehr helfen, ihre Wunden waren zu schwer.“

Tayara nickte mit zusammengebissenen Zähnen. „Geh zurück ins Lazarett, Heilerin, und versuche, dort zu retten, was zu retten ist. Und sag mir, hast du etwas von Liandras‘ Truppe gehört?“

Iendra ließ den Kopf müde hängen. „Nein, General. Sie müssen noch unterwegs sein, im Lazarett sind sie jedenfalls nicht… ich bin mir sicher, sie werden sich melden, sobald sie zurücksind.“

„Ganz sicher.“ Tayaras Stimme klang wie ein Schnurren, während Varael kalt in den Korridor brüllte, dass jemand kommen und die Leichen wegräumen sollte. Iendra wusste, dass am nächsten Abend Scheiterhaufen brennen würden. Für tapfere Heerführer, die mutig gegen Dämonen gekämpft hatten. Von unschuldigen Opfern düsterer Mächte. Und sie wusste, dass Tayara innerlich triumphierte und zu Khadiss betete. Sie stand auf du verließ langsam und mit schleppenden Schritten den Tempel. Im Lazarett rief sie ihre engsten Vertrauten zusammen.

„In der nächsten Zeit werden sich in dieser Truppe wahrscheinlich einige Dinge ändern“, begann sie, „denn heute Nacht sind die Heerführer Shinyenna und Lucai bei einem Dämonenangriff zu Tode gekommen. Niemand weiß, woher die Dämonen so plötzlich kamen, oder warum sie es ausgerechnet auf das Hauptquartier der Heerführer abgesehen hatten. Aber ich bin mir sicher, dass das alles nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Ich möchte, dass ihr die Augen aufhaltet, Ungewöhnliches bemerkt und auf eure Kameraden und die Soldaten achtgebt. Lernt, rüstete euch aus, so gut ihr könnt, schaut lieber einmal zu oft hin, wenn euch etwas seltsam vorkommt, als einmal zu wenig. Ich möchte, dass ihr für alles, was kommt, gerüstet seid. Öffnet eure Augen und Ohren, aber noch mehr solltet ihr eure Sinne öffnen und auf eure Herzen hören.“

„Du sprichst in Rätseln, Iendra“, beschwerte sich Heiler Alvion, „was willst du uns sagen?“

„Dass ihr vorsichtig sein sollt. Und jetzt geht wieder an eure Arbeit, wir werden gleich eine größere Gruppe verwundeter Soldaten mit Verätzungen und Verbrennungen bekommen. Die Dämonen waren nicht zimperlich zu denen, die versucht haben, unsere Heerführer zu schützen.“

Iendra danke den Göttern dafür, dass tatsächlich nur einen Lidschlag später die Verwundeten gebracht wurden und sich alle Heiler und Gehilfen auf ihre Arbeit stürzten. Iendra half mit, so gut sie konnte, doch als sie merkte, dass ihre Leute allein zurechtkamen, zog sie sich unter dem Vorwand, erschöpft zu sein, zurück. Niemand hielt sie auf, immerhin wussten inzwischen alle, dass sie versucht hatte, den tödlich verwundeten Anführern zu helfen – und versagt hatte. Im Schutz der beginnenden Dämmerung schlich sie sich in ihre Kammer, packte kurz entschlossen ihren Rucksack und schlich zurück zu Liandras‘ Quartier.