Sarah König: “Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite”

Was ist ein Schnatter?
Darauf wissen wohl nur Kasper und seine Freundin eine Antwort, denn in einem verschneiten, kalten November finden beide unabhängig voneinander eines dieser entfernt an ein plüschiges, niedliches Schnabeltier erinnernden Wesen, die beider Leben ganz schön durcheinanderbringen und für jede Menge Trubel sorgen. Einst waren Schnatter und Menschen dicke Freunde, bis zu dem Tag, an dem die Königin der Schnatter, Bernadette, einen Schlussstrich zog – denn die Menschen hatten begonnen, die intelligenten Schnatter für Haustiere zu halten und auch so zu behandeln. Doch wie kommt ein Schnatter in die Menschenwelt? Weil er neugierig ist, neugierig wie ein Sack Flöhe und noch schwerer zu hüten, was Kasper feststellen muss, als Ferdinand seine Wohnung verwüstet.
Sarah Königs Erstlingswerk ist eine zauberhafte Geschichte für Groß und Klein, ein Buch, das an das Gute in der Welt glauben lässt und ein wenig nach Weihnachten und einer glücklichen Kindheit duftet. Vordergründig ein liebevoll erzähltes Märchen, hintergründig eine Geschichte um Liebe, Freundschaft und Respekt – auch vor dem so ganz Fremden. Wer wieder mal ein einfach nur schönes Buch lesen möchte und dabei ein bisschen träumen möchte, dem sei Ferdinand von Schnatter ans Herz gelegt.
Abgerundet wird das Buch von den rührenden, witzigen Illustrationen des Zeichners Jascha Buder, der es geschafft hat, die Schnatter mit einem humorvollen Augenzwinkern und viel Gefühl in Szene zu setzen. Nur eins sei gesagt, liebe Kinder: Klowasser schmeckt nicht nach Zitrone. 🙂
schnatter

Ein Stöckchen: „The Next Big Thing Blog Hop“

Tanja Rast hat mir ein Stöckchen zugeworfen, das ich einfach fangen muss. „The Next Big Thing Blog Hop“ ist eine Reihe von Fragen, die sich auf ein aktuelles Schreibprojekt beziehen. Ich schreibe zwar aktuell nichts, aber ich stecke im Überarbeitungsprozess von “Roms Katzen”, meinem letzten NaNo-Roman, mit dem ich mich demnächst bewerben gehen möchte, also werde ich mich ein wenig über meine mystischen Miezen auslassen.

Wie ist der Arbeitstitel Ihres Buches? Unter welches Genre fällt Ihr Buch?
Sehr schlicht und einfach, der Roman ist mit “Roms Katzen” überschrieben – wobei ich noch überlege, ob “Die Katzen von Rom” nicht doch besser klingt.

Woher kam die Idee für das Buch?
Ich liebe Katzen, und damit wollen wir beginnen. Schon immer habe ich gern Tiergeschichten gelesen, vor allem, wenn es dabei um Katzen ging. “Solos Reise”, ein wunderbarer, philosophischer und nachdenklicher Roman von Joy Smith-Aiken, hat mich ebenso inspiriert wie Tad Williams’ “Traumjäger und Goldpfote” oder Erin Hunters “Warrior Cats”. Ich verschlang diese Bücher udn wusste, irgendwann wollte ich auch einmal eine “tierische” Geschichte schreiben. Dass die Geschichte in Rom spielen sollte, einer Stadt, die ich sehr liebe, war ebenfalls schon lange klar, denn ich hatte die vielen Rudel herumstreunender Katzen dort live und in Farbe gesehen und wollte diese Streuner, die da am Rand der Gesellschaft ein schweres Leben führen, in einer phantastischen Geschichte unterbringen, wo sie, diese Wegwerftiere, die keiner will, die Helden sind. Meine Katzen sind starke Persönlichkeiten, mit ihrer eigenen Mystik und ihrer eigenen Philosophie.

Wie lautet die Ein-Satz-Zusammenfassung Ihres Buches?
Oh, damit tue ich mich immer schwer. Kurz ist etwas, das ich nicht gut kann, aber versuchen wir es:
Angesichts einer Gefahr, die alle Katzen von Rom bedroht, überwinden zwei mutige junge Katzen Sippenfeindschaften, um nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch ihre Sippen zu retten und in der Überwindung starrer Grenzen etwas ganz neues zu schaffen.

Welche Schauspieler sollten Ihre Charaktere in einer Filmumsetzung spielen?
Das wird schwierig, da meine Protagonisten Tiere sind. Aber wenn ich sie mir in einem Animationsfilm vorstelle, dann hätte ich gern Alan Rickman als Synchronsprecher für Ramose, den Sippensprecher der Bastet-Katzen und Maisie Williams (die Arya-Stark-Darstellerin) als Stimme für Bastet-Katze Maat-Ra. Für den mysteriösen Seher, den Wandler zwischen den Zeiten und Welten, könnte ich mir Christopher Lee vorstellen. *schnurr*

Werden Sie Ihr Buch selbst verlegen oder werden Sie vertreten durch einen Agenten?
Ich möchte das Buch auf jeden Fall einem Verlag anbieten. Ob ich das direkt mache oder mich zuvor bei einer Agentur bewerbe, da bin ich mir noch nicht sicher.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den ersten Entwurf Ihres Manuskripts zu schreiben?
Etwa eineinhalb Monate. Die Geschichte begann im November 2012 als National Novel Writing Month-Projekt. ich war von Anfang an so sehr “drin” in der Geschichte und bekam von meinen mitschreibenden Weggefährten aus dem Tintenzirkel-Autorenforum so viel Zuspruch, dass sie wie von selbst fertig wurde.

Welche anderen Bücher würden Sie mit Ihrem Genre vergleichen?
Tierfantasy wie “Traumjäger und Goldpfote” oder “Unten am Fluss”

Was sonst über Ihr Buch könnte das Interesse des Lesers wecken?
Ich habe versucht, eine phantastische Geschichte zu schreiben, die eine Hommage an das Geheimnisvolle ist, das alle Katzen umgibt. Bei allen “menschlichen” Gefühlen vermenschliche ich nicht und lasse meine Katzen Katzen bleiben. Die Geschichte der Katzen von Rom ist eine Geschichte um Liebe und Freundschaft, um alte Feindschaften, die so weit zurückgehen, dass kaum noch jemand weiß, warum sie eigentlich bestehen, um Loyalität und um das in Frage stellen eingefahrener Wege. Sie geht um Alte, die den Mut haben, auf die Jugend zu hören und um Junge, die den Mut haben, auf die Alten zu hören und dennoch eigene Wege zu gehen. Es geht um das Überwinden von Vorurteilen, um neue Blickwinkel und Respekt. “Roms Katzen” ist eine Tiergeschichte – und doch findet sich sicher auch so mancher Mensch in ihr wieder.

So viel zu “meinen Katzen”. Danke an Tanja für das Stöckchen, das ich nun aufhebe und Sarah König zu Füßen lege, die sich gerade über die Veröffentlichung ihres Erstlings Ferdinand von Schnatter der Viertelnachzweite freut.

Kater der Woche: Nein, es fehlt mir nicht!

Kennt ihr das? Ihr habt lange bestimmte Dinge getan, an Gruppen oder Kreisen teilgenommen, seid in Foren aktiv gewesen, habt gebloggt, wart Mitglied in einem Verein. Und dann habt ihr eines Tages festgestellt: das, was ich da mache, gibt mir nichts mehr. Ich sehe es nur noch als lästige Pflicht an, zu diesem Vereinsabend zu gehen oder mich in diesem oder jenem Forum einzuloggen oder dieses oder jenes Internetspiel mitzuspielen, nur weil meine beste Freundin/meine Mutter/mein Bruder/mein Mann/mein … was auch immer dort mitmacht.
Mir bringt es nichts mehr – und den anderen? was bringt es den Vereinsmitgliedern, wenn sie mich bei jedem Treffen mit langem Gesicht dort sitzen sehen, zusehen, wie ich andauernd auf die Uhr gucke und die Augen rolle, nur weil dieser Mist immer noch nicht rum ist und ich immer noch nicht zurück nach hause darf? was bringt es den anderen, wenn ich in einem Forum oder einem Onlinespiel nur noch als Name in der Nutzerliste existiere und noch nicht mal mehr lesend anwesend bin, zur Karteileiche verkomme und irgendwann vom Betreiber sowieso wegen Inaktivität gelöscht werde?

Manchmal, das weiß ich inzwischen aus eigener Erfahrung, kann es unglaublich befreiend sein, einen Schlussstrich zu ziehen und zu sagen: Ich höre auf. Ich melde mich ab aus diesem Forum, in dem ich nur noch still mitlese und mich leise über die Äußerungen oder den pampigen Tonfall mancher Mitglieder ärgere. Ich melde mich ab aus diesem Onlinespiel, das ich nur noch spiele, weil mein Freund es spielt. Ich melde mich ab aus dieser oder jeder Community und halte zu den Leuten, die mir wirklich noch etwas bedeuten, Kontakt auf anderem Wege (es gibt ja nicht nur das INternet. Wann habt ihr das letzte Mal eine Postkarte oder einen Brief geschrieben, oder jemanden einfach so aus Spaß, weil ihr mal wieder quatschen wolltet, angerufen?).

Und das tolle ist: ich merke nicht nur, dass mir der Schlussstrich gut getan hat, ich merke bei einem Blick auf das eine oder andere Ding, das ich hinter mir gelassen habe: es fehlt mir nicht. Ich vermisse es nicht. Ich brauche es nicht mehr.
Für jede Tür, die ich ganz bewusst selbst hinter mir schließe, öffnet sich irgendwo eine andere. Das ist fast so spannend wie das Katzenfutterdosenöffnen am Morgen. Was gibt es heute? was ist unter dem Deckel? Für das Katertier ist es die Frage: Thunfisch, oder Makrele, Rind oder Hühnchen? Und für den Menschen?
Denkt mal drüber nach!
Euer
Kater

Mit der Kettensäge auf Füllwortjagd: Der Betaleser

Gestern habe ich darüber geschrieben, wie ich Textkritik annehme, heute möchte ich ein wenig über das Geben von Textkritik schreiben.
Erst einmal: einen fremden Text zu betazulesen” ist ganz sicher nicht einfach (verflixt, muss da jetzt ein Komma hin oder nicht? Ich brauche schon Betaleser für mein Blog!). Schon gar nicht, wenn es der Text eines guten Bekannten oder einer guten Freundin ist, sprich, von einem Menschen, dem man auf gar keinen Fall auf die Füße treten, die Lust am Schreiben nehmen oder ihn sonst irgendwie “runterziehen” möchte. Also, was tun?

Beschnuppern
Wenn ich für jemanden aus meinem Bekannten-und Freundeskreis betalese, dann teste ich erst einmal an, ob mir der Stil des Autors überhaupt liegt. Denn wenn nicht, brauche ich gar nicht erst anfangen, einen Beta-Durchgang zu machen. Dann kann ich vielleicht Tippfehler und Grammatik korrigieren, wenn nötig, vielleicht auf die innere Logik gucken, aber keine Stilvorschläge unterbreiten – denn dann müsste ich den ganzen Text ummodeln und würde dem Autor damit meinen Stil aufzwingen, statt mit ihm zusammen an seinem zu arbeiten. Da sollte man als Betaleser auch durchaus den Mut haben, einen Text nach einem kurzen Beschnuppern zurückzugeben und so ehrlich sein, zu sagen, dass man damit nichts anfangen kann. Lieber ein abgelehnter Text als eine angeknackste Freundschaft.

Vorschläge
“Nimm, was du brauchen kannst, und hau den Rest in die Tonne”. Damit will ich nicht sagen, dass der Autor all meine Kommentare ignorieren und weiter sein Ding machen soll, nein. Ich sage ihm damit, dass das, was ich ihm gebe, Vorschläge sind, Dinge, die ich vielleicht besser, glatter, passender, schöner finde. Oft wird man als Autor so betriebsblind dem eigenen Text gegenüber, dass man murksige Formulierungen oder seltsame Bilder gar nicht mehr wahrnimmt und seinen eigenen Stilmarotten gegenüber vollkommen immun ist. Das kennt sicher jeder, eine bestimmte Formulierung, ein Bild, das einem besonders gut gefällt, und das sich, weil man es ja so liebt, in jeden zweiten Satz einschleicht. Meine Autorenkollegin Tanja Rast nennt meine Marotten liebevoll “Ary-ismen”, nach meinem Tintenzirkel-Forennamen “Aryana” und dem bekannten “-ismus”. Mein Pferdefuß sind Cicero-eske Rhetorikstilmittel. In Maßen vielleicht ganz nett, aber ich gebe zu, man kann es auch übertreiben, und wie schrecklich sich das später liest, nehme ich selbst gar nicht mehr wahr, da brauche ich Betaleser, um mich mit der Nase auf diese Häufungen zu stoßen. Finde ich bei anderen so etwas, markere ich es natürlich auch an. Trotzdem versuche ich, nicht jede dieser kleinen Marotten auszumerzen, denn sie sind das, was den Stil des Autors prägt und ihm in der richtigen Dosis die persönliche Note verleihen, typisch für ihn ist.
Genauso sehe ich die Jagd auf Adjektive und Füllwörter. Die Dosis macht das Gift, nicht jedes Adjektiv ist überflüssig und nicht jedes Füllwort tatsächlich nur ein Füllsel. Trotzdem – oft sieht man als Betaleser sehr viel besser als der Autor, wo man die Kettensäge ansetzen und einen Text kürzen und straffen kann. der Autor hängt mit Herzblut an jedem Wort, der Betaleser erkennt unter der ganzen Textverliebtheit besser die Grenze zwischen dem, was wirklich noch nötig ist, und dem sich endlos wiederholenden Gelaber, in das man gerade dann so leicht verfällt, wenn man zum beispiel den NaNoWriMo mitschreibt und nicht nur Qualität, sondern auch Quantität produziert.

Objektivität
Kritik ist niemals zu 100 Prozent objektiv. Trotzdem versuche ich, so objektiv wie möglich zu formulieren, freundlich, ohne Spitzen, wenn ich weiß, dass der Autor es verträgt, mit einer Prise Humor. Nichts tut so gut, wie beim Überarbeiten über die eigenen kleinen Unzulänglichkeiten zu lächeln oder sogar laut zu lachen. Und es nimmt der Kritik die Schärfe.

Erklären
“Das ist nicht gut” ist durchaus eine Kritik, aber keine Brauchbare, denn sie ist unbegründet. Ich bemühe mich, zu erklären, warum mir etwas nicht gefällt, auch wenn das Nichtgefallen zuerst vielleicht nur einem vagen Bauchgefühl entspringt. Mit etwas Suchen gibt es für vieles, das sich beim lesen seltsam anfühlt, eine Erklärung. “Dein Protagonist handelt unlogisch”. Okay, Protagonisten sind meist auch nur Menschen und nicht immer komplett logisch, aber dem Autor hilft nicht, wenn ich ihm sage, dass sein Protagonist unlogisch handelt oder sich out-of-character benimmt, ich muss an beispielen belegen, wo im Text er das tut, damit der Autor mein Genörgel über den inkonsequenten Helden auch nachvollziehen kann.

Loben!
Finde ich ganz wichtig. Ich sage “meinen” Autoren nicht nur, was mich nicht gefällt, sondern gerade auch, wenn mir etwas besonders gut gefällt oder ich eine Formulierung oder eine Plotwendung für sehr gelungen halte. Ich bin selbst ein Mensch, den Kritik zwar anstachelt, etwas besser zu machen, den aber auch ausschließlich negatives Feedback eher dazu animiert, den Kopf in den Sand zu stecken und alles in die Tonne zu treten, statt an der Sache zu arbeiten. Lob ist das, was am meisten motiviert, also, liebe Betaleser, spart bei aller gerechtfertigten Kritik nicht mit Lob und gönnt dem gebeutelten Schreiberling, dessen Text ihr seziert, auch ab und zu mal einen Keks.

Danke fürs Lesen!