Monatsrückblick: Januar

Geschafft. Der erste gute Vorsatz fürs neue Jahr wurde erfüllt: Mehr bloggen. Es gab neue Zwielichteinträge, zwei neue Rezensionen und zwei Interviews. Auch Herr Kater hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet.

 

 

Schreiben: Yenyaab – Verbotenes Kraut wächst stillvergnügt vor sich hin. Noch ist es nicht im Ansatz fertig, aber der Knoten im Kopf wurde entwirrt und so langsam klärt sich der Nebel, der den Weg zum Ende bisher hartnäckig verschleiert hat. Dennoch fürchte ich dieses Buch wird mein erster “über 400-Normseiten-Wälzer”. Es ist so, wie es ist, wenn die Geschichte Platz braucht, dann soll sie sie haben.

Ebenfalls weiter ging es mit mit den Erwählten des Zwielichts, die ihr hier im Blog unter “Onlineroman” weiter verfolgen könnt. Kommenden Sonntag gibt es mal wieder ein Zwielicht-Special für die, die nicht so gern längere Geschichten in homöopathischen Dosen zu sich nehmen – schaut einfach wieder rein.

Auch bei den Nityhara tut sich was. Die Arbeit an einer Kurzgeschichtensammlung hat begonnen. Geplant sind insgesamt fünf spannende, erotische, tragische und humorvolle Geschichten (oder besser Novellen … ich kenn mich, auch wenn die Dinger Kurzgeschichten heißen, werden sie sicherlich alles andere als kurz) aus der Welt der Nityhara, Nachtelfen und Schattendämonen.

 

 

Interview: Tanja Rast über Selfpublishing und “Königsmacher”

Danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!
1. Liebe Tanja, wer hier regelmäßig mitliest, kennt Dich ja schon – vielleicht magst Du dich trotzdem noch mal kurz vostellen?

Ich glaube, in einem früheren Leben wäre ich Barde oder Skalde geworden. Ich lebe mit Geschichten, fühle mich von kleinen, wild plappernden Ideen umzingelt und versuche eigentlich beständig, schnell genug zu schreiben, um keine von ihnen zu enttäuschen.
Sonst bin ich Schleswig-Holsteinerin aus Überzeugung, lebe auf dem wirklich platten Land umgeben von Äckern, Wiesen und Wäldern. Nachts höre ich Rehböcke bellen, und auf unseren schmalen Straßen kann einem schon mal ein renitentes Wildschwein die Weiterfahrt verbieten.

2. Du bist neuerdings unter die Selfpublisher gegangen. Was hat Dich zu diesem Schritt bewogen?

Ich schreibe zu viel?
Ich arbeite hauptsächlich mit zwei wundervollen, engagierten Kleinverlegern zusammen. Deren Programm ist natürlich mengenmäßig begrenzt. Und da ich als neues Genre für mich Gay Fantasy Romance entdeckt habe, bot es sich nahezu an, mit diesem neuen Genre die für mich neuen Möglichkeiten des Selfpublishing zu probieren. Ich möchte gerne zu jenen gehören, die niemals nie sagen. Ich möchte Neues wagen. Wenn ich etwas nicht ausprobiert habe, kann ich mir kein Urteil dazu gestatten.

3. Dein erstes im Selbstverlag erschienenes Buch ist „Königsmacher“, eine turbulente, spannende und witzige Gay-Romance-Fantasygeschichte. Wie bist Du dazu gekommen, Gay Romance zu schreiben? Was fasziniert dich daran?

Das war für mich nicht unbedingt ein Quantensprung. Ich war schon immer ein Genre-Hüpfer. Ich habe mit High Fantasy angefangen, eine Zeitlang US-Agententhriller geschrieben (bis ich Klaxdonnersbüll und somit Dorf Fantasy für mich entdeckte), bevor ich dreizehn Vampirromane, diverse Kurzgeschichten aller möglichen Fantasyspielarten und zehn Heroic-Romantic-Fantasy-Romane schrieb. Immer wieder kamen dabei auch schwule Nebenfiguren vor.
Wer „Arrion“ und „Cajan“ gelesen hat, weiß, dass ich meine Helden gerne anschmachte, beziehungsweise sie von meinen Heldinnen anschmachten lasse. Oftmals gibt es wichtige Nebenfiguren, die schwul sind. Mich auf Gay Romance einzulassen, das Genre auszuprobieren und viel Spaß dabei zu haben, war eigentlich nur ein logischer Schritt.
Abenteuer im phantastischen Setting mit (manchmal) Elfen, Magie, Geistern, Explosionen und zwei wundervollen jungen Männern – klasse!

4. Selfpublishing macht vielen Autoren ein bisschen Angst. Der Aufwand, die Formatierungen, Steuerliches. Ist das alles wirklich so schwierig? Wie sind deine Erfahrungen?

So fürchterlich erfahren bin ich ja noch nicht. Aber ich war aufgeregt. Drei Formate – drei Portale. Die Portale, die die Veröffentlichungsarbeit unterstützen, werden zwar immer besser und autorenfreundlicher, trotzdem neige ich zur Panik „Ein falscher Klick, und das Internet explodiert“. Zum Glück hatte ich tatkräftige Hilfe, nicht nur durch meine wundervollen Betaleserinnen, meine Lektorin, meine Endkorrektorin und meine Coverfee. Sondern auch beim Erstellen der E-Books; den Buchsatz für die Taschenbücher kann ich alleine, und das macht mir auch sehr viel Spaß. Dann ging es um die drei Portale, und glücklicherweise wurde ich an die Hand genommen. Sehr schwer ist es eigentlich nicht, aber beim ersten Mal stellte eine hilfreiche Stimme im Kopfhörer eine große Erleichterung dar. Continue Reading →

Kater der Woche: Trotzdem!

Mein Mensch hat heute mal wieder Nachrichten gehört. Eigentlich hört mein Mensch nicht nur heute Nachrichten, mein mensch hört jeden Tag Nachrichten und liest sie, meist auf diesem komischen Facebook-Ding, wo die Leute immer so nette Katzenfotos und Videos einstellen.

Was wären mein Mensch und ich froh, wenn es auf dem Faceboolk-Ding nur noch Katzenfotos und lustige Videos gäbe. Aber nein. Im Moment ist dieses soziale Medium voll von diesem Kerl mit dem toten gelben Meerschweinchen auf dem Kopf, den mein Mensch gestern irgendwie treffend als Trumpletier bezeichnet hat. Sie sagt, der macht ihr Angst. Und wenn mein Mensch sagt, dass ihr etwas Angst macht, dann muss da was dran sein, denn es sind die Menschen, die die Politik dieser Welt verstehen, und nicht wir Katzen, die wir doch die ganze Zeit nur auf der faulen Haut liegen, fressen, schlafen, niedlich sind und schnurren, wenn man uns streichelt.

Falsch gedacht, liebe Lesende, denn ich glaube, wir Katzen verstehen von diesem Politikding eine ganze Menge. Ich zumindest glaube, dass Politik in diesen Zeiten eine ganze Menge mit dem kleinen Wort “Trotzdem” zu tun hat. Und mit dem kleinen Wörtchen “nein”. Womit wir wieder bei dem Thema sind, das ich letzte Woche schon angerissen habe, nämlich diesem Ding mit dem “bei sich selber anfangen”.

Da sind die Großen, die Mächtigen, die Entscheider, die mit dem Finger am roten Knopf, die, von denen alle glauben, dass sie die Zügel dieser Welt in den Händen halten.

Aber ist das so? Halten sie wirklich alle Zügel in der Hand?

Oder kann sich etwas ändern, wenn gegen 10, die glauben, mächtig zu sein, 1000 aufstehen und “nein” sagen?

Mein Mensch und ich haben heute etwas beschlossen. Nämlich, dass wir uns nicht lähmen lassen von der Angst, die die Politik dieser Tage verbreitet, die von all den Rechten, den Fremdenhassern, den Unempathischen, den Geldgierigen ausgeht. Wir sagen “trotzdem” und lächeln dem Fremden zu, füttern den Streuner auf der Schwelle, sind einfach nur da. Ein offenes Ohr kann Wunder wirken. Ein nein an der richtigen Stelle, vom Richtigen gesprochen, die Welt ebenso verändern wie ein an anderer Stelle gesprochenes ja.

Ich war einmal ein ganz armes Katerding, allein und ohne große Hoffnung – bis die Tierschützer kamen und mich aufpäppelten und dann meine neuen Menschen, bei denen es mir gutgeht. Die Welt kann sich ändern, für jeden von uns, im kleinen, und dann vielleicht auch im großen. Das Zauberwort heißt “trotzdem”. Trotzdem leben. Trotzdem feiern. Trotzdem arbeiten, kreativ sein, Freunde treffen, sich engagieren, trotzdem schreiben, trotzdem den Mund aufmachen, trotzdem sichtbar sein.

Das Zauberwort heißt, so sagt mein Mensch, Hoffnung.

Das ist wie Sonne auf dem schwarzen Katerpelz nach einem kalten dunklen Winter. habt ihr es auch schon gerochen? Diesen ganz kleinen Frühlingshauch in der Luft? Auch dieser Winter dauert nicht ewig.

Erwählte des Zwielichts 85

Dritter Teil: Kinder der Sterne

I

Flammenstern schaute hinauf zu der kleinen Ansammlung von kleinen Unterständen in den Baumkronen und konnte kaum glauben, dass diese einfachen, aber praktischen Behausungen innerhalb weniger Nächte entstanden waren und Nacht für Nacht weiter wuchsen. Bald würden diese Bäume ein Dorf in ihren Kronen tragen. Er fühlte tiefe Zufriedenheit und Stolz in seiner Seele, als er die in die Baumkronen gebauten Plattformen betrachtete, die die aus Zeltplanen und mit Lehm verschmierten Reisigwänden bestehenden ersten Hütten trugen. Einige Wände waren bereits mit Fliesen aus gebranntem Ton verziert, die Lehmformer hergestellt hatte. Flammenstern atmete tief die Nachtluft und fühlte zum ersten Mal seit langer Zweit wieder diese tiefe Ruhe in sich, die er im Krieg so vermisst hatte. Es tat so gut, schöne Dinge zu tun. Zu erschaffen, statt zu zerstören. Leben, statt zu kämpfen und zu töten. Tief in seinem Inneren wusste er, dass es nicht so friedlich bleiben würde, weil die Welt, in der er lebte, einfach nicht für dauerhaften Frieden geschaffen war – aber die Zeit der Ruhe, die ihnen blieb, die wollte Flammenstern genießen. Mit denen, die er liebte. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er sie beobachtete – seine Freunde, seine Nithyara. Sein Volk.
Mit den wenigen nützlichen Dingen, die Wegsucher, Sternauge, Weitherz und Schattensang von ihren Ausflügen mitgebracht hatten, hatten sie die ersten Grundlagen ihres neuen Dorfes errichtet. Sie hatten begonnen, eine kleine Schmiede zu bauen, in der Nachtjäger und Wegsucher aus metallenen Beutestücken aus dem Krieg neue Waffen und Gebrauchsgegenstände schaffen wollten, und einen einfachen Brennofen für Lehmformers Tonarbeiten. Weitherz erinnerte sich an ihre Arbeit als Weberin, die sie vor dem Krieg getan hatte, und baute mit Schattensangs und Feuerlanzes Hilfe an einem einfachen Webstuhl. Wolle und Flachs hatten sie in einem niedergerissenen und verlassenen Menschendorf in der Nähe gefunden, ebenso ein wenig Saatgut und Gegenstände des täglichen Lebens.
Flammenstern wusste, dass sie mit den gefundenen Dingen haushalten mussten. Sie jagten und schabten die Felle der Tiere, um daraus Leder und Pelz zu gewinnen. Sie brauchten warme Kleidung – immer wieder fiel ihm auf, wie leicht er seit einiger Zeit fror. Das einzige, was wirklich half, diese unangenehme Kälte zu vertreiben, war die Nähe der anderen, und am besten half ein Tag in Nebelstreifs Armen.
Sein Blick wanderte zu Nebelstreif und blieb voller Liebe bei ihr. Die Heilerin kümmerte sich um Feuerlanze, deren Leib sich bald runden würde. Der Gedanke an ein Kind erfüllte Flammenstern mit tiefer Dankbarkeit und Freude. Ein Kind war ein Hoffnungsschimmer, so wie die Sternschnuppe, die seine Geburt angekündigt hatte. Und Nebelstreif war so glücklich, dass sie wieder nichts anderes sein durfte, als eine Heilerin, die sich um die Belange eines in Frieden lebenden Volkes kümmerte. Die Kinder auf die Welt holen durfte, statt Kriegswunden zu verbinden und sterbenden Soldaten die Hände zu halten. Continue Reading →

Tanja Rast: Königsmacher

Mit “Königsmacher” stellt Tanja Rast (bekannt durch Arrion und Cajan) den ersten Band ihrer im Selbstverlag erscheinenden Gay-Romance-Reihe “Der Magie verfallen” vor.

Schon der Klappentext macht neugierig und verspricht eine romantisch-humoristische, turbulente Mischung aus Abenteuer und Liebesgeschichte: Jiras und Belac sind Spitzel und Saboteure – und Meister ihres Fachs. Ausgesandt von verfeindeten Fürsten, die nur darauf lauern, die Nachfolge eines erbenlosen Königs an sich zu reißen, prallen die grundverschiedenen Männer inmitten des Intrigenspiels aufeinander. Aus augenblicklicher Faszination füreinander wird rasch mehr. Doch zwischen Verschwörungen, zerstörerischer Magie und einer schier unlösbaren Aufgabe scheint die verbotene Liebe zum Scheitern verurteilt. Können Belac und Jiras angesichts des drohenden Thronfolgekriegs tatsächlich Diensteide und Loyalität über Bord werfen, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen?

Ich will nicht vorwegnehmen, ob sie es können, das sollte jede Freundin und jeder Freund romantischer gay fantasy am besten selbst lesen. Für “Königsmacher” findet Tanja Rast ihre ganz eigene charakteristische Erzählstimme, ihren eigenen Humor und ihre ganz eigene Weise, knisternste Erotik zu schreiben, ohne dabei auch nur ein einziges Mal expliziten Sex zu beschreiben. Doch was sie in ihren Knisterszenen andeutet, läuft schnell in der Phantasie ihrer Leser als ohrenrötendes Kopfkino ab – so ging es jedenfalls mir, als ich dem ungleichen Paar Jiras und Belac in die Welt von “Königsmacher” folgte.
Die Aussicht auf weitere Romane in ähnlichem Stil macht mich ausgesprochen glücklich, denn “Königsmacher” hat einen klitzekleinen Nachteil: Dieses hübsche Buch mit dem ansehnlichen Jiras-Konterfei auf dem von Cover für dich gestalteten Titelbild ist einfach zu schnell zu Ende. denn einmal angefangen, fällt es einem ausgesprochen schwer, es wieder aus der Hand zu legen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Folgebände zu “Der Magie verfallen”.

Interview: Katharina Seck über “Die Silberne Königin” und andere Dinge

 

Liebe Kati, danke, dass Du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast! (Foto: JB_Photographie)

 

Kati: Sehr gern! Vielen Dank für die Möglichkeit!

  1. Erzähl doch mal ein bisschen über Dich. Wer bist Du, wo und wie lebst Du, und was machst Du, wenn Du nicht schreibst?

Kati: Ich bin gebürtige Westerwälderin und lebe in einer kleinen, mittelalterlichen Stadt mit sehr viel Atmosphäre und Wald. Dort arbeite ich im öffentlichen Dienst. Wenn ich nicht gerade arbeite oder schreibe, verbringe ich ganz viel Zeit mit Freunden, Familie, meinem Windhund, Netflix, Büchern, Büchern und Büchern. So oft es geht, versuche ich, Zeit am Meer zu verbringen, wo mein Hund, der ein ebenso passionierter Meerliebhaber ist wie ich, und ich durch Watt und Wasser spazieren.

 

  1. Was schreibst du am liebsten?

Kati: Die letzten Jahre habe ich mich vor allem auf meine Fantasy-Projekte konzentriert. Ich mag es, Welten zu erschaffen, mit Magie zu spielen und der Fantasie freien Lauf lassen zu können. Als Jugendliche habe ich mich selbst am liebsten mit Frodo, Harry Potter, Eragon und Sonea auf Lesereise begeben, daher hat sich für mich schon früh herauskristallisiert, dass die Phantastik auch eins meiner liebsten Schreib-Genre werden wird.

Neben Phantastik schreibe ich auch sehr gern realistische Stoffe, in denen es um Entwicklung, Vergangenheitsbewältigung, Liebe und vor allem um Lebensfreude geht. Im Herbst diesen Jahres wird also mein erster realistischer Roman erscheinen, der mir ganz besonders am Herzen liegt (Anmerkung der Redaktion: das freut mich ganz besonders, denn ich glaube, ich kenne diesen Roman, und er ist wirklich etwas ganz Besonderes, auf das sich alle Leser freuen dürfen).

 

  1. Wo schreibst du? Gibt es Orte, die dich inspirieren?

Kati: Tatsächlich entstehen 95 Prozent meiner Bücher in meiner Wohnung. Mein Zuhause ist mein ganz privater Rückzugsort, in dem ich ungestört und so auch am kreativsten sein kann. Die restlichen fünf Prozent schreibe ich dann dort, wo mein zweites Zuhause liegt: Am Meer.

Ich glaube, es gibt kaum etwas, das mich so sehr inspirieren kann, wie wildes Wellentreiben, Wind, eine salzige Brise und das ozeanblaue Wasser.

 

  1. Aktuell erobert gerade „Die silberne Königin“ aus Deiner Feder den Buchmarkt – ein wunderbares, verzauberndes und poetisches Buch, das, wie ich finde, auch einen klaren Bezug zu unserer eigenen immer mehr erkaltenden Welt hat. Wie bist du auf die Idee zu diesem Buch gekommen?

Kati: Meine Romane entstehen immer mit einem Bild, das sich in meinem Kopf formt. Oft ist es eine atmosphärische Landschaft, ein besonderer Ort, ein magisches Setting. Dazu entwickeln sich dann die Figuren, die in eben dieses Setting passen und in kein anderes. Erst dann baue ich den Plot und die eigentlich Geschichte auf. Silberglanz, also die Stadt, in der „Die silberne Königin“ angesiedelt ist, hat eine winzige Ähnlichkeit mit dem historischen, liebevoll gepflegten Stadtkern meiner Heimatstadt im tiefsten Winter.

 

  1. Du schreibst Fantasy – Was fasziniert dich gerade am Phantastischen?

Kati: Die Möglichkeit, tausend neue Welten zu erschaffen. Tausend neue Welten, die jeder bereisen kann, ganz gleich, wo er sich gerade befindet. Es gibt keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

Continue Reading →

Katharina Seck: Die silberne Königin

Katharina Secks Debütroman “Die silberne Königin” ist ein Buch, auf das ich mich von der ersten Ankündigung an gefreut habe wie der sprichwörtliche und sehr passende Schneekönig. Katharinas zauberhaften Schreibstil kannte ich bereits von meiner Arbeit als Testleserin für ein anderes Projekt aus ihrer Feder, umso gespannter war ich, wie sie diesen Stoff angeht, der zerbrechlich und schön wie eine Eisblume ist, kalt wie der Frost der vergangenen Tage und so voller Hoffnung wie ein Sonnenstrahl nach einem düsteren Regentag.

Zum Inhalt: Für Emma verändert sich ihr ganzes Leben, als sie Arbeit in der Chocolaterie der leicht verschrobenen Madame Weltfremd findet. Die Madame, die mit Schokolade und Plätzchenteig zaubert, kann noch auf eine andere, in Emmas Welt schon lange bei Strafe verbotene Art und Weise Zauber wirken: mit Worten, denn die Madame ist eine begnadete Erzählerin. Als sie beginnt, ihren Helferinnen Emma und Ophelia das Märchen von der silbernen Königin zu erzählen, sieht Emma immer mehr Parallelen des Lebens der märchenhaften Königin zu ihrem eigenen. Zufall? Ab einem bestimmten Augenblick kann Emma nicht mehr an Zufall glauben. Und mutig wie die silberne Königin der Geschichte betritt Emma schließlich das Schloss aus Eis, in dem der grausame Casper als tyrannischer König herrscht. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Wänden aus Eis und der kalten Unnahbarkeit des so gefühllosen Herrschers? Und welche Geheimnisse waren innerhalb der Mauern des kalten Palastes darauf, dass Emma sie lüftet? Verbirgt sich dort vielleicht sogar die Lösung des Mysteriums ihrer eigenen Herkunft?

Katharina Seck zaubert mit Worten wie Madame Weltfremd und zieht mich als Leserin von der ersten Seite hinein in Emmas in Eis erstarrte Welt. Ich kann nicht umhin, Parallelen zu unsere eigenen Realität zu sehen, wenn ich von dieser Welt des ewigen Winters lese, in der Menschen einander nicht mehr vertrauen können, in der jeder gehetzt ist und um das letzte Bisschen Wärme kämpft. In der Hoffnung und Liebe eigentlich keinen Platz mehr haben, weil alle Hoffnung von Kälte erstickt wird. Doch da ist Emma, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt, die kämpft und andere Menschen in ihren Kampf hineinzieht. Die aufbegehrt und damit Hoffnung weckt. Die weiß, dass ihr Weg in den sicheren Tod führen kann, aber ihn dennoch ohne zu zögern weitergeht, ganz einfach, weil sie weiß, dass sie es tun muss.
Katharina Seck erzählt Emmas Gesichte in gefühlvollen, poetischen Worten, eine zarte und doch starke Geschichte mit einer sympathischen Heldin, in der ich mich ohne Probleme wiederfinden kann.

“Die silberne Königin” ist eine phantastische Geschichte gegen die Angst und die Hoffnungslosigkeit dieser Welt. Jeder, der sich fragt, was er allein schon erreichen kann, der sollte dieses Buch lesen. Ich hoffe, dass es dazu führt, dass sich in unserer realen Welt immer mehr Emmas erheben, um der Kälte die Stirn zu bieten.

Kater der Woche: Sch***kälte!

“Damals nannte man es Winter – heute nennt man es Schneekatastrophe.” So meine Menschen, wenn es mal wieder schneit und friert und sämtliche öffentlichen Menschentransportmittel die Kooperation einstellen. Winter ist kalt, glatt, nass und matschig, windig und weiß.

Ich gebe zu, ich mag den Winter nicht. Jeden Morgen, wenn meine bepelzten Mitbewohnerinnen erst mal unter lautem Miauen den Balkon stürmen und nichts anderes wollen als draußen zu sitzen, sträubt sich mir schon ganz automatisch das Fell. Mädels, geht’s noch? Es ist verflucht kalt da draußen! Nein danke, da bleiben wir Herren der Schöpfung doch lieber drinnen, drücken unsere Nasen in weiche, warme Decken und lassen es uns schnurrig gut gehen.

Ich als genusserfahrenes Katertier kann Ihnen sagen, dass das die einzige Weise ist, wie mit diesem usseligen Wetter umzugehen ist: Probier’s mal mit Gemütlichkeit. Wer nicht unbedingt auf die Straße muss, bleibe drinnen und kuschele sich aufs Sofa, wahlweise mit einer warmen Decke, einer flauschigen Katze, einem guten Buch, einem heißen Tee oder am allerbesten mit allem zusammen.

Und wer raus muss, vergesse nicht Schal und Handschuhe, denn ihr armen Menschen habt ja nicht wie wir einen kuscheligen Pelzmantel an.

Und ärgert euch nicht über die Kälte. Denn wer kann schon die Wärme genießen, wenn er die Kälte nicht kennt? So ist das doch mit vielen Dingen. Wer nie das Traurige, Schmerzhafte, Schlimme erlebt hat, kann sich doch gar nicht über das Gute, Schöne, Helle freuen. Freut euch, liebe Lesende, wenn ihr noch nie wirklich in einem Loch gesessen habt, das so schwarz ist wie mein plüschiges Katerfell. Vergesst in all eurem Alltagstrott nicht, das Schöne zu sehen, und sei es noch so klein.

Und wenn ihr die nachrichten hört und denkt: “Ach du meine Güte, wie soll ich als winzig kleines Licht denn die Welt heller und schöner machen?”

Dann denkt daran, dass ich nur ein kleiner schwarzer Kater bin, der nicht hat als sein Schnurren, seinen weichen Pelz und seine Wärme, der aber ganz genau weiß, dass er es mit genau diesen Dingen im Leben seiner Menschen wärmer und schöner machen kann. Die Welt verändern kann nur, wer bei sich selbst im Kleinen anfängt. Mit diesen kleinen Dingen, die manch einem so banal erscheinen: einem Lächeln, einem freundlichen Wort, einem heißen Kaffee, einem lauschenden Ohr und einer haltenden Hand. Oder mit einem Schnurren. Wenn man denn eine Katze ist.

In diesem Sinne und mit etwas Verspätung: alles Gute für das nicht mehr ganz so neue Jahr 2017.

Erwählte des Zwielichts 84

Malika konnte nicht aufhören, sich zu fragen, ob Iloyon sie noch haben wollte, nachdem sie noch vor Kurzem ihm und denen, die sich für das neue Leben unter der Führung der Nithyaragötter entschieden hatten, den Rücken gekehrt hatte. Wie lange war das jetzt her? Drei Wochen? Ein Monat?

„Woran denkst du, Mal?“ Liandras goss den Tee in Becher und verteilte sie, dazu dicke, zähe Schinkenscheiben.

„Iloyon“, sagte sie. „Ich wünschte, wir wären schon da.“

„So schnell, wie diese Katzen laufen, kann es nicht lange dauern, bis wir die anderen finden. Du solltest schlafen, du siehst aus wie dein eigener Tod.“

Malika nickte, sie war wirklich müde. „Weckt mich zur letzten Wache.“

„Vergiss es, du wachst heute nicht.“

„Liandras, wir sind nur zu dritt!“

„Er hat recht.“ Iendra hob ihre Hand, als Malika protestieren wollte. „Du bist verletzt und erschöpft, Nachwirkungen vom Gift sind noch immer in deinem Blut. Leg dich hin – oder ich lege einen Schlafbann auf dich!“ Die Heilerin grinste, und Malika rollte die Augen. „Bei solchen Freunden“, murmelte sie ergeben, hüllte sich aber doch dankbar enger in ihren Umhang und lehnte sich an einen Baum. Der Schlaf kam wie ein Faustschlag ins Gesicht.

 

Als Malika erwachte, spürte sie neben sich angenehme Wärme. Ein gleichmäßiges Brummen drang an ihr Ohr. Sie öffnete die Augen und sah ihren Nachtschleicher neben sich liegen, dicht an sie geschmiegt. Der Kater sah sie aus seinen goldenen Augen an und schnurrte. Als Malika sich aufrichtete, sah sie auch Liandras und Iendra gerade aus ihren Mänteln kriechen und sich die Augen reiben.

„Tagwache, soso“, sagte Malika und grinste. „Guten Morgen!“

Wir haben über euch gewacht, klang die schnurrende Stimme des Katers in ihren Gedanken.

„Das sehe ich, du Schöner. Danke.“ Malika ließ ihre Hand durch die seidige Mähne streichen. „Wir sollten bald aufbrechen, nicht wahr?“

Ja. Eure Feinde suchen euch, aber noch haben sie eure Spur nicht gefunden. Esst, trinkt, dann ziehen wir weiter. In zwei Nächten sind wir bei Flammenstern.

 

Der Kater sollte Wort halten. Als die Nachtschleicher am Abend des übernächsten Tages endlich langsamer wurden, sah Malika vor sich die Lichtung, auf der sie sich von Iloyon und Cianthara verabschiedet hatten. Sie wusste, dass der Felsen, an dem die Götter Iloyon gerufen hatten, ganz in der Nähe sein musste. Als könnte sie seine Ausstrahlung fühlen. Auf der Lichtung herrschte rege Betriebsamkeit. Malika entdeckte kleine Unterschlupfe in den Kronen der mächtigen Bäume mit der silbernen Rinde. Anscheinend hatten Iloyon und die anderen keine Zeit verloren, sich hier in diesem Wald häuslich einzurichten. Tief atmete sie durch und streichelte ihren Nachtschleicher. „Wir sind da“, flüsterte sie. „Danke, ihr wunderschönen Jäger.“

Erwählte des Zwielichts 83

Malika wusste nicht, wie weit sie gekommen waren, als die Nachtschleicher ihre Schritte verlangsamten. Jeder Knochen in ihrem Leib schmerzte, als sie langsam die Finger aus der Mähne und den Klammergriff ihrer Beine um den Bauch des Katers, der sie getragen hatte, löste. Ein dunkles Schnurren antwortete ihr. In ihrem Kopf flüsterte die schon bekannte Stimme: Ihr werdet hier rasten. Ruht euch aus. Hier seid ihr sicher, weit genug fort von der Menschenstadt. Wir werden morgen Abend wiederkommen und euch weiter tragen, bis wir die Kinder des Zwielichts gefunden haben. Sorgt euch nicht, niemand ist uns gefolgt und niemand wird euch hier schaden.

Malika öffnete die Augen und ließ sich langsam vom Rücken des Katers gleiten. Ihr Bein gab unter ihr nach und sie sank mit einem leisen Keuchen in ein weiches Moospolster. Blinzelnd blickte sie sich um. Es dämmerte in den Farben beginnenden Abends, das Licht brach sich jetzt anders im unendlichen Grün des Waldes, als noch am frühen Morgen. Die Kater hatten sie zu einer Lichtung getragen, fast kreisrund um umgeben von hohen Bäumen mit silbriger Rinde und hellen, kleinen Blättern, die im Wind leise wisperten. Am Rand der Lichtung schlängelte sich ein schmaler Wasserlauf entlang. Erst, als Malika das Plätschern hörte, wurde ihr klar, wie durstig sie war – und wie hungrig. Die Kater mussten den ganzen Tag gelaufen sein. Iendra humpelte ungelenk auf Malika zu, auch ihr und Liandras schien der Ritt in der ungewohnten Haltung auf dem nackten Rücken eines übergroßen Katzenwesens in den Knochen zu stecken. Die Kater schienen sie geradezu amüsiert zu beobachten. Continue Reading →