Tanja Rast: Klosterschatz (Der Magie verfallen III)

Von Kriegsschaufeln, selbstbewussten Nonnen und Klosterschätzen

Mit „Klosterschatz“ stellt Tanja Rast den dritten Roman ihrer Gay Romance-Reihe „Der Magie verfallen“ vor und vereint darin wieder eine humorvoll-romantische Liebesgeschichte mit einem bis zuletzt spannenden Plot um politische Wirren in einem kriegsgebeutelten Land.

Wie der Bote der Göttin Anide erscheint dem verletzten und von Wundfieber geplagten Rebellen Torik der hochgewachsene, verflucht gutaussehende Livan, der mit einer Schaufel bewaffnet im exakt richtigen Moment auftaucht, um Torik und einer Handvoll Nonnen nebst Mutter Oberin das Leben zu retten. Mit Livans Hilfe gelingt die Flucht vor den königlichen Soldaten – doch das ist erst der Anfang einer Geschichte, in der nicht jeder das ist, was er zu sein scheint.

Wer sind die resoluten Nonnen, die so viel mehr durchstehen, als Livan ihnen zugetraut hat? Und welche Geheimnisse verbirgt Livan selbst unter seinem Mönchsgewand? Was lag in den alten Katakomben des verfallenen Klosters, in dem Livan Nonnen und Torik aus der Gewalt der Königlichen befreite – und welches Mysterium umweht die Nonne Meni, mit der sich Livan auf ihrer Flucht plötzlich allein in einem matschigen Schlammloch wiederfindet?

All diese Fragen beantwortet die Lektüre von „Klosterschatz“, die ich euch dringend empfehlen möchte. Tanja Rast hat es wieder geschafft, eine romantisch-abenteuerliche Geschichte zu schreiben, die ihre Leser von der ersten bis zur letzten Seite packt. Wir immer ausgestattet mit einem Coverbild von Cover für Dich heißt dieses Buch nicht nur „Schatz“, es ist auch einer.

Ich hoffe, dass Tanja noch lange nicht genug hat von ihrer Gay Romance-Reihe, und freue mich schon auf weitere Romane aus ihrer Feder.

Erwählte des Zwielichts 110

Stille hüllte ihn ein, so tief, dass sie seine Ohren mit dumpfem Druck füllte.

„Nebelstreif! Wegsucher!“ Flammenstern wusste, dass er rief, fühlte, dass er schrie, aber er hörte noch nicht einmal ein Wispern. Er rief Sternenfeuer. Spürte, wie es auf seiner Handfläche knisterte, aber er sah es nicht. Er war taub. Er war blind. Was ist das für ein Zauber? Sein Herz begann zu rasen, als nie gekannte Angst ihn überschwemmte wie eine Woge. Er ertrank darin. Die anderen … er konnte die anderen nicht mehr spüren.

//Nebelstreif … Ta’nesha? Hörst du mich? Wegsucher, Bruder, wo seid ihr?//

Stille, nichts als Stille, als seien seine Sinne blind und taub geworden für die Bänder, die ihn an seine Gefährten schmiedeten.

Flammenstern rammte seine Klinge in den Boden und sank in die Knie. Er bebte. Die Leere in ihm drang durch jede seiner Poren nach Außen, umfloss ihn wie ein Mantel aus zähem Schlamm, der ihn zu ersticken drohte. Auch die Stimmen der Götter waren verstummt, ihre Präsenz fort. Erst jetzt, da er sie nicht mehr hören konnte, wurde ihm klar, dass sie immer da gewesen waren, ihn immer begleitet hatten. Flammenstern rang die Übelkeit nieder, die sich wie eine Klaue in seinen Magen gekrallt hatte, und schnappte nach Luft. //Wegsucher? Nebelstreif?//

Sie blieben stumm. Flammenstern war allein. So allein wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er schloss die Augen. Das Gefühl drohte ihn zu überwältigen, aber er durfte nicht zulassen, dass der Schmerz siegte. Er war eine Klinge. Er war Sternenfeuer. Er durfte nicht zerbrechen.  Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 109

In sich immer mehr weitenden Kreisen umrundeten sie Dorf und Heiligtum. Niemand sprach, jeder wusste um das ausgezeichnete Gehör der Dunkelelfen, die sie einst selbst gewesen waren, jeder wusste, dass ihre Gabe, ohne Worte miteinander reden zu können, einer ihrer Vorteile war. Aus der Ferne vernahm Flammenstern das Senden der Dorfwachen – sie begannen, Fallen zu stellen und Reisigpuppen um das Dorf herum aufzubauen, um ihre kleine Verteidigungsarmee größer erscheinen zu lassen. Sie waren geschickt. Sie waren fähige Kämpfer. Alles würde gutgehen. Er wechselte einen Blick mit Nebelstreif, die ihre Hand ausstreckte, um seine kurz zu drücken, fühlte einen Moment lang Wegsuchers Hand auf seiner Schulter.

Die Zeit kroch dahin, während sie ritten und nichts fanden als friedlichen Wald und Tierspuren. Der Mond stieg am Himmel auf und machte sich bereits wieder auf den Rückweg, als Sternauge sich mit einem ungeduldigen Schnauben aus der Gruppe löste und mit drei Nachtschleichern vorausritt, um die Gegend zu erkunden. Flammenstern und die anderen folgten ihr langsamer, belauschten den Wald und suchten am Boden nach Spuren. Nach einer Weile kam Sternauge zurück, das Gesicht angespannt.

//Spuren//, sendete sie so, dass alle sie hören konnten, //in einiger Entfernung von hier auf einer kleinen Lichtung. Es sieht aus, als hätten sie dort gerastet, um sich dann aufzuteilen. Wir sollten uns trennen und sie verfolgen.//

Flammenstern runzelte die Stirn. //Ich frage mich, warum wir noch keinen von ihnen gefunden haben, die können sich doch nicht unsichtbar machen.//

//Wahrscheinlich hocken sie irgendwo zwischen den Bäumen, haben darauf gewartet, dass wir uns aufteilen und hoffen, uns in kleinen Häppchen zum Nachtmahl vertilgen zu können.// Wegsuchers Senden klang ätzend. Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 108

Flammenstern legte seinen Arm um Nebelstreif, streckte eine Hand aus und zog auch Wegsucher an sich. Im gleichen Moment brachen zwei weitere Nachtschleicher aus dem Dickicht, die Sternauge und Schattensang auf ihren Rücken trugen.

„Flammenstern“, rief Schattensang schon von Weitem, „wir haben ihre Spuren gesehen!“

„Bericht, Schattensang.“

„Es sind vermutlich mehr als zwanzig, und sie kommen auf Pferden. Zumindest hinterlassen ihre Tiere Spuren wie Pferde. Was auch immer unsere … Freunde reiten, es ist mindestens so schnell wie die Schleicher.“

Flammenstern nickte. „Das bedeutet, wir müssen von nun an jederzeit damit rechnen, überfallen zu werden, aber so weit will ich es nicht kommen lassen. Sternenkatze, wie schnell können die Schleicher Tayaras Leute aufspüren?“

„Schnell genug.“ Sie lächelte und sah dabei aus wie eine Katze, unter deren Pfote sich eine Maus wand. „Sie sind begierig zu jagen.“

„Gut.“ Flammenstern nickte ihr zu, dann ließ er den Blick über die versammelten Nithyara schweifen. „Ich will, dass Tayaras Leute abgefangen werden, bevor sie diesen Ort auch nur von Weitem sehen können. Keiner von ihnen soll auch nur in die Nähe des Göttersteins kommen. Ich möchte dort Nachtschleicher. Sternenkatze, Weitherz, ihr bewacht das Heiligtum. Nachtjäger, Feuerlanze, Sturmklinge und Schattenlicht – ihr schützt das Dorf. Alle anderen folgt mir, wir werden sie aufspüren, und wir werden sie aufhalten.“ Continue Reading →

Erwählte des Zwielichts 107

Damit verblasste das Leuchten. Flammenstern fühlte sich von einem Moment zum anderen verlassen, als die Macht der Götter sich zurückzog und der Felsen nur noch wie ein einfacher grauer Stein aussah. Er strich über die raue Oberfläche. „Das war nicht das, was ich erwartet habe“, murmelte er. Aber was hatte er denn erwartet? Dass die Götter ihm einen Namen nannten?

Klingen im Schmiedefeuer.

Erkenntnis durchfuhr Flammenstern wie ein Blitzschlag.

Was auf sie zukam, war nicht das drohende Grollen eines erneuten Untergangs. Es war eine Bewährungsprobe, die zeigen sollte, ob er und seine Leute wirklich die neuen Nithyara waren, auf die die Sternengekrönte und der Nachtschatten so lange gewartet hatten. Sie prüften jeden von ihnen. Jeden auf seine Weise, das verstand Flammenstern jetzt, als er sich langsam vom Stein löste und die Lichtung verließ, um in das Dorf zurückzukehren. Er spürte die Hände der Götter auf seiner Seele. Ihn prüften sie, indem er angenommen hatte, als die anderen ihn zum Anführer gemacht hatten. Sie prüften Wegsucher, indem sie ihn mit seiner Liebe zu Nebelstreif konfrontierten, und damit stellten sie auch Nebelstreif auf die Probe. Jeder kämpfte auf seine Weise mit diesem neuen Leben als Zwielichtkind, das für keine Seite stritt, sondern nur noch für ein eigenes freies Leben in Frieden. Continue Reading →