Tina liest: “Seelenraub – DU Seelengefährten 4” von Kaye Alden

Mit “Seelenraub” erschien  nicht  nur  der  zweite  Band der “Ewigen Seelen” von Kaye Alden, sondern auch der vierte Band der “Seelengefährten”-Reihe des Autorenkollektivs “Die Uferlosen”.

“Seelenraub” erzählt die aufregende, spannende Liebesgeschichte von Gabriel, der ewigen Seele, und seinem Seelengefährten David weiter – und ebenso deren Suche nach dem entführten Yves, ebenfalls eine ewige Seele und bester Freund Gabriels.
Um Yves zu finden, fasst Gabriel einen Plan, der David so gar nicht schmeckt: anscheinend gibt es jemanden, der es auf ewige Seelen abgesehen hat, nachdem vor Yves bereits Maurice verschwunden war, ebenfalls eine ewige Seele. Also will Gabriel sich als Köder anbieten und sich selbst entführen lassen, um dem Verbrecher, der es auf seine Freunde und ihn abgesehen hat, auf die Schliche zu kommen und ihm das Handwerk zu legen. Gemeinsam reisen Gabriel und David nach Frankreich, wo eine weitere ewige Seele mit ihrem Gefährten lebt und gerade mit einer Luxusyacht nahe Marseille unterwegs ist. Mireille und ihr Gefährte Rodriguez bieten mit ihrer Yacht L’ange dechu ein wunderbar luxuriöses Quartier, das David jedoch so gar nicht genießen kann, weiß er doch, dass bei jedem Ausflug, bei jedem Landgang, eigentlich rund um die Uhr sein geliebter Gabriel in der Gefahr schwebt, entführt zu werden. Denn natürlich passen die Bodyguards, die ihnen stetig folgen, nur zum Schein auf Gabriel auf. Und auch die Anwesenheit des charmant-burschikosen Rattenwandlers Pierre kann David nicht davon abbringen, sich um Gabriel zu sorgen.

Auch die Tatsachen, dass Gabriel David erzählt, welche Auswirkungen es haben wird, wenn ewige Seele und Seelengefährte sich endgültig aneinander binden, und David von Rodriguez erfährt, wie eine ewige Seele in den Zeiten, in denen sie auf die Wiedergeburt ihres Gefährten wartet, leidet, machen David das Leben nicht einfacher.

Und als Gabriel dann tatsächlich entfährt wird und die Ereignisse sich zu überschlagen beginnen, wird auch Davids schon jetzt turbulentes Leben noch mehr auf den Kopf gestellt. Vor allem, als die Gefährten erfahren, wer tatsächlich hinter den Entführungen steckt, und aus welchem Grund …

Kaye Alden gelingt es wunderbar, alle in Band 1 (“Seelensuche”) angelegten Handlungsstränge in der Fortsetzung aufzunehmen und zu verknüpfen und alle aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Dabei arbeitet sie gekonnt mit kleinen Cliffhangern und lässt ihre Leser*innen mit David in seiner Sorge um Gabriel leiden. Mireille und Rodriguez bilden ein sympathisches Paar von Sidekicks, auf deren Yacht man selber gerne einmal Urlaub machen würde, und Pierre mit seiner Kodderschnauze und seinem Humor und Charme schafft es immer wieder, auch ernsteste Situationen zu retten, ohne dabei zum reinen Comic Relief zu werden.
“Seelenraub” kommt insgesamt etwas flotter und schneller daher als “Seelensuche”. Das höhere Tempo tut der Geschichte gut, denn schließlich fiebert man ja auch als Leser*in mit den sympathischen Figuren des Zweibänders mit.
Auf jeden Fall eine ganz klare Leseempfehlung – auch für den Sommerurlaub.

Tina liest: “Seelensuche – DU Seelengefährten 3” von Kaye Alden

Und da ist er, der dritte Band der Uferlos-Reihe „Seelengefährten“ und der erste Band von Kaye Aldens Zweiteiler „Ewige Seelen“, der demnächst mit „Seelenraub“ fortgesetzt wird. Wie alle Autorinnen der Reihe hat sich auch Kaye Alden dem Thema „Seelengefährten“ gewidmet und aus ihrer Sicht in einer wieder ganz anderen Geschichte von den Seelengefährten Gabriel und David erzählt. Um es gleich vorweg zu nehmen: „Seelensuche“ ist weder Mondmal 3 noch Flammensturm 2. Es ist wie alle Bände der uferlosen Seelengefährtenreihe eine ganz neue, ganz andere Geschichte, auf ihre eigene Art erzählt. Seelensuche kommt mit deutlich weniger Action daher, bringt aber trotzdem Spannung mit – und ganz, ganz große Gefühle.

Worum geht es:
Ewige Seelen, gefangen im immerwährenden Kreislauf von Tod und Wiedergeburt ihrer wahren Gefährten …
So hat sich David sein Leben nach dem Studium nicht vorgestellt. Alle seine Freunde sind tollen Jobangeboten folgend in andere Städte gezogen; einzig er ist gezwungen, bei Tim Hortons zu arbeiten, um sich über Wasser zu halten. Und all das nur, weil ihn etwas in Vancouver festhält, das er nicht benennen kann. Sein Glück scheint sich zu wenden, als er Gabriel begegnet – charmant, gut aussehend und offensichtlich von ihm fasziniert.
Gabriel ist eine ewige Seele – gegen Alter und Krankheit gefeit, lebt er bereits seit über zweihundert Jahren. Immer auf der Suche nach seinem Gefährten ist er dazu verdammt, David zu finden, zu lieben und an den Tod zu verlieren. Halt in den grauen Jahren zwischen Davids Leben gibt ihm sein bester Freund, eine ewige Seele wie er.

Doch jemand oder etwas scheint Jagd auf ewige Seelen zu machen, denn eine nach der anderen verschwindet. Und diese Bedrohung nähert sich Gabriels Freundeskreis.
Einfühlsam erzählt Kaye Alden die sich zart entspinnende Liebesgeschichte zwischen David und Gabriel. Seelensuche ist ein ruhiger Roman, der sich vor allem den Gefühlen der Helden widmet und ihre Entwicklung auf unaufgeregte und dennoch spannende Weise beschreibt. Denn David merkt schnell, dass Gabriel von Geheimnissen umgeben ist, ganz besonders in dem Moment, in dem sich die unheimliche Jagd auf ewige Seelen auf Gabriel selbst richtet und er sich und David im letzten Moment durch einen Zauber retten kann. Natürlich wirft all das in David Fragen auf, und seine Reaktion ist nur zu verständlich: er flüchtet. Und Gabriel versucht, seinen Seelengefährten auf die einzig mögliche Art zurückzugewinnen: indem er ihm die Wahrheit sagt.

Und dann saß ich hier und wartete nägelkauend auf die Fortsetzung dieser hinreißenden, gefühlvollen, unter die Haut gehenden Liebesgeschichte und hoffte, dass sich für Gabriel und David alles zum Guten wendet. Zur Fortsetzung erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag etwas.

Tina liest: “Das gefälschte Siegel – die Neraval-Saga 1” von Maja Ilisch

Sollte ich dieses Buch mit wenigen Worten zusammenfassen, würden mir als erste diese einfallen: Traue niemandem. Vor allem dir selbst nicht. Und würde man ein Kammerspiel, ein Charakterstück, mit einem High Fantasy-Roman kreuzen, dann würde garantiert Das gefälschte Siegel dabei herauskommen, der erste Teil der Neraval-Saga von Maja Ilisch, die mit diesem Buch ihr High Fantasy-Debüt bei Klett-Cotta feiert.

Das Cover ist schon mal ein echter Hingucker mit der wie ein Siegel angeordneten Titelei, und in der Landschaft, in der ich vage die vier Gefährten erkenne, die die Handlung des Romans tragen, sehe ich ein Abbild der Stadt im Nebelreich.

Worum geht es? Um Kevron, der einst ein begnadeter Fälscher war, steht es nicht zum Besten. Schulden, Alkohol und sein angeborener Hang zur Faulheit haben ihn fest im Griff. Da klopft es eines Tages an seine Tür. Vor der Kammer steht kein Geringerer als der geschwätzige Prinz Tymur und sein Anliegen duldet keinen Aufschub.

Es ist das größte und gefährlichste Geheimnis des Landes: Vor vielen Tausend Jahren brachten der sagenumwobene Held Damar und die Zauberin Illiane einen Erzdämon zur Strecke und bannten ihn in eine Schriftrolle. Unter den wenigen, die davon wissen, gibt es einen schrecklichen Verdacht: Wurde das Siegel der Rolle gebrochen? Ist der Dämon entwichen?
Ein verlotterter Fälscher Namens Kevron Kaltnadel erhält vom König den Auftrag der Sache nachzugehen. Es ist ungemütlich, es ist anstrengend und es ist gefährlich – aber Kevron bleibt keine Wahl. Die Spur führt ins ferne Nebelreich und wer hier verlorengeht, den wird man nicht vermissen.

Der Auftakt der Neraval-Saga kommt spannend daher, aber ohne große Action, und doch mit allem, was eine High Fantasy-Geschichte braucht: einem sagenumwobenen Helden, einem gebannten Dämonen, machtvoller Magie, einem fremdartigen Volk und kryptische Prophezeiungen. Auf der Bühne stehen vier Gestalten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Prinz Tymur, der in ständiger Furcht davor lebt, den Dämon bereits befreit und von ihm besessen zu sein. Fälscher Kev Kaltnadel, gefangen in Albträumen und ständig im Kampf gegen seine ganz eigenen Dämonen, von denen Drogen und Alkohol nur die Geringsten aller Probleme darstellen. Der Steinerne Wächter Lorcan, einst einer der erwählten Neun, die in den Katakomben der Burg Neraval die Schriftrolle hüten und vor Zugriff bewahren wollen, seines Postens enthoben durch eigenes Tun – denn Locan entdeckte, wie es um die Steinernen bestellt ist, und fühlte sich nicht mehr wohl dabei, ein Teil davon zu sein: menschlich, schwach und doch nicht so gefeit allen weltlichen Versuchungen gegenüber, wie ein Steinerner es eigentlich sein sollte. Die Vierte im Bunde ist Enidin, eine junge Zauberin, die sich die Teilnahme an der Expedition ins Nebelreich durch Selbstbewusstsein und Forschheit geradezu erschleicht – doch eins muss man ihr lassen, die Kleine ist richtig gut.

Während die vier Gefährten, die eher eine Zwangsgemeinschaft als eine eingeschworene Abenteurertruppe sind, sich auf den Weg ins Nebelreich machen, um die mächtige Ililiané zu finden, die Zauberin, die damals mit Tymurs Ahnherrn Damar den Dämon La-Esh-Amon-Ri in die Schriftrolle bannte, entspinnt sich zwischen den Gefährten ein gelungenes Charakterspiel aus Vertrauen und Zurückweisung, Eigennutz und Hilfsbereitschaft, Vorwürfen und Verzeihen. Und es zeigt sich, dass jeder der Vier seine beziehungsweise ihre ganz eigenen Dämonen mit sich herumschleppt, heißen sie nun La-Esh-Amon-Ri, Wein und Katzenkraut, Loyalität und Liebe oder Wissen, Macht und unbändiger Ehrgeiz. Fast könnte man meinen, in den vier Gefährten gibt sich eine Abordnung von Todsünden die Ehre und versucht, irgendwie die Welt zu retten – jeder auf seine Weise, jeder mit seiner oder ihrer ganz eigenen Motivation und mit ganz eigenen Zielen.

Der Roman endet mit einer überraschenden Wendung, mit der ich so nicht gerechnet habe – da bin ich Maja Ilisch komplett in die Falle gerannt. Ich warne: wer dieses Buch liest und sich in die Figuren verliebt, so wie ich es getan habe, wird am Ende fingernägelkauend da sitzen und sich genötigt fühlen, der Autorin jeden Tag eine Mail mit der Frage Wann geht es weiter? zu schicken.  Ich habe mich mit viel Freude in die abenteuerliche Reise von Kev und Tymur gestürzt. Und falls jemand Tymur schütteln möchte: stellt euch hinten an. Ich zuerst.